es

GrammatikPersonalpronomen (Neutrum)
Nebenform umgangssprachlich ’s · Personalpronomen (Neutrum) (in unbetonter Stellung)
Wortbildung mit ›es‹ als Grundform: ↗ihm
eWDG, 1967

Bedeutungen

I.
mit Beziehung auf eine Bezugsgröße
1.
im Nom.
Bezeichnung für eine besprochene Person oder Sache neutralen Geschlechts
Beispiele:
wer hat das Kind zuletzt gesehen? Es wird seit zwei Tagen vermisst
wo ist das Messer? Es liegt auf dem Tisch
als wir über das Gebirge flogen, war es noch von Schnee bedeckt
Das Mädchen servierte. Es trug einen schwarzen Rock [DürrenmattVersprechen15]
Mein Leipzig lob ich mir! / Es ist ein klein Paris und bildet seine Leute [GoetheFaustI 2172]
dient zur Wiederaufnahme einer unmittelbar vorhererwähnten, nachdrücklich genannten Person oder Sache
Beispiel:
dieses Geheimnis, es brannte ihm auf der Seele
kann sich auch, meist um Spannung hervorzurufen, auf eine später genannte Person oder Sache beziehen
Beispiel:
was hat es dir getan, dieses kleine Geschöpf?
im Akk.
Beispiele:
wann bekomme ich das Geld? Ich brauche es nötig
das kleine Mädchen ist verunglückt, ein Auto hat es umgerissen
es mit nach Hause zu nehmen, das Fischzeug, das ging nicht [SchnurreRechnung26]
gelegentlich auch nach Präposition
Beispiele:
wo nun immer das verängstigte Tier 'ne Schar johlender Landser passierte, da brach so ein Hagel von Wurfgeschossen über es rein [SchnurreRechnung75]
[ein junger Arzt] kannte das Mädchen von Kindheit an und hielt sein Auge auf es gerichtet [G. Hauptm.Quint1,217]
2.
weniger nachdrücklich als das2
bezieht sich auf ein Maskulinum, Femininum oder einen Plural
es ist, sind
Beispiele:
ich kenne seinen Vater, es ist ein bedeutender Mann
hier wohnte seine Schwester, es war eine bekannte Ärztin
wer hatte eben geklopft? Es war die neue Mitarbeiterin
in der Dunkelheit erkannten sie einige Gestalten, es schienen die Gesuchten zu sein
ihre Mutter war Schauspielerin, und sie ist es, wird es auch
ist er dein Vorgesetzter? Er ist es
Wer reitet so spät durch Nacht und Wind? / Es ist der Vater mit seinem Kind [GoetheErlkönig]
Ich bin’s, der auf sie wartet […] ich bin’s, der ein Zeichen braucht [FrischStiller559]
Harry kann niemals wieder ganz zum Wolfe werden, und würde er es, so […] [HesseSteppenw.4,249]
bezieht sich auch auf ein vorhergenanntes Adjektiv oder Partizip
Beispiele:
er war glücklich, und sie war es auch
sie ist froh, und ich bin es doppelt
bist du jetzt überzeugt? Ja, ich bin es
Man war angekommen und war es nicht [Th. MannTod in Venedig9,473]
3.
weniger nachdrücklich als das2
a)
bezieht sich auf den Inhalt eines vorhergehenden Satzes
Beispiele:
er hat gelogen, will es aber nicht wahrhaben
wir sollen Ende der Woche mit der Arbeit fertig werden, ich halte es aber für ausgeschlossen
sie ist nicht gekommen, ich hatte es mir schon gedacht
wenn er mich dabei unterstützt, so geschieht es sicher aus eigenem Antrieb
ich komme zwar viel in der Welt herum, aber es macht mir keine Freude mehr
Vielleicht haben sie drinnen noch ein zweites Exemplar – es sollte mich wundern [JensMann7]
b)
bezieht sich auf den Inhalt eines folgenden Satzes
Beispiele:
es hat uns geärgert, dass der neue Apparat so schnell kaputt war
es wundert mich, freut mich, gefällt mir, erfüllt mich mit Stolz, ist gut, dass ...
es ist beschlossen, dass wir zu ihm gehen
mir ist es lieb, dass ihr morgen nicht kommt
es ist herrlich, in der warmen Frühlingssonne zu sitzen
es ist nicht auszudrücken, was er geleistet hat
Auch wenn es Sie in Erstaunen setzen wird: diesen Zwangsaufenthalt verdanken Sie nur Ihrer vollkommenen Schuldlosigkeit [S. LenzZeit7]
Es tut mir lang schon weh, / Daß ich dich in der Gesellschaft seh [GoetheFaustI 3469]
Es, es, es und es, es ist ein harter Schluß, / weil, weil, weil und weil, weil ich aus Frankfurt muß [Volkslied]
kann im Akkusativ wegfallen
Beispiele:
alle wussten (es), dass ein Unrecht geschehen war
wir konnten (es) nicht fassen, dass er so plötzlich gestorben war
