Etymologisches Wörterbuch des Deutschen

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Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Bauer, ...

bauen Vb. ‘errichten, anpflanzen’. Ursprünglich reduplizierendes Verb mit intervokalischem -w-, ahd. būwan, būwen ‘wohnen, bewohnen, Ackerbau treiben’ (8. Jh.), mhd. būwen, biuwen, bouwen ‘wohnen, Ackerbau treiben, errichten’, asächs. būan, būwan, mnd. būwen ‘(Häuser) bauen, errichten, bebauen, bewohnen’, mnl. bauwen, būwen, nl. bouwen, aengl. būan, bū(w)ian, anord. būa ‘wohnen, ausrüsten’ gehört wie ↗Bau (s. d.) zur Ablautform ie. *bhū- der Wurzel ie. *bheu-, *bheu̯ə-, got. bauan ‘wohnen, bewohnen’, gabauan ‘Wohnung aufschlagen’ dagegen zur Ablautform *bhōu̯-. Die Bedeutung der Wurzel ist wohl ‘wachsen, gedeihen’ (im Sinne von ‘schwellen’, sofern ursprüngliche Verwandtschaft mit der Wurzel ie. *b(e)u-, *bh(e)u-, *b(h)ū- besteht, s. ↗Bausch, ↗Beule, ↗Busen), dann ‘entstehen, werden, sein’, schließlich ‘gewohnheitsmäßig an einem Ort sein, wohnen’. Außergerm. stellen sich dazu aind. bhávati ‘wird, entsteht, ist’, bhavanam ‘Wohnung, Heim’, bhū́ḥ ‘Welt, Ort’, griech. phýein (φύειν) ‘wachsen lassen’, phýsis (φύσις) ‘Natur’, phī́ty (φῖτυ) ‘Keim, Sproß’, phōleós (φωλεός) ‘Lager, Höhle wilder Tiere’, lat. fuisse ‘gewesen sein’, aslaw. byti ‘sein, werden’, russ. byt’ (быть), lit. bū́ti ‘sein’; vgl. auch nhd. bin, bist (s. ↗sein1). Heute überwiegt bei bauen die Bedeutung ‘(ein Haus) errichten’ (entsprechend Bau ‘Errichtung, Gebäude’), während ‘Ackerbau treiben, das Feld bestellen’ weitgehend von Präfixbildungen übernommen wird: anbauen Vb. (15. Jh.), bebauen Vb., ahd. bibūwan ‘bewohnen’ (9. Jh.), mhd. bebūwen ‘das Feld bestellen’ (14. Jh.). Hierzu auch das in Bildungen wie Ackerbauer, Erbauer usw. erhaltene Nomen agentis Bauer1 m. ahd. bū(w)āri ‘Bewohner, Siedler, Landmann’ (9. Jh.), mhd. būwære, bouwære ‘Bauer, Erbauer’, mnd. būwer. erbauen Vb. ‘be-, an-, aufbauen’, übertragen (in Anlehnung an kirchenlat. aedificāre, bibl.-griech. oikodomeῖn (οἰκοδομεῖν) ‘im Glauben stärken, geistig fördern’, mhd. erbūwen, erbiuwen.
Zitationshilfe
„Bauer“, in: Wolfgang Pfeifer et al., Etymologisches Wörterbuch des Deutschen (1993), digitalisierte und von Wolfgang Pfeifer überarbeitete Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/etymwb/Bauer>, abgerufen am 24.02.2020.

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Bauer, ...

Bauer2 n. m. ‘Vogelkäfig’. In ahd. būr n., auch m.? ‘Wohnung, Vorratshaus, Keller’ (8. Jh.), mhd. būr m. ‘Vogelkäfig’, mnd. būr n. ‘Gehäuse, Käfig’, mnl. buur n. m. ‘Wohnung’, aengl. būr n. ‘Hütte, Zimmer’, anord. būr n. ‘Stube, Vorratshaus’, schwed. bur liegt ein Substantiv (germ. *būra-) mit dem Suffix ie. -ro- zur Ablautform ie. *bhū- der Wurzel ie. *bheu-, *bheu̯ə- (s. ↗bauen) vor. Vogelbauer n. m. (15. Jh.).
Zitationshilfe
„Bauer“, in: Wolfgang Pfeifer et al., Etymologisches Wörterbuch des Deutschen (1993), digitalisierte und von Wolfgang Pfeifer überarbeitete Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/etymwb/Bauer>, abgerufen am 24.02.2020.

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Bauer, ...

Bauer3 m. ‘wer Grund und Boden, mit dem ihn ein bestimmtes Eigentumsverhältnis verbindet, bestellt’; entstanden aus schwach flektierendem ahd. gibūro m. ‘Familien-, Stammesgenosse, Dorfgenosse, Nachbar, Mitbürger, abhängiger Bauer’ (8. Jh.), neben stark flektierendem gleichbed. gibūr (8. Jh.), mhd. gebūr(e) (neben būr(e)) ‘Miteinwohner, Nachbar, Bauer, roher Mensch’. Es handelt sich um substantivische Possessivkomposita zu dem unter ↗Bauer2 behandelten Wort mit dem Präfix gi-, ge-, das hier die Bedeutung ‘zusammen mit, gemeinsam mit’ hat (s. ↗Genosse, ↗Geselle). Bauer ist eigentlich ‘wer die Wohnung mit (einem) anderen gemeinsam hat’, der ‘Mitbewohner’. Bereits im 15. Jh. geht die volle Form, die noch im Familiennamen Gebauer erhalten ist, zurück; es setzt sich die präfixlose Form Bauer, mhd. būr(e) durch. Neubauer m. im 18. Jh. ‘neuer Anbauer, Kolonist’; 1945 ‘wer durch die Bodenreform Land zur Bewirtschaftung erhält’. Bäuerin f. mhd. būrīn, gebūrinne, gebiurinne. bäurisch Adj. ‘unfein, derb, grobschlächtig’; ahd. gibūrisc (Hs. 12. Jh.), mhd. (ge)biurisch ‘bäuerlich’ (diese Bedeutung noch im 18. Jh.), daneben auch schon früh ‘grob, derb, unverfeinert hinsichtlich Sitte und Lebensart’ im Gegensatz zum Adel oder zum Städter (14. Jh.). bäuerlich Adj. ‘den Bauern betreffend’, ahd. gibūrlīh ‘nachbarlich, bürgerlich, öffentlich’ (9. Jh.), mhd. (ge)būrlich, gebiurlich ‘bäuerlich’.
Zitationshilfe
„Bauer“, in: Wolfgang Pfeifer et al., Etymologisches Wörterbuch des Deutschen (1993), digitalisierte und von Wolfgang Pfeifer überarbeitete Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/etymwb/Bauer>, abgerufen am 24.02.2020.

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