erwidern

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennunger-wi-dern (computergeneriert)
Grundformwidern
Wortbildung formal verwandt mit: ↗unerwidert
eWDG, 1967

Bedeutung

siehe auch wider (Lesart 1)
1.
auf eine mündliche oder schriftliche Frage oder eine Aussage in mündlicher oder schriftlicher Form eingehen, antworten
Beispiele:
(jmdm.) auf etw. freundlich, liebenswürdig, lächelnd, heftig, scharf erwidern
sie erwiderte (= entgegnete), dass sie anderer Meinung wäre
er erwiderte nichts
auf seine Frage, darauf erwiderte sie, dass ...
was sollte ich darauf erwidern?
2.
auf etw., was von jmdm. ausgeht, in gleicher Weise reagieren
Beispiele:
jmds. Blick, Lächeln, Gruß erwidern
er erwiderte ihre Gefühle, Zuneigung, Liebe
eine Neigung erwidern
einen Besuch, eine Einladung erwidern
Der erwiderte übrigens des Kaisers Abneigung [Feuchtw.Tag60]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

wider · wieder · zuwider · widerlich · widern · erwidern · widrig · Widerhall · widerlegen · widerrufen · widerspenstig · widersprechen · Widerspruch · widerstehen · Widerstand · widerwärtig · Widerwille · widerwillig
wider Präp. ‘gegen, entgegen’. wieder Adv. ‘zurück, abermals, erneut’, mit konjunktionalem Charakter ‘umgekehrt, hingegen, anderer-, seiner-, ihrerseits’ Die seit dem 17./18. Jh. durch gelehrte Regelung orthographisch geschiedenen Wörter haben eine gemeinsame Herkunft. Ahd. widar Präp. ‘(ent)gegen, wider’ (8. Jh.), widar(i) Adv. ‘entgegen, zuwider, zurück, wiederum, abermals’ (um 800), mhd. wider (md. auch widder, weder) Präp. ‘gegen, wider’, wider(e) Adv. ‘(ent)gegen, zuwider, zurück, abermals’, asächs. wiðar Präp. ‘gegen, wider’, Adv. ‘zurück’, mnd. wed(d)er Präp. ‘gegen, wider’, wedder Adv. ‘zurück, abermals, wiederum, entgegen’, mnl. nl. weder, weer Präp. ‘wider, gegen’, Adv. (mnl. auch wēdere) ‘zurück, wieder, gegen’, afries. wither, aengl. wiþer Präp. Adv. ‘gegen’, anord. viðr Präp. ‘bei, gegen, wider’, got. wiþra Präp. ‘gegen, gegenüber’ (germ. *wiþra-) sind wie aind. vitarám ‘weiter, ferner’, awest. vītarəm ‘seitwärts’, vītara- ‘der seitlichere’ Bildungen mit dem Suffix ie. -tero-, setzen also ie. *u̯itero- voraus. Dessen Grundlage ie. *u̯ī̌- ‘auseinander’ findet sich in aind. ‘auseinander, abgetrennt, weg, fort’, awest. vī-, vi-, vy- ‘auseinander, abseits, entgegen’ und in den Weiterbildungen lit. vìsas ‘alle’, aslaw. vьsь, russ. ves’ (весь) ‘all, ganz’ (d. i. ‘nach allen Seiten auseinandergegangen’), lat. vitium (aus *u̯itiom) ‘Fehler, Gebrechen’. Neben den oben angeführten, germ. *wiþra- entsprechenden Bildungen stehen in einigen germ. Sprachen Kurzformen wie asächs. wið Präp., aengl. wiþ Präp., anord. við Präp., die sich in den modernen Sprachen durchgesetzt haben, vgl. engl. with Präp. ‘mit’, schwed. vid Präp. ‘bei, an, neben, auf’, zeitlich ‘gegen’, Adv. ‘etwa, ungefähr’. Die Bedeutungsentwicklung geht aus von räumlich verstandenem ‘auseinander, (ent)gegen’. Die Präposition steht daher für ‘gegen’ (räumlich, dann besonders im Sinne des feindlichen Entgegenwirkens, des Widerstandes) und für ‘im Gegensatz, im Widerspruch zu’; das Adverb steht für ‘zurück’ (d. h. ‘der eingeschlagenen Richtung entgegen’), woraus im zeitlichen Sinne ‘abermals, wiederum’. Alle Verwendungsweisen sind bereits im Ahd. entwickelt. In der Art einer adversativen Konjunktion ‘umgekehrt, hingegen, andrerseits’ (bereits bei Notker) wird wi(e)der besonders in neuerer Zeit gebräuchlich (er war freundlich, dann wieder unausstehlich). Adverbieller Gebrauch im Sinne von ‘(ent)gegen’ (der Wind war jnen wider, Luther) ist erhalten in der Erweiterung zuwider Adv. Präp. ‘entgegengesetzt, feindlich, widerwärtig’ (16. Jh.) und in zahlreichen Verbalkomposita (s. unten). widerlich Adj. ‘ungünstig, schlecht, unangenehm, abstoßend’ (17. Jh.), älter ‘gegnerisch, feindlich’ (16. Jh.). widern Vb. ‘zuwider, unangenehm sein, anwidern’ (17. Jh.), älter ‘zuwider-, entgegenhandeln, ablehnen, unterbinden, sich weigern, widerstreben’, ahd. widarōn, widaren ‘zurückweisen, ablehnen, zu verhindern suchen, sich weigern’ (8. Jh.), mhd. wider(e)n ‘zuwider machen, verleiden, sich widersetzen, rückgängig machen, zurückweisen, verschmähen, vergelten’. erwidern Vb. ‘entgegnen, antworten, reagieren’, mhd. erwideren ‘entgegnen, antworten, ersetzen’, ahd. irwidarōn ‘zurückweisen, verwerfen, mißbilligen’ (9. Jh.). widrig Adj. ‘ungünstig, unangenehm, Widerwillen erregend’, spätmhd. widerig. Widerhall m. ‘reflektierter Schall, Echo’, spätmhd. widerhal. widerlegen Vb. ‘nachweisen, daß etw. nicht zutrifft, etw. als falsch erweisen’ (16. Jh.), mhd. widerlegen ‘erstatten, ersetzen, wiedergutmachen, vergelten, umbiegen, umlegen, Widerstand leisten’. widerrufen Vb. ‘eine Aussage zurücknehmen’, mhd. widerruofen, -rüefen ‘ab-, zurückrufen, zurücknehmen, absetzen, widerlegen’. widerspenstig Adj. ‘widersetzlich störrisch’ (Ende 15. Jh.), nach voraufgehendem mhd. widerspene, widerspān, -spæne; vgl. mhd. span und widerspān ‘Streitigkeit, Zerwürfnis’, eigentlich ‘(gegenseitige) Spannung’, zu der unter ↗spannen (s. d.) dargestellten Wortgruppe. widersprechen Vb. ‘das Gegenteil vertreten, sich gegen etw. äußern’, ahd. widarsprehhan (10. Jh.), mhd. widersprechen ‘sich mit Worten gegen etw. wenden’; seit dem 17. Jh. auch ‘im Gegensatz stehen, nicht übereinstimmen, sich entgegenstehen’. Widerspruch m. ‘Einwand, Protest, (logische) Unvereinbarkeit’ (15. Jh.). widerstehen Vb. ‘Widerstand leisten, einer Neigung nicht nachgeben, zuwider, unangenehm sein’, ahd. widarstān, -stēn (8. Jh.), -stantan (9. Jh.), mhd. widerstān, -stēn. Widerstand m. ‘Gegenwehr, Weigerung, Behinderung’, mhd. widerstant; im Plural ‘Hemmungen, Hindernisse’ (18. Jh.); Widerstand leisten (18. Jh.), passiver Widerstand (Mitte 19. Jh.), nach engl. passive resistance. widerwärtig Adj. ‘abstoßend, unangenehm, ungünstig’, ahd. widarwertīg, -wartīg ‘feindlich, feindselig, entgegengesetzt, ungünstig’ (um 900), mhd. widerwertic, -wartic ‘entgegenstrebend, -gesetzt, widersetzlich, feindlich, unangenehm, zuwider’; zur Herkunft des Grundworts s. ↗-wärts. Widerwille m. ‘Widerstreben, Abneigung’, mhd. widerwille ‘Zwist, Auflehnung, Unannehmlichkeit, Ungemach’. widerwillig Adj. ‘ungern, widerstrebend’, frühnhd. auch ‘sich auflehnend, feindlich entzweit’ (15. Jh.); vgl. mhd. widerwillicheit.