sie stritten (es) ab, bei dem Unfug beteiligt gewesen zu sein
sie muss (es) sich gefallen lassen, wenn ...
Man spürt es bald nicht mehr, wie abscheulich man lebt [MusilMann914]
c)
gehoben dessen
Beispiele:
ich bin es müde, überdrüssig, satt, mit ihm zu streiten
gehen wir, ich bin es zufrieden!
Mein Vater wurde es schließlich müde, die zahlende Rolle eines Emporkömmlings zu spielen [Lernet-HoleniaGraf16]
4.
kündigt das eigentliche Subjekt an
dient der Hervorhebung und Satzbelebung
Beispiele:
es kommt der Postbote
es meldeten sich immer neue Gäste an
es hat mich jemand gerufen
es sind nicht alle Schlangen giftig
es ist bitterer Hohn, der mich erfüllt
es finden sich immer Leute, die ...
es war einmal (= Eingangsformel des Märchens) eine Königstochter, ein Schneiderlein
es lebe der König!
es möge dir stets Gesundheit beschieden sein!
Es ist alles schon einmal dagewesen [S. LenzZeit54]
Es schaute Kindheit und Mutter zart und verklärt wie ein fernes, unendlich blau entrücktes Stück Gebirge herüber [HesseSteppenw.4,332]
Es führt kein andrer Weg nach Küßnacht [SchillerTellIV 3]
Es war Hanna, die nicht heiraten wollte [FrischHomo faber69]
II.
ohne Beziehung auf eine Bezugsgröße
1.
als formales Subjekt zur Bezeichnung unpersönlicher Vorgänge
a)
bei Verben, die Witterungsvorgänge bezeichnen
Beispiele:
es regnet, donnert, blitzt, friert, taut
gestern hat es geschneit, gehagelt
es dunkelt, dämmert, tagt
b)
bei Verben, die in unpersönlicher Konstruktion Vorgänge im Menschen und in seiner Umwelt bezeichnen
Beispiele:
es grünt und blüht in der Natur
es klopft, spukt, raschelt, knistert
es brennt!
Tür zu, es zieht!
es schlägt
heute gibt es Regen
es gefällt uns hier
es handelt sich um Folgendes: ...
es graut mir
es steht schlimm mit ihm
wie geht es?
es friert mich, mich friert’s
veraltet, dichterisch es hungert mich, mich dürstet es
Im Speiseaufzug rumpelte es [HartungWunderkinder194]
c)
kann auch bei sonst persönlich gebrauchten Verben verwendet werden, um einen Vorgang unpersönlich erscheinen zu lassen
gehoben, dichterisch
Beispiele:
es drängt mich, Ihnen aufrichtig zu danken
»Aber Sie streben doch ein Ziel an, Hans?« […] »Es strebt. In mir. Durch mich« [MusilMann497]
auf wilden anstrengenden Reisen riß es mich aufs neue durch die Welt [HesseSteppenw.4,254]
Und sieh! und sieh! an weißer Wand, / Da kam’s hervor, wie Menschenhand [HeineBelsazar]
d)
bei passivischer Konstruktion
Beispiele:
es wurde gesungen und getanzt
es muss geschieden sein
es darf nicht geraucht werden
Es wurde früher als gewöhnlich zu Mittag gegessen [Th. MannKröger9,262]
e)
bei reflexivem Gebrauch + Modalbestimmung
Beispiele:
es wohnt sich gut in diesem Stadtteil
es arbeitet sich nicht gut mit diesem Material
es schreibt sich schlecht auf diesem dünnen Papier
oft in Verbindung mit »lassen«
Beispiele:
es lässt sich gut mit ihm leben
umgangssprachlich hier lässt es sich (gut) aushalten
2.
als formales Subj.
verweist auf eine Situation, deren Art durch das (folgende) Prädikatsnomen charakterisiert wird
Beispiele:
es ist spät, früh, kalt, heiß, dunkel
es ist Tag, wird Abend, Herbst
es ist zehn Uhr
es war halb sieben geworden
es ist ein Jammer
wenn es so kalt bleibt, fahren wir nicht an die See
hier ist es zum Ersticken
Es muß doch Frühling werden [GeibelHoffnung]
Der liebe Gott schaltete den Regen aus. Knips, eine kleine Drehung, und still war es [HartungWunderkinder123]
3.
in festen Verbindungen mit Verben; als formales Objekt
Beispiele:
sie meint es, hat es gut, nimmt es ernst, genau
wir haben es mit ihr aufgenommen
er hat es weit gebracht
sie haben es zu weit getrieben
ich habe es eilig!
wir können es ihm nicht recht machen
umgangssprachlich er bekam es mit der Angst zu tun
umgangssprachlich sie hat es auf ihn abgesehen
umgangssprachlich er will es nicht mit uns verderben
umgangssprachlich sie hat es im Magen
umgangssprachlich wer hat es ihm eingetränkt?
salopp der hat es ihm gesteckt!
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

