Etymologisches Wörterbuch des Deutschen

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

ihr, ...

ihr Pers.pron. der pluralischen Anrede, ahd. mhd. ir, asächs. gī̌, mnd. , je, ī, mnl. ghi, nl. gij, aengl. gē̌, anord. ēr, schwed. i, got. jū̌s verbinden sich mit aind. yūyám, lit. jū̃s ‘ihr’ und führen auf ie. *i̯ūs ‘ihr’ (vom Pronominalstamm ie. *i̯ū- mit der Nominativendung -s, wozu vielleicht auch ↗euch und seine germ. Entsprechungen, s. d.). Der Vokal ū in germ. *jūz wird im Nordgerm. und Westgerm. nach der 1. Pers. Plur. (germ. *wīz, dann gekürzt *wiz, s. ↗wir) zu ī̌ umgebildet; anlautendes j schwindet im Ahd. durch Angleichung an die obliquen Kasus (Genitiv iuwēr, Dativ iu, Akkusativ iuwih). Bereits mhd. ir entwickelt sich zur respektvollen Anrede auch einer Einzelperson; dieser Brauch bleibt bis ins 17. Jh. erhalten, wo Ihr durch Sie (s. ↗sie) abgelöst wird. Das Poss.pron. der 3. Person ihr beruht auf den im Ahd. in dieser Funktion verwendeten Genitiven des Pers.pron. der 3. Person Sing. fem. ira und Plur. iro und gehört daher zum Pronominalstamm von ↗er (s. d.). Erst im Mhd. wird aus diesen Genitiven ein Poss.pron. mit adjektivischer Flexion entwickelt. ihrzen Vb. ‘mit Ihr anreden’, mhd. irzen, irezen.
Zitationshilfe
„ihr“, in: Wolfgang Pfeifer et al., Etymologisches Wörterbuch des Deutschen (1993), digitalisierte und von Wolfgang Pfeifer überarbeitete Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/etymwb/ihr>, abgerufen am 04.08.2020.

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