Etymologisches Wörterbuch des Deutschen

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Kaste, ...

Kaste f. ‘in ihrer Lebenshaltung, dem Sozial- und Kultleben streng abgeschlossene Gruppe in der Gesellschaftsordnung der hinduistischen Bevölkerung’, in geringschätzigem Sinne übertragen auf eine ‘sich aus übertriebenem Standesbewußtsein isolierende Gesellschaftsschicht’ (z. B. des Adels, der Offiziere, der Beamten). Im 18. Jh. übernommenes frz. caste ‘streng abgeschlossene Gruppe innerhalb der hinduistischen Hierarchie’ stammt aus port. casta, eigentlich ‘Art, Rasse, Geschlecht’, womit die portugiesischen Indienfahrer die streng getrennten hinduistischen Gruppierungen bezeichneten (16. Jh.). In port. casta wird meist das substantivierte Femininum von port. casto ‘moralisch rein, keusch’ (aus gleichbed. lat. castus) gesehen. Gegen diese Herleitung äußert Corominas 1, 722 ff. Bedenken, da für die im älteren Iberoroman. vorherrschenden Verwendungen ‘Geschlecht, Gattung, Art’ (von Lebewesen und Dingen) und ‘Zeugung, Fortpflanzung’ der Gesichtspunkt der Reinheit unwesentlich sei, doch kann auch die von ihm erwogene Verbindung mit dem Germ. nicht voll überzeugen. Kastengeist m. ‘Haltung einer sich nach außen abschließenden Gesellschaftsschicht, Standesdünkel’, zuerst bei Seume (1797) nachgewiesen (nach frz. esprit de caste?).
Zitationshilfe
„Kaste“, in: Wolfgang Pfeifer et al., Etymologisches Wörterbuch des Deutschen (1993), digitalisierte und von Wolfgang Pfeifer überarbeitete Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/etymwb/Kaste>, abgerufen am 21.10.2020.

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