Etymologisches Wörterbuch des Deutschen

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Individualität, ...

Individuum n. ‘Einzelwesen, der einzelne Mensch’. Lat. indīviduum ‘kleinster Baustein der Materie, Atom’ (im antiken Sinne), mlat. ‘Einzelding’, dann auch ‘Einzelwesen’, ist die substantivierte neutrale Form des Adjektivs lat. indīviduus ‘ungetrennt bleibend, ungeteilt, unzertrennt, unteilbar’ (zu lat. dīvidere ‘ein Ganzes in Teile zerlegen, trennen, zerteilen’, s. ↗dividieren), einer Übersetzung von griech. átomos (ἄτομος) ‘unteilbar’, s. ↗Atom. Mlat. individuum geht im 16. Jh. in dt. Texte ein, zunächst noch mit lat. Flexion (Plur. Individua; im 18. Jh. dann auch Individuen). Aus der Verwendung ‘unbekannte Einzelperson’ entwickelt sich in geringschätzigem Sinne ‘fragwürdige Person’. individuell Adj. ‘das Einzelwesen betreffend, persönlich’ (18. Jh.), frz. individuel, zu afrz. frz. individu, ersetzt älteres gleichbed. individual (vgl. mlat. individualis), das jedoch als erstes Glied in Zusammensetzungen erhalten bleibt (vgl. Individualpsychologie, -verhalten). Individualität f. ‘Einzelwesen, Gesamtheit der Besonderheiten eines Einzelwesens’ (18. Jh.), frz. individualité. Individualismus m. ‘Betonung der Interessen des Einzelwesens gegenüber denen der Gesellschaft’ (19. Jh.), nach voraufgehendem frz. individualisme, engl. individualism. Individualist m. ‘Einzelgänger, Vertreter des Individualismus’ (19. Jh.). individualistisch Adj. (19. Jh.).
Zitationshilfe
„Individualität“, in: Wolfgang Pfeifer et al., Etymologisches Wörterbuch des Deutschen (1993), digitalisierte und von Wolfgang Pfeifer überarbeitete Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/etymwb/Individualit%C3%A4t>, abgerufen am 04.08.2020.

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