Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

erstinken

Grammatik Verb · erstinkt, erstank, hat erstunken
Worttrennung er-stin-ken
Wortzerlegung er- stinken
Wortbildung  mit ›erstinken‹ als Grundform: erstunken
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

stinken · erstinken · erstunken und erlogen · Stunk · Stinktier
stinken Vb. ‘üblen Geruch von sich geben, unangenehm riechen’, ahd. stinkan ‘Geruch von sich geben, duften, riechen’, auch ‘nach Fäulnis, übel riechen’ (um 800), mhd. stinken ‘(üblen) Geruch von sich geben, durch den Geruchssinn wahrnehmen’, mnd. mnl. nl. stinken ‘üblen Geruch verbreiten’, aengl. stincan ‘springen, hüpfen, stieben, Geruch verbreiten und wahrnehmen’, engl. to stink ‘üblen Geruch verbreiten’, anord. støkkva ‘springen, bersten, (be)spritzen, fliehen’, norw. støkke ‘erschrecken’, got. stigqan ‘zusammenstoßen’ (germ. *stenkwan). Herkunft ungewiß. Mit Ablautentgleisung zu den unter Stock und Stück (s. d.) angeführten Formen zur Wurzelerweiterung ie. *(s)teug- ‘stoßen, schlagen’ (Pokorny 1, 1032)? Lautlich stehen nahe lat. stinguere ‘auslöschen’, exstinguere ‘auslöschen, austrocknen, vernichten’, intransitiv ‘ausgehen (vom Feuer)’, lit. stìgti ‘entbehren’, vielleicht auch aind. táṅgati ‘strauchelt, zittert’ und tyájati ‘gibt auf, läßt im Stich’ (vgl. Seebold 472). Die Bedeutungsentwicklung dürfte dann ausgehen von ‘stoßen’, woraus über ‘spritzen, stieben’ im Westgerm. ‘ausdünsten, Geruch verbreiten’. erstinken Vb. ‘anfangen zu stinken, verfaulen’, mhd. erstinken, ahd. irstinkan ‘stark duften’ (um 1000). Dazu die Wendung erstunken und erlogen Part. Prät. ‘erdichtet, nicht der Wahrheit entsprechend, gelogen’ (16. Jh.). Stunk m. ‘Zänkerei, Streit’, späte Ablautbildung (Ende 19. Jh., südwestd., md., berlin.) zu stinken und Stank (s. Gestank), nach Vorbildern wie trinken, Trank, Trunk. Unabhängig davon asächs. stunk ‘Gestank, Geruch’. Vgl. Stunk machen ‘Streit, Ärger anfangen’. Stinktier n. Marderart, die Angreifer mit einem übelriechenden Drüsensekret bespritzt (18. Jh.).

Verwendungsbeispiele für ›erstinken‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wie vieles im Leben ist allerdings auch bei ihm alles erstunken und erlogen. [Der Tagesspiegel, 26.04.2004]
Doch das ist gar nicht wahr, ist vielmehr alles erstunken und erlogen. [Die Zeit, 01.10.1982, Nr. 40]
Wenn allerdings tatsächlich gefoltert wird, dann wären gegenteilige Behauptungen erstunken und erlogen. [Süddeutsche Zeitung, 16.01.1998]
Ich halte nicht alles für erstunken und erlogen, was er über seinen sexuellen Mißbrauch durch den Vater gesagt hat. [Süddeutsche Zeitung, 28.11.1998]
Ganz erstunken und erlogen aber ist sie deswegen noch lange nicht. [Der Tagesspiegel, 05.12.1999]
Zitationshilfe
„erstinken“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/erstinken>.

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