esoterisch

Grammatik Adjektiv · Komparativ: esoterischer · Superlativ: am esoterischsten
Aussprache  [ezoˈteːʀɪʃ]
Worttrennung eso-te-risch
Wortbildung  mit ›esoterisch‹ als Erstglied: ↗Esoterik
Herkunft zu esōterikósgriech (ἐσωτερικός) ‘in streng wissenschaftlicher Form geschriebene philosophische Schriften’, eigentlich ‘innerlich’ < ésōgriech, é͞isōgriech (ἔσω, εἴσω) ‘innen, darin, hinein’
ZDL-Vollartikel

Bedeutungen

1.
bildungssprachlich auf Esoterik (1) beruhend, in der Art der Esoterik, diese vertretend
Gegenwort zu exoterisch
Kollokationen:
als Adjektivattribut: esoterische Lehre, Schriften; esoterischer Zirkel
Beispiele:
[…] Sie [christliche Autoren] behaupteten [im 2. Jahrhundert], dass Jesus Magdalena »mehr liebte als die übrigen Frauen«, und ließen allein Magdalena vom Auferstandenen Geheimlehren empfangen. Die Gnostiker krönten Magdalena so zur Offenbarerin esoterischer Ansichten und verankerten damit die eigene Lehre fiktiv im 1. Jahrhundert. [Süddeutsche Zeitung, 20.09.2012]
Im Unterschied zur deutschen Tradition, die einen historisch orientierten »Gnosis«‑Begriff bevorzugt (so zuletzt etwa Christoph Markschies), wird unter »Gnosticism« im vorliegenden Lexikon ein geistiges Phänomen verstanden, das »von der Antike bis zur Gegenwart« auf »alle Vorstellungen und Strömungen anwendbar« sei, »die die Notwendigkeit esoterischen Wissens betonen« […]. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.03.2006]
Kabbala bezeichnet ursprünglich die Geheimlehre und Mystik sowie die esoterische Bewegung im Judentum, die in allem Tun das Heilige sucht, durch Deutung den Willen Gottes genau zu erforschen hofft. [Bild, 21.09.2004]
Soweit bekannt, gab es neben lehrhafter Lebensweisheit und dem esoterischen Totenbuch in Ägypten, und neben Sammlungen magisch wirksamer Hymnen und Formeln, welche auch ethische Bestandteile enthalten, in Babylonien keine einheitlich zusammengefaßte religiös fundamentierte Ethik, wie sie schon im vorexilischen Israel existierte. [Weber, Max: Die Wirtschaftsethik der Weltreligionen. In: Weber, Marianne (Hg.): Gesammelte Aufsätze zur Religionssoziologie. Bd. III. Tübingen: Mohr 1921 [1920–1921], S. 271]
übertragen nur für Eingeweihte bestimmt bzw. verständlich; nur einem ausgewählten Personenkreis vorbehalten
Beispiele:
Willard Van Orman Quine sei bloß ein Philosoph für Philosophen, also jemand, der nur unter Fachgenossen, im esoterischen Zirkel der Universität, seine Wirkung entfalte. [Die Zeit, 26.06.2008]
Hör mal, du kannst den ganzen Weg nach Hause relaxen, aber danach, wird du deine Aufgaben erledigen, mit den Essen helfen und mit deiner Familie reden, in einer Sprache die nicht so esoterisch ist. [»Make It or Break It« Pilot, 2009, aufgerufen am 31.10.2014]
Das alte Vorurteil, moderne klassische Musik sei esoterisch, ist Unsinn. [Der Spiegel, 24.04.2006]
Seit Tizian ist die Malerei immer esoterischer geworden, auch die Dichtung, auch die Musik. [Spengler, Oswald: Der Untergang des Abendlandes. München: Beck 1929 [1918], S. 313]
2.
häufig abwertend auf der Esoterik (2) beruhend, von dieser geprägt, an sie glaubend; unwissenschaftlich, da auf unbeweisbaren okkulten, spirituellen Vorstellungen beruhend
Kollokationen:
als Adjektivattribut: esoterischer Humbug, Hokuspokus, Schnickschnack, Schwachsinn; eine esoterische Sekte; esoterische Religiosität; ein esoterischer Spinner
als Adverbialbestimmung: esoterisch angehaucht, inspiriert, anmutend
Beispiele:
Für viele mag es abgehoben, esoterisch oder gar kindisch tönen, einem krebskranken, transplantierten oder sonst schwer erkrankten Patienten mit Imagination, positivem Denken oder Selbstliebe helfen zu wollen. [Selbstwirksamkeit, 02.09.2020, aufgerufen am 18.09.2020]
Ein Pendel ist ein esoterisches Mittel, das Schwingungen aufzeichnet. Diese spirituellen Mittel sind beispielsweise darauf ausgelegt, sogenannte Erdstrahlen, Wasseradern oder innere Schwingungen des Unbewussten wahrzunehmen. [Beliebte Methoden zur Wahrsagung, 14.08.2020, aufgerufen am 07.12.2020]
Lehren, die sich als esoterisch verstehen, als nur Eingeweihten zugänglich, gehen oft mit der Behauptung einher, bereits weiter zu sein als die herkömmliche Naturwissenschaft: Ihr kennt das Telefon, wir aber kennen schon die Telepathie! [Süddeutsche Zeitung, 27.10.2018]
Im esoterischen Weltbild wird die Metapher zur Wirklichkeit, jede Analogie erhält wahrhaftige Bedeutung. Doch Denken und Sein nicht auseinanderzuhalten führt zu dem, was Philosophen gerne einen »naturalistischen Fehlschluss« nennen. Man hält die eigenen Gedanken für die Wahrheit der Welt. [Der Standard, 27.10.2012]
Auch wenn die Phänomene der Quantenwelt unseren Alltagsvorstellungen widersprechen und uns absurd vorkommen, basiert doch fast unsere gesamte moderne Technik auf den Ergebnissen dieser Forschung, nur eben nicht die der »Quantenheilung«, denn die ist esoterischer, also betrügerischer, absoluter Unsinn, wie auch alles andere aus der sogenannten »spirituellen« und »esoterischen Szene«, die schlicht, ergreifend und erkannt, eine Betrügerszene ist. [Vorsicht Betrug! Quantenheilung, 15.09.2016, aufgerufen am 01.09.2020]
Ein Drittel der deutschen Bevölkerung ist laut Umfragen offen für esoterische Praktiken und Lehren. [Zeit Wissen, 31.05.2011]
Jedenfalls passierte es ihr hier, im Relaxarium, unter den Wedeln einer künstlichen Palme bei esoterischer Meditationsmusik, nicht zum ersten Mal, daß sie sich wünschte, sie wäre alleine auf das Lotus Island Resort geflogen. [Suter, Martin: Lila, Lila. Zürich: Diogenes 2004, S. 318]

