Etymologisches Wörterbuch des Deutschen

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

beizen, ...

beizen Vb. ‘mit Beize behandeln, scharf, ätzend einwirken, mit abgerichteten Raubvögeln jagen’. Das germ. Verb ahd. beizen ‘mit Beize behandeln, mit Vögeln jagen, aufzäumen’ (10. Jh.), mhd. beiʒen ‘mit Beize behandeln, mit Falken, Hunden jagen, mürbe machen, peinigen’ und ‘vom Pferd steigen’ (eigentlich ‘das Pferd beißen, fressen lassen’), asächs. undbētian ‘absitzen’, mnd. bēten ‘mit Beize behandeln, mit Falken, Hunden jagen’, aengl. bǣtan ‘beizen, jagen, aufzäumen, zügeln’, engl. to bait ‘ködern, mit Hunden hetzen, reizen, quälen, peinigen’, anord. beita ‘beißen lassen, zäumen, weiden, jagen, segeln’ ist Kausativum zu dem unter ↗beißen (s. d.) behandelten Verb und bedeutet daher eigentlich ‘beißen machen, beißen lassen’. Das führt zu zwei verschiedenen Verwendungsweisen: ‘mit Raubvögeln’, früher auch ‘mit Hunden jagen’, eigentlich ‘Raubvögel, Hunde beißen lassen’, und ‘mit einem scharfen Mittel, mit Beize behandeln’. Im Part. Präs. werden beizend und beißend zuweilen ohne Unterschied gebraucht (beizender und beißender ‘stechender, ätzender’ Rauch, Qualm, Geruch). Hinsichtlich der inlautenden Konsonanz, und zwar Spirans beim starken (beißen) und Affrikata beim schwachen (beizen) Verb sowie den zugehörigen Bildungen (Biß, Beize), hat sich eine konsequente Scheidung erst in der nhd. Literatursprache durchgesetzt. Im Ahd. und Mhd. ist (besonders für die hier unter beizen genannten Wörter) mit Doppelformen zu rechnen, im Mhd. mit einem Überwiegen der Spirans (die sich noch heute in Mundarten findet). Die Affrikata entstammt den Flexionsformen, in denen (vor Eintritt der hd. Lautverschiebung) ein j der Folgesilbe Konsonantengemination bewirkte. Unterschiedliche Ausgleichsbewegungen haben zu Doppelformen (und ihrer Beseitigung) geführt. Beize1 f. ‘Mittel zur Oberflächenbehandlung von Holz, Metall, Mittel zum Gerben, Jagd mit abgerichteten Raubvögeln’, ahd. beiza ‘Beize, Lauge’ (zum Aufweichen von Schmutz), ‘Alaun’ als Beize in Färbereien (Hs. 12. Jh.), dafür auch beiz(i)stein (10. Jh.), mhd. beiʒe ‘Falkenjagd, scharfe, beißende Flüssigkeit’.
Zitationshilfe
„beizen“, in: Wolfgang Pfeifer et al., Etymologisches Wörterbuch des Deutschen (1993), digitalisierte und von Wolfgang Pfeifer überarbeitete Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/etymwb/beizen>, abgerufen am 08.08.2020.

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