erteilen

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennunger-tei-len
Grundformteilen
Wortbildung mit ›erteilen‹ als Erstglied: ↗Erteilung
eWDG, 1967

Bedeutung

jmdm. etw. geben, zuteilwerden lassen
Beispiele:
jmdm. einen Befehl, Rat erteilen (= jmdm. befehlen, raten)
jmdm. einen Auftrag, Verweis, eine Weisung erteilen
ihm wurde die (Ausreise)erlaubnis, (Aufenthalts)genehmigung nicht erteilt
Diplomatie einem ausländischen Diplomaten das Agrément erteilen (= seiner Ernennung zum diplomatischen Vertreter zustimmen)
dem Journalisten wurde keine Auskunft erteilt
jmdm. Unterricht erteilen (= jmdn. unterrichten)
jmdm. einen Tadel, eine Rüge erteilen (= jmdn. tadeln, rügen)
jmdm. eine Lehre, Lektion, Abfuhr erteilen (= jmdn. zurechtweisen)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Teil · teilen · Teilung · teilbar · abteilen · Abteilung · erteilen · mitteilen · Mitteilung · verteilen · teilhaftig · teils · Anteil · Anteilnahme · Gegenteil · gegenteilig · Nachteil · nachteilig · benachteiligen · Vorteil · übervorteilen · teilhaben · Teilhaber · teilnehmen · Teilnahme
Teil m. n. ‘Stück eines Ganzen, Einzelheit, Anteil’, ahd. (8. Jh.), mhd. teil m. n., asächs. dēl m., mnd. dēl m. n., mnl. nl. deel n., aengl. dǣl m., engl. deal, got. dails f. sowie ahd. teila f. ‘Teilung’ (9. Jh.), mhd. teile f. ‘Teilung, Zugeteiltes’, anord. deila f. ‘Teilung, Zwiespalt, Streit’, got. daila f. ‘Teilnahme’ (germ. *dail- mit unterschiedlicher Stammbildung) und aslaw. dělъ ‘Teil’, russ. (älter) del (дел) ‘Teilung’ sind Bildungen mit l-Suffix, die mit lit. dailýti ‘teilen’ zusammenstimmen. Weitere Verknüpfungen bleiben unsicher. Zu einer Wurzel ie. *dā(i)-, *dī̌- ‘teilen, zerschneiden, zerreißen’? Oder stammt der germ.-baltoslaw. Ausdruck aus einer Substratsprache? teilen Vb. ‘ein Ganzes in Einzelstücke zerlegen’, ahd. teilen, teilōn (8. Jh.), mhd. teilen, asächs. dēlian, mnd. mnl. dēlen, deilen, nl. delen, aengl. dǣlan, engl. to deal, anord. deila, got. dailjan, Bildung zum Substantiv; dazu Teilung f. ahd. teilunga (um 900), mhd. teilunge, und teilbar Adj. ‘so beschaffen, daß man es teilen kann’ (15. Jh.). abteilen Vb. ‘einteilen, trennen, absondern’, mhd. abeteilen ‘(gerichtlich) aberkennen, vermögensrechtlich abfinden, einen Teil von einem Ganzen trennen’; vgl. got. afdailjan ‘ein Zehntel abgeben’. Abteilung f. ‘Abtrennung, Loslösung, Abschnitt, Teil eines Ganzen’, (militärisch) ‘Gliederungseinheit der Truppe’, auch ‘Bereich der Verwaltung und Arbeitsorganisation’ (18. Jh.), mhd. abeteilunge ‘Abtrennung, Loslösung’, frühnhd. ‘Erbteilung’ (16. Jh.), auch ‘Eisenbahnabteil’ (2. Hälfte 19. Jh.), s. ↗Abteil. erteilen Vb. ‘(auf Grund einer Verfügungsgewalt eine Aufgabe, eine Berechtigung) zuteil werden lassen’, ahd. irteilen ‘Recht zuteilen, ein Urteil aussprechen, einen Rat, Befehl geben’ (8. Jh.), mhd. erteilen ‘ein Urteil sprechen, richten, verurteilen, als Urteil zuerkennen, teilen’. Dazu ↗Urteil, s. d. mitteilen Vb. ‘etw. wissen lassen, benachrichtigen, anvertrauen’, mhd. miteteilen ‘Rat geben, etw. mit jmdm. teilen, jmdm. zukommen lassen, übergeben’; Mitteilung f. ‘Nachricht, Meldung, Benachrichtigung, Bekanntgabe’ (16. Jh.). verteilen Vb. ‘(ein Ganzes in einzelnen Stücken) ausgeben’, ahd. firteilen ‘des Anteils berauben, verurteilen’ (10. Jh.), mhd. verteilen ‘ver-, zerteilen, bei einer Teilung übergehen, enterben, den Anteil absprechen, eines Anteils berauben, durch Urteil absprechen, verurteilen, verdammen, verfluchen, verwünschen’. teilhaftig Adj. ‘Anteil habend’, mhd. teilhaftic, teilheftic. teils Adv. ‘teilweise, zum Teil’ (17. Jh.), aus der genitivischen Fügung mhd. eines teiles, frühnhd. (eines) theils ‘zum Teil, einige’, wohl entstanden aus Verbindungen, in denen Teil als Ergänzung zum Verb auftritt. Anteil m. ‘zustehender, zufallender Teil, innere Anteilnahme, Beteiligung’, mhd. anteil; die übertragene Bedeutung ‘Mitgefühl’, besonders in der Wendung Anteil nehmen, entsteht im 18. Jh.; dazu Anteilnahme f. ‘(innere) Beteiligung, Mitgefühl’ (19. Jh.). Gegenteil n. ‘den Gegensatz zu etw. anderem Darstellendes’, mhd. gegenteil ‘Gegenpartei im Rechtsstreit’; im heutigen verallgemeinerten Sinne seit dem 16. Jh.; gegenteilig Adj. (16. Jh.). Nachteil m. ‘Umstände, die jmdn. beeinträchtigen, jmdm. schaden’ (15. Jh.), als Gegenwort zu älterem Vorteil, s. unten; nachteilig Adj. (15. Jh.).; benachteiligen Vb. ‘zurücksetzen, nicht das gleiche zugestehen’ (16. Jh.). Vorteil m. ‘günstiger Umstand, Gewinn, Nutzen’, ahd. forateila f. ‘Belohnung, Zuteilung’ (8. Jh.), mhd. vorteil m. n. ‘Teil voraus, Vorausempfang, Vorrecht’, mnd. vordēl n.; übervorteilen Vb. ‘Vorteil über jmdn. erringen, überlisten, betrügen’ (15. Jh.). teilhaben Vb. ‘beteiligt sein, teilnehmen’, ahd. teil habēn (8. Jh.), mhd. teil haben; Teilhaber m. ‘Mitberechtigter an Eigentum, besonders Geschäftseigentum’ (Anfang 18. Jh.), Kompagnon verdrängend. teilnehmen Vb. ‘sich beteiligen, mitmachen, mitempfinden, mitfühlen’, ahd. teil neman (8. Jh.), mhd. teil nemen; Teilnahme f. ‘Beteiligung, das Beteiligtsein, Mitgefühl’ (18. Jh.), älter Teilnehmung.