letzte Änderung:

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

esoterisch · Esoteriker · Esoterik · exoterisch
esoterisch Adj. ‘nur für Eingeweihte verständlich und bestimmt’. Wie frz. ésotérique, engl. esoteric als Ausdruck der Philosophie entlehnt (18. Jh.) aus spätlat. esōtericus, griech. esōterikós (ἐσωτερικός), eigentlich ‘innerlich’, das in streng wissenschaftlicher Form geschriebene philosophische Schriften (insbesondere des Aristoteles) sowie den engeren Schülerkreis eines Gelehrten (Pythagoras) bezeichnet. Zugrunde liegt griech. ésō, é͞isō (ἔσω, εἴσω) ‘innen, darin, hinein’. Esoteriker m. (19. Jh.). Esoterik f. (20. Jh.). Daneben das Antonym exoterisch Adj. ‘auch für Außenstehende, d. h. allgemein verständlich’ (18. Jh.); wie frz. exotérique, engl. exoteric aus lat. exōtericus, griech. exōterikós (ἐξωτερικός) ‘äußerlich, nach außen gehend’ für allgemeinverständlich geschriebene philosophische Schriften; zu griech. éxō (ἔξω) ‘außen, hinaus’.

Thesaurus

Synonymgruppe
esoterisch · ↗magisch · ↗metaphysisch · ↗parapsychisch · ↗parapsychologisch · ↗spirituell · ↗transzendent · ↗übersinnlich · überwirklich
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›esoterisch‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›esoterisch‹.

Zitationshilfe
„esoterisch“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/esoterisch>, abgerufen am 16.05.2021.

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