Etymologisches Wörterbuch des Deutschen

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Rechen, ...

Rechen m. (landschaftlich, besonders südd. md.) ‘Harke’, ahd. rehho (9. Jh.), mhd. reche ‘Harke’, spätmhd. auch ‘rechenförmige Vorrichtung’, frühnhd. (mit Endungs-n aus den obliquen Kasus) Rechen, asächs. reko, mnl. rēke, nl. (landschaftlich) reek (auch ‘kleine Egge’), anord. reka, schwed. (mundartlich) räka (germ. *rekōn) stehen neben (ablautendem) mnd. mnl. rāke ‘Harke, Rechen’, nd. Raak, nl. (landschaftlich) raak, aengl. raca m., racu f., engl. rake, anord. raka ‘Streifen, Reihe’, schwed. raka ‘Harke, Kratzer, Schaber’ (germ. *rakōn). Die Substantive sind Bildungen zu dem heute veralteten starken Verb ahd. rehhan ‘zusammenscharren’ der mit Asche überdeckten Glut (11. Jh.), mhd. rechen ‘Feuer rechen, zusammenkratzen, raffen, scharren, häufeln’, mnd. mnl. mengl. reken ‘Feuer bzw. Asche rechen’, got. rikan ‘zusammenscharren, anhäufen’; vgl. daneben ablautendes schwach flektierendes mnd. mnl. rāken ‘zusammenscharren, umwühlen, graben’, anord. raka ‘zusammenfegen’, schwed. raka ‘scharren, kratzen’. Außergerm. verwandt sind mit den oben sowie den unter ↗recken (s. d.) genannten Formen aind. ṛ́jyati, ṛñjáti ‘streckt sich, eilt’, griech. orégein (ὀρέγειν) ‘(die Hand) hinstrecken, darreichen, sich strecken, zu erreichen suchen’, lat. regere (rēctum) ‘geraderichten, lenken, leiten, herrschen’, air. rigid ‘streckt aus’, lit. rę́žti ‘straffen, recken’. Zugrunde liegt die unter ↗recht (s. d.) angeführte Wurzel ie. *reg̑- ‘gerade, geraderichten, lenken, recken, strecken, aufrichten’. Auszugehen ist für die germ. verbale Wortgruppe von ‘etw. aufrichten, sich aufrichten, sich recken’, dann ‘die Hand ausstrecken, sich nach etw. recken’, vgl. Seebold 373, der auch annimmt, daß die Bedeutung des starken Verbs ‘die Glut mit Asche bedecken, um sie zu bewahren’ und ‘die Glut von der Asche wegrechen, um das Feuer aufflammen zu lassen’ unter dem Einfluß eines abgeleiteten Substantivs (also wohl Rechen und seiner Entsprechungen, s. oben) entstanden sei. rechen Vb. ‘harken’, ahd. rehhan (11. Jh.), mhd. rechen.
Zitationshilfe
„Rechen“, in: Wolfgang Pfeifer et al., Etymologisches Wörterbuch des Deutschen (1993), digitalisierte und von Wolfgang Pfeifer überarbeitete Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/etymwb/Rechen>, abgerufen am 24.10.2020.

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