Etymologisches Wörterbuch des Deutschen

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Griffel

Griffel m. ‘Schiefer-, Schreib-, Zeichenstift’, als Fachwort der Botanik (seit dem 18. Jh.) ‘schlanker, die Narbe tragender Teil des Fruchtknotens’. Die Formen ahd. griffil m. (9. Jh.), mhd. griffel m. ‘Schreibstift’, mnl. nl. griffel f. ‘Schreibstift, Pfropfreis’ entstehen offenbar durch sekundären Anschluß und daher lautliche Angleichung an das unter ↗greifen (s. d.) behandelte Verb (zur Tiefstufe der Wurzelsilbe s. auch ↗Griff) sowie durch Anfügung des Suffixes germ. -ila- in Analogie zu anderen Gerätebezeichnungen (s. ↗Gürtel, ↗Löffel1, ↗Schlüssel, ↗Zügel). Das tatsächlich zugrundeliegende Substantiv begegnet wohl in dem nur vereinzelt bezeugten ahd. graf ‘Schreibstift’ (8. Jh.), einer vielleicht durch das Galloroman. vermittelten Entlehnung von lat. graphium (mlat. auch graphius), griech. graphé͞ion (γραφεῖον) ‘Schreibgerät’, besonders ‘Metallgriffel zum Schreiben auf Wachstafeln’, das auf griech. gráphein (γράφειν) ‘einritzen, zeichnen, schreiben’ (s. ↗-graph, ↗Graphik, ↗Graphit) beruht; vgl. die ebenfalls aus dem Lat. übernommenen Entsprechungen aengl. græf ‘Schreibstift’, afrz. graife, grefe, grafe ‘Schreibstift, Dolch, Pfropfreis’, frz. greffe ‘Pfropfreis’, aprov. grafi ‘Schreibstift, Pfriem’.
Zitationshilfe
„Griffel“, in: Wolfgang Pfeifer et al., Etymologisches Wörterbuch des Deutschen (1993), digitalisierte und von Wolfgang Pfeifer überarbeitete Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/etymwb/Griffel>, abgerufen am 21.09.2020.

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