Etymologisches Wörterbuch des Deutschen

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

glimpflich, ...

glimpflich Adj. ‘ohne größeren Schaden, schonend, nachsichtig’. Das nur im Dt. und Engl. bezeugte Adjektiv ahd. gilimphlīh (9. Jh.), mhd. gelimpflich ‘recht, angemessen’, mnd. (ge)limplīk, aengl. (ge)limplic ‘passend, geeignet, angemessen’, (ablautend) asächs. gilumplīk ‘passend’ hat neben sich (bei ungeklärtem Ableitungsverhältnis) ein im Frühnhd. untergehendes starkes Verb ahd. limphan (9. Jh.), gilimphan (um 800) ‘zukommen, zutreffen, geziemen’, mhd. limpfen ‘angemessen, geeignet sein’, aengl. (ge)limpan ‘geschehen, vorhanden sein, angemessen sein’, ein Adjektiv ahd. gilimph (um 1000), mhd. gelimpf ‘angemessen’ und ein wohl zum Verb gebildetes Substantiv ahd. gilimph ‘Angemessenheit’ (um 1000), mhd. g(e)limpf ‘angemessenes, schonendes Benehmen’, nhd. Glimpf ‘Schonung, Nachsicht’ (so noch in der Fügung mit Glimpf ‘auf gute Art’), mnd. gelimp, aengl. gelimp ‘Ereignis, Zufall’. Herkunft ungewiß. Man hat versucht, mhd. limpfen ‘hinken’, engl. to limp ‘hinken’, limp ‘schlaff, schlapp, biegsam’, aengl. lemphealt ‘hinkend’, mnd. lumpen ‘hinken, lahmen, sich fortschleppen’, die unter ↗Lumpen und ↗Schlampe (s. d.) angeführten Wörter und außergerm. aind. rámbatē, jünger lámbatē ‘hängt (schlaff) herab’, lambana- ‘herabhängend’, lat. limbus ‘Besatz am Kleid, Saum’ vergleichend heranzuziehen. Dann ist Anschluß an ie. *(s)lemb(h)-, die nasalierte Form der unter ↗Lappen (s. d.) genannten Wurzel ie. *lē̌b-, *lō̌b-, *lā̌b- ‘schlaff herabhängen(d)’ (wozu auch mit s-Anlaut ↗schlafen, ↗schlaff, ↗schlapp1, s. d.), möglich, sofern man eine Bedeutungsentwicklung von ‘schlaff, locker’ zu ‘biegsam’ und zu ‘weich, rücksichtsvoll, nachsichtig’, weiter zu ‘angemessen, geeignet’ annimmt. unglimpflich Adj. ‘schonungslos, ungerecht, kränkend’, ahd. ungilimphlīh ‘unpassend, unrichtig’ (8. Jh.), mhd. ungelimpflich. Unglimpf m. ‘Unrecht, Kränkung, Schaden, Beleidigung’, mhd. ungelimpf ‘unziemliches Betragen, Unangemessenheit, Unrecht’. verunglimpfen Vb. ‘schmähen, beleidigen’ (15. Jh.).
Zitationshilfe
„glimpflich“, in: Wolfgang Pfeifer et al., Etymologisches Wörterbuch des Deutschen (1993), digitalisierte und von Wolfgang Pfeifer überarbeitete Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/etymwb/glimpflich>, abgerufen am 27.10.2020.

Weitere Informationen zum Zitieren …

Wortinformationsseiten im DWDS

Im Etymologischen Wörterbuch stöbern

a ä b c d e é f g h i
j k l m n o ö p q r
s t u ü v w x y z -