Thesaurus

Synonymgruppe
(einen Preis) verleihen · erteilen · ↗vergeben · ↗zuerkennen · ↗zusprechen
Synonymgruppe
geben · ↗verpassen  ●  erteilen  Amtsdeutsch

Typische Verbindungen
computergeneriert

Abfuhr Absage Absolution Anweisung Auflage Auftrag Auskunft Ausnahmegenehmigung Baugenehmigung Befehl Erlaubnis Freigabe Genehmigung Hausverbot Lektion Lizenz Mandat Patent Rat Ratschlag Religionsunterricht Rüge Segen Unterricht Visum Vollmacht Weisung Zulassung Zuschlag Zustimmung

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›erteilen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Um die Wissenschaft nicht zu verfälschen, wollen wir sie davon entbinden, uns in diesen Fragen, in die so viele Interessen hineinspielen, Rat zu erteilen.
Die Zeit, 01.01.2003 (online)
Dabei erteilen Sie Ihrer Bank den Auftrag, das Papier zu verkaufen, sobald ein bestimmter Kurs erreicht wird.
Der Tagesspiegel, 18.07.2000
Für eine solide inhaltliche Vorbereitung erteilte sie noch die Aufträge.
Brandt, Willy: Erinnerungen, Berlin: Ullstein 1997 [1989], S. 359
Mit dem bewegten Bild konnte man später einer wesentlich größeren Zahl von Studenten mit eindrucksvollerer Wirkung als am Objekt selbst die Lehre erteilen.
Kriegk, Otto: Der deutsche Film im Spiegel der Ufa, Berlin: Ufa-Buchverl. 1943, S. 94
Der General wolle sich belieben lassen, ihm andere Order zu erteilen.
Huch, Ricarda: Der Dreißigjährige Krieg, Wiesbaden: Insel-Verl. 1958 [1914], S. 723
Zitationshilfe
„erteilen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/erteilen>, abgerufen am 24.03.2019.

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