Etymologisches Wörterbuch des Deutschen

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Statistik, ...

Statist m. ‘Staatsmann, (weltkluger oder intriganter) Politiker’ (17. Jh., wohl nach voraufgehenden engl. statist, ital. statista), anfangs (in Anlehnung an ↗Staat, s. d.) auch in der Schreibweise Staatist. In der Bühnensprache ‘Darsteller einer stummen, gleichsam stehenden (nicht agierenden) Rolle’ (18. Jh.). In beiden Verwendungen gebildet zu lat. status ‘das Stehen, Stand’ (auch ‘Zustand, Lage, Stellung, Wohlstand, Gesellschaftsform’, s. ↗Status), zu lat. stāre (statum) ‘stehen’. Übertragen (Anfang 19. Jh.) ‘unbeteiligter Zuschauer, Rand-, Nebenfigur, unbedeutende Person’. Zu Statist ‘Staatsmann’ wird (2. Hälfte 17. Jh.) nlat. Statistica ‘Staatslehre, Staatswissenschaft’ gebildet (vgl. ital. statistica, 17. Jh.), das bald (Anfang 18. Jh.) in der Form Statistik f. für ‘Beschreibung eines Staates, eines Landes’ und (2. Hälfte 18. Jh.) die ‘Wissenschaft von der Erfassung, Erforschung und Beschreibung von Massenerscheinungen in Natur und Gesellschaft’ und die ‘graphische oder tabellarische Darstellung solcher Ergebnisse’ bezeichnet; heute auch die ‘Zusammenstellung, Darstellung der Ergebnisse von Massenuntersuchungen oder Befragungen’ (20. Jh.). Statistiker m. ‘Staatswissenschaftler, Staatenkenner’, dann ‘Fachmann der Statistik’ (18. Jh.). statistisch Adj. ‘die Statistik betreffend, durch Zahlen belegt’ (Ende 18. Jh.), zuvor ‘Staatsverhältnisse betreffend’ (Mitte 17. Jh.).
Zitationshilfe
„Statistik“, in: Wolfgang Pfeifer et al., Etymologisches Wörterbuch des Deutschen (1993), digitalisierte und von Wolfgang Pfeifer überarbeitete Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/etymwb/Statistik>, abgerufen am 20.06.2021.

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