Etymologisches Wörterbuch des Deutschen

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Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Schelle, ...

Schelle1 f. ‘Glöckchen, Klingel’, ahd. skella (11. Jh.), mhd. mnd. schelle, mnl. scelle, nl. schel (germ. *skellō f.) steht als Verbalsubstantiv zu dem im 17. Jh. untergegangenen starken Verb ahd. skellan ‘tönen, lärmen, schallen, klingen’ (um 1000; vgl. irskellan ‘ertönen, erklingen’, 9. Jh.), mhd. mnd. frühnhd. schellen, mnl. scellen, anord. skjalla (germ. *skellan). Daneben begegnet ein (im Nhd. ebenfalls untergegangenes) Kausativum ahd. skellen (um 1000), mhd. frühnhd. schellen ‘erklingen lassen’, aengl. scillan, anord. skella (germ. *skaljan). Das starke und das schwache Verb sind im Dt. jedoch bewahrt in der Präfixbildung ↗zerschellen (s. d.). Nächstverwandt ist ↗Schall (s. d.). Außergerm. läßt sich vielleicht russ. (mundartlich) skólit’ (сколить) ‘winseln, heulen’ (von Hund und Wolf) heranziehen. Es handelt sich offensichtlich um schallnachahmende Bildungen, die an ie. *skel- (wozu auch ↗schelten, s. d.), eine mit s- anlautende Variante der Wurzel ie. *kel(ə)- ‘rufen, schreien, lärmen, klingen’ (s. ↗hell), angeschlossen werden können. Schellenkappe f. ‘mit Glöckchen besetzte Narrenkappe’ (18. Jh.). Schellenbaum m. auf die Janitscharenmusik zurückgehendes Musikinstrument, dessen Querstangen mit Schellen (Glöckchen) bestückt sind (19. Jh.), heute Repräsentationszeichen der Militärmusik. schellen Vb. ‘klingeln, läuten’, Neubildung (17. Jh.) zum Substantiv (s. oben). Schelle2 f. ‘Schlag ins Gesicht, Ohrfeige’ (18. Jh.), gekürzt aus älterem gleichbed. Maulschelle f. (16. Jh.), eigentlich ‘schallender Schlag aufs Maul’, gebildet zu frühnhd. schellen ‘schallen, klingen’ (s. oben).
Zitationshilfe
„Schelle“, in: Wolfgang Pfeifer et al., Etymologisches Wörterbuch des Deutschen (1993), digitalisierte und von Wolfgang Pfeifer überarbeitete Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/etymwb/Schelle>, abgerufen am 29.10.2020.

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Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Schelle, ...

Schelle3 f. ‘ringförmige (Metall)fessel’ (Anfang 17. Jh.), Handschelle f. (18. Jh.), in der Handwerkersprache ‘Befestigungsriegel, -bügel, ringförmige Klammer’. Vielleicht ist anzuknüpfen an ahd. fuoʒscal ‘Riegel’ (um 800), dessen Grundwort, ausgehend von einer Bedeutung ‘abgespaltener Pfahl, Pflock’, zu der unter ↗Schale1, ↗Schale2 (s. d.) angegebenen Wurzel ie. *(s)kel- ‘schneiden’ gestellt werden kann.
Zitationshilfe
„Schelle“, in: Wolfgang Pfeifer et al., Etymologisches Wörterbuch des Deutschen (1993), digitalisierte und von Wolfgang Pfeifer überarbeitete Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/etymwb/Schelle>, abgerufen am 29.10.2020.

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