Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Etymologisches Wörterbuch des Deutschen

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Karneval

Karneval m. ist die besonders im Rheinland und im Nordd. übliche Bezeichnung für die mit Umzügen und Maskenfesten ausgelassen gefeierten letzten Tage vor Beginn der Fastenzeit (dafür bair.-öst. Fasching, andernorts Fastnacht, s. d.). Karneval steht zunächst für die römischen und venezianischen (Mitte 17. Jh.), seit Ende des 17. Jhs. auch für die deutschen, besonders rheinischen Masken- und Narrenfeste der Vorfastenzeit und ist wie frz. carnaval aus ital. carnevale entlehnt. Auszugehen ist offenbar von einer im Mlat. und im Ital. in zahlreichen Varianten verbreiteten Bezeichnung, die den Beginn der Fastenzeit bzw. diese selbst, meist aber den der Fastenzeit unmittelbar voraufgehenden Zeitraum oder Tag als ‘Fleischwegnehmen, Fleischwegnahme’ charakterisiert, mlat. carnelevare, carnelevarium ‘Vorfastenzeit’ (zu lat. caro, Genitiv carnis ‘Fleisch’ und levāre ‘wegnehmen’), vgl. dazu ital. (älter) carnelevare sowie auch mlat. carnevarium, carnislevamen. Eine Form wie altmailänd. carnelevale läßt erkennen, wie (durch Eliminierung) ital. (ursprünglich tosk.) carnevale entsteht. Die Bezeichnung hat innerhalb des Mlat. und Roman. eine Reihe von Parallelen: (1) mlat. carnisprivium ‘Vorfastenzeit, letzter Vorfastensonntag’ (zu lat. prīvus ‘einer Sache beraubt, ohne etw.’, prīvāre ‘berauben, befreien’); (2) span. carnestolendas ‘Karneval’, verkürzt aus kirchenlat. dominica ante carnes tollendas, d. h. ‘Sonntag vor den wegzunehmenden Fleischspeisen’, vgl. auch mgriech. apókreōs (ἀπόκρεως), bezogen auf den (Sonn)tag, der den Beginn der Fastenzeit darstellt, bzw. die Woche, die diesem Tage vorangeht, eigentlich ‘ohne Fleisch’, zu griech. apó (ἀπό) ‘weg’ und kréas (κρέας) ‘Fleisch’; mit veränderter Sehweise (3) mlat. carnem-laxare, carnelaxare ‘Fastenzeit’, d. i. ‘das Ablassen vom Fleisch’ (zu lat. laxāre ‘lockern, lösen, loslassen’), wozu ital. (älter) carnasciale ‘Karneval’ und rumän. lǎsare de carne ‘Weglassen des Fleisches, Fastenzeit’. Dagegen kann der ein mlat. *carne vale ‘Fleisch, lebe wohl’ voraussetzende Deutungsversuch nur als Volksetymologie, als nachträgliche scherzhafte Auslegung angesehen werden. Die Herleitung von ital. carnevale aus lat. carrus nāvālis ‘Schiffskarren, Räderschiff’ beruft sich darauf, daß derartige Fahrzeuge bei festlichen Umzügen zur Wiedereröffnung der Schiffahrt üblich waren. Doch führt Rosenfeld in: Archiv f. Kulturgesch. 51 (1969) 177 ff. gegen diese Deutung triftige Gründe an.
Zitationshilfe
„Karneval“, in: Wolfgang Pfeifer et al., Etymologisches Wörterbuch des Deutschen (1993), digitalisierte und von Wolfgang Pfeifer überarbeitete Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/etymwb/Karneval>.

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