Etymologisches Wörterbuch des Deutschen

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

euch

euch Pers.pron. der 2. Person im Dativ und Akkusativ des Plurals (zum Nominativ Plur. ↗ihr, s. d.); ahd. iuwih (8. Jh.), mhd. iuch (Akkusativ, mit germ. *-ik in Analogie zur 1. Pers., vgl. ahd. unsih Akkusativ Plur., mih Akkusativ Sing., s. ↗uns, ↗mich), außerdem ahd. mhd. iu (Dativ); Dativ- und Akkusativform werden vereinzelt schon im Ahd. vertauscht, mhd. iu, iuch sind seit der 2. Hälfte des 13. Jhs. nebeneinander für beide Kasus in Gebrauch, im Frühnhd. bleibt nur euch erhalten. Diesen Zusammenfall zeigen auch die anderen germ. Sprachen: asächs. iu(u), eu, mnd. , iuwe, anfrk. iu, mnl. ū, nl. u, afries. iu, io, aengl. īow, ēow (Dativ und Akkusativ), auch ēowic (Akkusativ), engl. you (Nominativ, Dativ und Akkusativ), anord. yðr, got. izwis (Dativ und Akkusativ). Nach dem Zeugnis der got. Form ist von germ. *izwiz auszugehen; hiermit läßt sich anord. yðr vereinbaren, wenn man als Vorstufe ein durch Dissimilation entstandenes urnord. *iðwiʀ statt eines regulären urnord. *iʀwiʀ (aus germ. *izwiz) annimmt. Im Westgerm. beruht das Fehlen von germ. -z- (westgerm. -r-) in der ersten Silbe wohl eher auf ebenfalls dissimilatorischem Schwund als auf Assimilation an das folgende -w-. Für germ. *-wiz ist Zusammenhang mit aind. vaḥ ‘euch, euer’ (Genitiv, Dativ und Akkusativ, enklitisch), lat. vōs ‘ihr, euch’ (Nominativ und Akkusativ), aslaw. vamъ, russ. vam (вам) ‘euch’ (Dativ) und daher Anschluß an ie. *u̯ē̌s-, *u̯ō̌s- wahrscheinlich. Unbefriedigend erklärt ist bisher aber das anlautende germ. *iz-; ein vorauszusetzendes ie. *es- könnte zum Pronominalstamm ie. *e- (s. ↗er, ↗es) gehören, dann wäre die ganze Bildung ursprünglich ein Dual und mit griech. sphṓ (σφώ) ‘ihr beide’ vergleichbar, dessen Anlaut s- (σ-) als Schwundstufe von ie. *se- (Pronominalstamm, s. ↗sein2, ↗sich) aufgefaßt wird; vgl. Frisk 2, 829. Neuerdings wird jedoch erwogen, ob germ. *izwiz nicht durch Dissimilation aus einer reduplizierten Form germ. *wiz-wiz hervorgegangen sei; vgl. Rosenfeld in: Zs. f. Phonetik 8 (1954/55) 371 und Krahe/Meid Germ. Sprachwissenschaft 2 (1969) 55.
Zitationshilfe
„euch“, in: Wolfgang Pfeifer et al., Etymologisches Wörterbuch des Deutschen (1993), digitalisierte und von Wolfgang Pfeifer überarbeitete Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/etymwb/euch>, abgerufen am 07.07.2020.

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