erweichen

GrammatikVerb · erweichte, hat/ist erweicht
Aussprache
Worttrennunger-wei-chen (computergeneriert)
Grundformweichen1
Wortbildung mit ›erweichen‹ als Erstglied: ↗Erweichung · ↗erweichbar  ·  formal verwandt mit: ↗herzerweichend · ↗steinerweichend
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
mit Hilfsverb ›hat‹
etw. weich machen
Beispiele:
die Sonne, Hitze hat den Asphalt erweicht
den Lack, eine Firnisschicht mit einem Lösungsmittel erweichen und abschaben
durch den Seifenschaum wird die Hornhaut erweicht
übertragen etw., jmdn. milde stimmen, rühren
Beispiele:
jmds. Herz, Stolz erweichen
seinen harten Sinn erweichen
das Unglück hatte seine Seele erweicht
jmdn. zum Nachgeben bewegen
Beispiele:
ihre Tränen, Bitten erweichten ihn
er ist nicht zu erweichen
sich von jmdm. erweichen lassen
2.
mit Hilfsverb ›ist‹
weich werden
Beispiele:
Asphalt, Thermoplast erweicht bei steigender Temperatur
tiefgekühltes Gemüse erweicht in etwa zwei Stunden
das Papier, der Erdboden war durch die Nässe erweicht (= aufgeweicht)
übertragen dem Gefühl der Milde, Rührung nachgeben
Beispiele:
sein harter Sinn, Trotz erweichte durch ihr gütiges Wesen
durch ihre Bitten, Tränen erweichte er (= wurde er nachgiebig)
Er war grausam wie eben ein armer Scherge, der ... nicht erweichen darf [FrischStiller190]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

weich · weichen1 · Weiche1 · erweichen · weichlich · Weichtier
weich Adj. ‘nicht hart, nachgebend, biegsam, kraftlos, zart’, ahd. weih (8. Jh.), mhd. weich, asächs. mnd. wēk, mnl. weec, nl. week, aengl. wāc (engl. weak aus dem Anord.), anord. veikr, schwed. vek (germ. *waika-) ist wie das unter ↗weichen (s. d.) behandelte Verb an ie. *u̯eig- ‘biegen, winden, sich wenden, weichen’ anzuschließen. Als Ausgangsbedeutung ist ‘biegsam, nachgebend’ anzusetzen. weichen1 Vb. ‘weich machen oder werden’, ahd. weihhen ‘weich machen’ (um 800, giweihhen, 8. Jh.), weihhēn (10. Jh.), weihhōn (um 1100) ‘weich werden’, mhd. weichen ‘weich machen oder werden’. Weiche1 f. ‘Zustand des Weichseins, Weichheit’, ahd. weihhī (8. Jh.), mhd. weiche. In konkretem Gebrauch auch ‘weiche Stelle des Körpers’ (15. Jh.), in medizinischen Texten des 16. Jhs. ‘Flanke, knochenlose, weiche Körperstelle zwischen der untersten Rippe und dem Hüftknochen’ (oft pluralisch, seit Ende 16. Jh.), auch gelegentlich ‘Taille’ (16. Jh.). erweichen Vb. ‘weich machen, werden’, ahd. irweihhēn (9. Jh.), mhd. erweichen. weichlich Adj. ‘in ungehöriger, unerwünschter Art weich’ (15. Jh. in diesem Sinne zuerst mnd. wēklīk, dann md., 16. Jh.), ‘ohne innere Widerstandskraft, kraft- und energielos, verzärtelt’ (Mitte 17. Jh.), ‘willensschwach’ (19. Jh.); zunächst als Adverb zum Adjektiv weich gebildet, vgl. mhd. weichlīche ‘auf weiche, milde Weise, verweichlicht’. Weichtier n. skelettloses Tier mit weicher Körperdecke, oft mit äußerer Kalkschale, besonders Schnecken, Muscheln, Tintenfische (1. Hälfte 19. Jh.), Übersetzung von zoolog.-lat. Mollusca Plur. (Cuvier 1812, im weiteren Sinne, auch Würmer umfassend, bereits Linné 1758), nach lat. molluscus ‘recht weich’ (vgl. mollusca nux ‘Nuß mit weicher, dünner Schale’), Weiterbildung zu lat. mollis ‘weich’.

Thesaurus

Synonymgruppe
(jemanden) umstimmen · (jemanden) zum Einlenken bewegen · erweichen · zum Nachgeben bewegen  ●  ↗(jemanden) bekehren  fig. · (jemanden) bringen zu  ugs. · weichklopfen  ugs. · weichkochen  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
erweichen · flüssig werden · ↗schmelzen
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Gesang Gott Herz Hirn Knie Stein Temperatur Träne endlich

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›erweichen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Vielleicht erweicht ihn ein abgehackter Finger, mit dessen Blut er geschrieben wurde.
Bild, 12.07.2000
Trotz guten Zuredens ließ sich die Software zunächst nicht erweichen, unberechtigte Benutzer zu akzeptieren.
C't, 1999, Nr. 20
Sie ließ sich erweichen und trank mit ihm ein Glas.
Suter, Martin: Lila, Lila, Zürich: Diogenes 2004, S. 174
In den meisten Fällen versucht man, den Steuermann zu erweichen.
Lehmann, Arthur-Heinz: Mensch, sei positiv dagegen!, Dresden: Heyne 1939 [1939], S. 12
Kosenamen ersten Ranges gab er uns, aber nichts erweichte uns.
Viersbeck, Doris: Erlebnisse eines Hamburger Dienstmädchens. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1910], S. 8183
Zitationshilfe
„erweichen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/erweichen>, abgerufen am 20.04.2019.

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