er · es
er es Pers.pron. m. n. der 3. Pers. Sing. Ahd. ir, er ‘er’, , ‘es’, mhd. er, , asächs. it ‘es’, anord. (runisch) is, ‘er’, got. is ‘er’, ita ‘es’ sind verwandt mit aind. idám ‘es’, lat. is ‘der(jenige), dieser, er’, id ‘das(jenige), dieses, es’, lit. jìs ‘er, sie’, air. ē ‘er’ (wohl aus *eis), so daß ein Pronominalstamm ie. *ei-, *i-, daneben wohl auch ie. *e- anzusetzen ist. Für das Germ. wird im Nominativ Sing. Mask. ein allen Sprachen ursprünglich gemeinsames *is, *iz bzw. *ez angenommen; jedoch sind im Asächs. und Aengl. *iz, *ez in schwachtoniger Stellung zu *ē̌, *ī̌ geworden und durch anlautendes h- aus dem Demonstrativpronomen germ. *hi- (z. B. in ahd. *hiu tagu, s. ↗heute) gestützt worden, daher asächs. hē̌, hī̌ ‘er’, mnd. , aengl. hē̌ ‘er’, engl. he. Das gleiche h- erscheint in anord. hann ‘er’ (aus hānn, *hānʀ, dessen Wortkern *ānn, *ānʀ wohl aus germ. *jainaz, vgl. got. jains, s. ↗jener, hervorgegangen ist). Die Anrede Er (17. Jh.) beruht auf dem Einfluß frz.-ital. Höflichkeitssprache und steht stellvertretend für Herr und dgl. Im 18. Jh. wird sie ersetzt durch Sie (s. ↗sie), während Er Anrede sozial niedrigstehender Personen wird.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Ziel ankommen aussehen bleiben bringen dauern fallen fehlen finden gehen gelingen gelten gut halten handeln heißen kommen lassen liegen machen möglich reichen sagen schaffen scheinen sehen stehen tun weitergehen wissen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›es‹.

Zitationshilfe
„es“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/es#1>, abgerufen am 26.03.2019.

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es, das

Alternative SchreibungEs
GrammatikSubstantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: es · Nominativ Plural: es
Wortbildung mit ›es‹ als Erstglied: ↗Es-Dur · ↗es-Moll
eWDG, 1967

Bedeutung

Musik Tonbezeichnung   Halbton unter E
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

er · es
er es Pers.pron. m. n. der 3. Pers. Sing. Ahd. ir, er ‘er’, , ‘es’, mhd. er, , asächs. it ‘es’, anord. (runisch) is, ‘er’, got. is ‘er’, ita ‘es’ sind verwandt mit aind. idám ‘es’, lat. is ‘der(jenige), dieser, er’, id ‘das(jenige), dieses, es’, lit. jìs ‘er, sie’, air. ē ‘er’ (wohl aus *eis), so daß ein Pronominalstamm ie. *ei-, *i-, daneben wohl auch ie. *e- anzusetzen ist. Für das Germ. wird im Nominativ Sing. Mask. ein allen Sprachen ursprünglich gemeinsames *is, *iz bzw. *ez angenommen; jedoch sind im Asächs. und Aengl. *iz, *ez in schwachtoniger Stellung zu *ē̌, *ī̌ geworden und durch anlautendes h- aus dem Demonstrativpronomen germ. *hi- (z. B. in ahd. *hiu tagu, s. ↗heute) gestützt worden, daher asächs. hē̌, hī̌ ‘er’, mnd. , aengl. hē̌ ‘er’, engl. he. Das gleiche h- erscheint in anord. hann ‘er’ (aus hānn, *hānʀ, dessen Wortkern *ānn, *ānʀ wohl aus germ. *jainaz, vgl. got. jains, s. ↗jener, hervorgegangen ist). Die Anrede Er (17. Jh.) beruht auf dem Einfluß frz.-ital. Höflichkeitssprache und steht stellvertretend für Herr und dgl. Im 18. Jh. wird sie ersetzt durch Sie (s. ↗sie), während Er Anrede sozial niedrigstehender Personen wird.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Ziel ankommen aussehen bleiben bringen dauern fallen fehlen finden gehen gelingen gelten gut halten handeln heißen kommen lassen liegen machen möglich reichen sagen schaffen scheinen sehen stehen tun weitergehen wissen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›es‹.

Zitationshilfe
„es“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/es#2>, abgerufen am 26.03.2019.

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