Etymologisches Wörterbuch des Deutschen

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Grind, ...

Grind m. ‘Kruste auf einer heilenden Wunde, Schorf’, bis ins 18. Jh. daneben Bezeichnung verschiedener mit Schorfbildung verbundener Hautkrankheiten bei Mensch und Tier, ahd. (9. Jh.), mhd. grint ‘Ausschlag, Räude (mit Haarausfall)’, mhd. besonders ‘Kopfgrind’ und deshalb auch (meist verächtlich) ‘Kopf’, mnd. grint ‘Sand, Ausschlag, Kopfgrind, Schorf, Kopf’, mnl. grinde, grint ‘Sand, Ausschlag, Räude’, nl. grint, grind ‘Kies, Grieß’ gehören zu einem nur in aengl. grindan, engl. to grind ‘zermalmen, mahlen, schleifen, knirschen’ erhaltenen germ. Verb (vgl. noch got. grindafraþjis ‘kleinmütig’, das auf ein got. *grinds ‘zerrieben’ schließen läßt). Allein durch Ablaut unterscheidet sich von diesen Formen das im 18. Jh. aus dem Nd. übernommene, vereinzelt aber schon seit dem 16. Jh. im Hd. bezeugte Substantiv Grand2 m. ‘Kies, grober Sand’ (nd. auch ‘Weizenkleie’), das heute vor allem terminologisch verwendet wird; vgl. dazu mnd. grant ‘Kies’, anord. grand ‘Körnchen, Kies, Sand’, schwed. grand ‘Körnchen, Stäubchen’. Die Wortgruppe geht zusammen mit außergerm. Entsprechungen wie lat. frendere ‘zermalmen, knirschen’, lit. grę́sti ‘schaben, scheuern, kratzen’, alban. krunde ‘Kleie’ und gleichfalls wohl griech. chóndros (χόνδρος) ‘Graupe, Korn, Knorpel’ auf ie. *ghrend(h)-, Erweiterung der Wurzel ie. *gher- ‘hart worüber streichen, zerreiben’, zurück (s. auch ↗Grund). Als Benennungsmotiv für Grind ‘Wundschorf’ erweist sich dessen körnige, grießige Beschaffenheit. Aus der im Mhd. (wegen der Häufigkeit solcher Kopfhauterkrankungen zur damaligen Zeit) aufkommenden und besonders im Alem. verbreiteten Übertragung ‘Kopf’ entwickelt sich auch der jägersprachliche Gebrauch von Grind für ‘Kopf der Hirsche und Gemsen’ (18. Jh.). grindig Adj. ‘mit Grind bedeckt, räudig’, spätmhd. grintig (14. Jh.), frühnhd. auch grundig, grinnig; älter ist gleichbed. ahd. grintoht(i) (10./11. Jh.), spätmhd. grinteht, grindeht, nhd. grindicht (bis ins 18. Jh.); vgl. mnd. grindich, grindet ‘grindig, räudig’.
Zitationshilfe
„Grind“, in: Wolfgang Pfeifer et al., Etymologisches Wörterbuch des Deutschen (1993), digitalisierte und von Wolfgang Pfeifer überarbeitete Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/etymwb/Grind>, abgerufen am 19.02.2020.

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