Etymologisches Wörterbuch des Deutschen

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Zinnober, ...

Zinnober m. leuchtend rotes bis stahlgraues, diamantglänzendes Mineral, das wichtigstes Erz für die Gewinnung von Quecksilber ist und seit der Antike als (gelb)roter Farbstoff dient, ‘Quecksilbersulfid’, mhd. zinober (Anfang 13. Jh.), entlehnt aus gleichbed. afrz. cenobre (mfrz. frz. cinabre m.). Die afrz. Bezeichnung folgt lat. cinnabaris f. (spätlat. auch cinnabari n.) ‘mineralischer roter Farbstoff, Bergzinnober’, ursprünglich aus dem Harz bestimmter ostindischer Bäume gewonnene rote Farbe, ‘Drachenblut’, einer Übernahme von gleichbed. griech. kinnábari n., kinnábaris m. (κιννάβαρι, κιννάβαρις), das ungeklärter, wohl oriental. Herkunft ist. Seit Beginn des 20. Jhs., besonders in der Soldatensprache seit dem ersten Weltkrieg steht Zinnober übertragen für ‘wertloser Kram’ und ‘unsinniger Aufwand, überflüssige Umstände’, doch ist das Motiv für diesen Gebrauch nicht erkennbar. Handelt es sich um spielerische Weiterbildung von in ähnlichem Sinne verwendetem ↗Zimt (s. d.)? Oder klingen Erfahrungen der Alchimisten an, die bei Verbindung von Quecksilber mit Schwefel nicht das erwartete Gold, sondern nur Zinnober erhielten? Auch an die frühere Gewohnheit, Ausschmückungen und Hervorhebungen in Handschriften und Drucken mit Zinnoberrot vorzunehmen, ließe sich denken. zinnoberrot Adj. ‘gelblichrot’, mhd. zinoberrōt.
Zitationshilfe
„Zinnober“, in: Wolfgang Pfeifer et al., Etymologisches Wörterbuch des Deutschen (1993), digitalisierte und von Wolfgang Pfeifer überarbeitete Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/etymwb/Zinnober>, abgerufen am 23.04.2021.

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