Etymologisches Wörterbuch des Deutschen

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Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Reif, ...

reif Adj. ‘im Wachstum voll entwickelt und daher geeignet zur Ernte, erwachsen, erfahren, seelisch ausgeglichen, genügend vorbereitet’, ahd. rīf(i) (8. Jh.), mhd. rīf(e), asächs. rīp(i), afries. rīp, mnd. mnl. aengl. rīpe, engl. ripe, nl. rijp (westgerm. *reipi-) gehört wohl (vgl. Seebold 370 f.) zu einem in aengl. rīpan ‘mähen, ernten’ vorliegenden starken Verb, wozu engl. (schwach flektierend) to reap ‘mähen, ernten’; vgl. auch aengl. rīp ‘Ernte’, riftre, riftere ‘Schnitter’, reopa ‘Garbe’. Das Adjektiv bedeutet also eigentlich ‘was geerntet werden kann’. Man kann vielleicht die unter Riffel (s. d.) genannten Formen heranziehen und an eine Labialerweiterung ie. *reib- der unter Rain (s. d.) angegebenen Wurzel ie. *rei- ‘ritzen, reißen, schneiden’ anknüpfen. Ursprünglich auf Ähren und Früchte bezogen, die so weit sind, daß sie geschnitten bzw. eingesammelt werden können, wird reif dann auf alles übertragen, was zum Abschluß einer Entwicklung gelangt ist. Reife f. ‘das Reifsein, Vollendung der Entwicklung’ (16. Jh.; häufiger seit 18. Jh.), aber schon ahd. rīfī (9. Jh.); vgl. mhd. rīfecheit, mnd. rīpicheit ‘Reife’. reifen2 Vb. ‘reif werden, sich entwickeln, reif machen, zur Reife bringen bzw. kommen’, ahd. rīfen, rīfēn (9. Jh.), mhd. rīfen, asächs. rīpon, mnd. mnl. rīpen, nl. rijpen, aengl. rīpian, engl. to ripen. reiflich Adj. ‘eingehend, gründlich’, zuerst (um 1500) Adverb zum Adjektiv reif, seit dem 18. Jh. auch adjektivisch in Verbindung mit Wörtern wie Erwägung, Nachdenken, Überlegung u. dgl.; vgl. ahd. rīflīhho Adv. ‘rechtzeitig, frühzeitig’ (8./9. Jh.).
Zitationshilfe
„Reif“, in: Wolfgang Pfeifer et al., Etymologisches Wörterbuch des Deutschen (1993), digitalisierte und von Wolfgang Pfeifer überarbeitete Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/etymwb/Reif>.

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Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Reif, ...

Reif1 m. ‘ringförmiges Schmuckstück bzw. Spielzeug’, ahd. reif ‘Seil, Strick’ (8. Jh.), ‘Ring, Kreis’ (um 800), mhd. reif ‘Seil, Strick, Streifen, Band, Fessel, Ring, Gebinde, Faß’, mnd. rēp ‘Seil, Tau, Strick’, mnl. nl. reep, aengl. rāp, engl. rope, anord. reip, schwed. rep, got. in skaudaraip ‘(Schuh)riemen’ (germ. *raipa-) gehört vermutlich im Sinne von ‘abgerissener, abgeschnittener Streifen’ mit den unter reffen (s. d.) angeführten Formen zu ie. *reip-, einer Labialerweiterung der unter Rain, reif, Reihe (s. d.) genannten Wurzel ie. *rei- ‘ritzen, reißen, schneiden’. Die Bedeutung ‘Seil, Tau’ bewahrt nd. Reep n. vgl. Fallreep (s. fallen) und Reeperbahn (eigentlich ‘Seilerbahn, langer Platz, wo Seile hergestellt werden’). Reifen m. ‘ringförmiges eisernes Faßband, die Felge umgebender, meist aus luftgefülltem Gummischlauch und Decke bestehender Teil eines Rades an Fahrzeugen, zur Gymnastik oder als Kinderspielzeug dienender Ring’ (18. Jh.), mit der Endung -en aus den schwach flektierten Formen von (ahd. mhd. stark flektiertem) Reif1 (s. oben).
Zitationshilfe
„Reif“, in: Wolfgang Pfeifer et al., Etymologisches Wörterbuch des Deutschen (1993), digitalisierte und von Wolfgang Pfeifer überarbeitete Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/etymwb/Reif>.

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Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Reif, ...

Reif2 m. kristalline Eisablagerung in Bodennähe (am Boden, an Zweigen, an Gegenständen), ‘gefrorener Tau’. Die Herkunft des nur im Dt. und Nl. begegnenden Substantivs ahd. (h)rīfo (8. Jh.), (h)rīf (Hs. 12. Jh.), mhd. rīf(e), asächs. hrīpo, mnd. rīpe, mnl. rīpe, rijp, nl. rijp (germ. *hreipan-) ist ungewiß. Zieht man mnd. rīm ‘Reif’, mnl. nl. rijm, aengl. hrīm ‘Frost’, engl. rime, anord. hrīm, hrīmi, schwed. rimfrost ‘(Rauh)reif’ (germ. *hreima-) sowie mhd. rīmeln, berīmeln, nhd. (bair. öst.) reimen, reimeln ‘mit Reif überzogen werden’ und das starke Verb ahd. (h)rīnan ‘berühren, treffen’ (8. Jh.), asächs. hrīnan ‘berühren’, mnl. gerīnen, aengl. hrīnan, anord. hrīna ‘berühren, treffen, in Erfüllung gehen’, außergerm. lit. krėnà ‘Haut auf gekochten Speisen, besonders auf gekochter Milch’ (eigentlich ‘was man abstreift, abrahmt’) heran, so können die genannten Formen im Sinne von ‘was durch Berührung abgestreift werden kann’ teils zu einer Labial-, teils zu einer Nasalerweiterung der Wurzel ie. *krei- ‘über etw. hinstreifen, berühren’ gestellt werden. reifen1 Vb. unpersönlich ‘Reif fällt, bildet sich’ (15. Jh.), nd. rīpen, nl. rijpen; daneben mhd. rīmeln (s. oben).
Zitationshilfe
„Reif“, in: Wolfgang Pfeifer et al., Etymologisches Wörterbuch des Deutschen (1993), digitalisierte und von Wolfgang Pfeifer überarbeitete Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/etymwb/Reif>.

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