Etymologisches Wörterbuch des Deutschen

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Rahmen, ...

Rahmen m. ‘festgefügtes Gestell’, (vgl. Bilder-, Fenster-, Tür-, Webrahmen), ‘Gestell der Kraftwagen (Chassis) und Fahrräder’, übertragen ‘Umwelt, Umgrenzung, Umgebung, Hintergrund, Gesamtzusammenhang, in den einzelnes sich einfügt’, ahd. rama f. (um 1000), mhd. ram(e) f. ‘Stütze, Säule, Gestell, Web-, Stickrahmen’, mnd. mnl. rāme m., nl. raam n., Herkunft unsicher. Vielleicht verwandt mit ↗Rand (s. d.) und (als to-Ableitung?) ↗Ranft ‘Brotkanten’ (s. d.), ahd. ramft (9. Jh.), mhd. ranft, ramft ‘Einfassung, Rand’, sowie mit got. rimis ‘Ruhe’ und außergerm. mit aind. rámatē ‘beruhigt, läßt ruhen, steht still, rastet, weilt, ergötzt sich’, rambhá- ‘Stab, Stütze’, griech. ēréma (ἠρέμα) ‘leise, still, ruhig’, lit. rãmas ‘Ruhe’, rìmti ‘ruhig werden’, rem̃ti ‘stützen’, ram̃tis ‘Stütze’. Dann wäre Anschluß an die Wurzel ie. *rem(ə)- ‘ruhen, sich aufstützen, stützen’ möglich. Anders Schüwer in: Jb. d. Vereins f. nd. Sprachforsch. 104 (1981/82) 82 ff., der im Anschluß an Heinertz in: Moderna Språk 48 (1954) 229 ff. die im Ahd. und Mhd. auftretende Bedeutung ‘Stütze, Säule’ für sekundär hält und auf Grund von engl. (aus dem Afrz.) frame ‘Rahmen, Gestell, Gebälk’ (und wohl auch asächs. hrama ‘Gestell’) h-Anlaut für das Germ. annimmt, also germ. *hramō f. bzw. *hraman- m. ‘Lattengestell, Umzäunung, Flechtwerk’ voraussetzt (einem anfrk. *hrama folgt nach FEW 16, 235 f. als Entlehnung afrz. raime ‘Stange zum Aufhängen von Kleidung’, frz. rame ‘Gestell zum Spannen von Textilien’). Als Verwandte werden angeführt aengl. hremman ‘einengen, behindern’, anord. hremma ‘fassen, klemmen, drücken’, got. hramjan ‘kreuzigen’ (d. i. ‘an ein Gestell heften’), russ. (landschaftlich) krómy (кромы) Plur. ‘Webstuhl’, so daß von ie. *krem-, *krom- ‘Gestell aus Latten, hölzerne Umzäunung’ ausgegangen werden kann. Schüwer verbindet damit auch als Labialerweiterung ↗Rumpf (s. d.) und schließt den Komplex an die unter ↗rümpfen (s. d.) genannte Wurzel an. Im Deutschen lange Zeit mit unterschiedlichem Genus, vgl. ahd. rama f., mhd. ram(e) f. und als schwaches Mask. mhd. (md.) rame, mnd. rāme; danach nhd. die Rahm(e) und der Rahme, seit Adelung allgemein der Rahmen. rahmen Vb. ‘mit einem Rahmen versehen’ (um 1800); dazu einrahmen Vb. umrahmen Vb. (19. Jh.).
Zitationshilfe
„Rahmen“, in: Wolfgang Pfeifer et al., Etymologisches Wörterbuch des Deutschen (1993), digitalisierte und von Wolfgang Pfeifer überarbeitete Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/etymwb/Rahmen>, abgerufen am 26.09.2020.

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