Thesaurus

Synonymgruppe
(ein) Statement setzen · (eine) Stellungnahme abgeben (zu) · (etwas) sagen zu · ↗(sich) positionieren · Position beziehen · Stellung beziehen (zu) · Stellung nehmen (zu) · ↗antworten · ↗beantworten · ↗eingehen (auf) · erwidern (auf) · ↗reagieren · zur Antwort geben
Oberbegriffe
  • (sich) äußern zu · reden über · sprechen von
Unterbegriffe
  • (Frage) mit nein beantworten · ↗(Frage) verneinen  ●  (Frage) abschlägig bescheiden  Amtsdeutsch
Assoziationen
Synonymgruppe
(jemandem etwas) entgegenhalten · den Einwand erheben (dass) · ↗einwenden · ↗einwerfen · ↗entgegnen · erwidern · ↗kontern (mit) · mit dem Gegenargument kommen (dass) · ↗widersprechen  ●  ↗objizieren  geh., veraltet
Assoziationen
Synonymgruppe
antworten · erwidern · zur Antwort geben  ●  ↗(ich / er / sie ...) so  ugs. · ↗zurückgeben  geh.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Angesprochene Besuch Bundeskanzler Einwand Feuer Gruß Kompliment Kuß Liebe Lächeln Regierungskommissar Verbeugung Visite Zuneigung Zärtlichkeit ausweichend darauf freundlich gereizt höflich kühl lachend lakonisch lächelnd prompt schlagfertig trocken trotzig ungerührt zögernd

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›erwidern‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ich gehe nicht an meine Arbeit ", erwidert Lisa ihrem gestrengen alten Herrn.
Der Tagesspiegel, 05.04.1997
Ich erwiderte also, daß ich mit ihm lediglich aus rein persönlichem Interesse spräche, und wir verabschiedeten uns mit bestem Dank für die interessante Unterhaltung.
Die Zeit, 20.10.1949, Nr. 42
Was soll ich zu dem Päckchen sagen, was soll ich auf den Brief erwidern?
Brief von Ernst G. an Irene G. vom 30.04.1938, Feldpost-Archive mkb-fp-0270
Sie waren immer uneinig; wenn der eine »Ja« sagte, erwiderte der andere »Nein«.
Steiner, Rudolf: Mein Lebensgang, Eine nicht vollendete Autobiographie. In: Oliver Simons (Hg.), Deutsche Autobiographien 1690 - 1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1925], S. 31107
Ich habe ihr sofort erwidern lassen, ich hätte nur befürchtet, ihr lästig zu fallen.
Klemperer, Victor: [Tagebuch] 1921. In: ders., Leben sammeln, nicht fragen wozu und warum, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 2000 [1921], S. 272
Zitationshilfe
„erwidern“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/erwidern>, abgerufen am 16.10.2019.

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