Etymologisches Wörterbuch des Deutschen

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Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

schleifen, ...

schleifen1 Vb. ‘eine rauhe Oberfläche bearbeiten und glätten, schärfen’. Das starke Verb ahd. slīfan ‘schärfen’ (8. Jh.), intransitiv ‘(aus)gleiten, hinsinken, in Verfall geraten’ (9. Jh.), mhd. slīfen ‘schärfen, glätten’, intransitiv ‘(aus)gleiten, hinsinken, fallen’, mnd. mnl. slīpen, nl. slijpen, afries. slīpa (germ. *slīpan) stellt sich mit griech. (neutr.) olibrón (ὀλιβρόν) ‘schlüpfrig, glatt’ und vielleicht auch kymr. llym ‘scharf’, bret. lemm ‘scharf, Schneide eines Messers’ zu ie. *(s)leib- ‘schleimig, schlüpfrig, gleiten, darüber streichen, glätten’, einer mit s- anlautenden Labialerweiterung der unter ↗Leim (s. d.) angeführten Wurzel ie. *lei- ‘schleimig, durch Nässe glitschiger Boden, ausgleiten, worüber hinschleifen oder -streichen, schmieren’ (s. auch ↗Lehm, ↗Schleim). Die Ausgangsbedeutung ‘über eine Fläche hingleiten’ ist bereits im Ahd. weiterentwickelt zu ‘(durch Gleiten über den Schleifstein) schärfen’. Aus der übertragenen Verwendung einen Lehrjungen schleifen ‘ihm gute Lehren, Verhaltensregeln geben’ (um 1700) wird schleifen in die Soldatensprache übernommen für ‘im Dienst, beim Exerzieren hart rannehmen, drillen’. Schleifstein m. ‘Wetzstein’, ahd. slifstein (9. Jh.), mhd. slif-, slīfstein. Schleifer m. ‘wer schleift, schärft’, mhd. slīfære, slīfer. Schliff m. ‘das Schleifen, geschliffene Stelle’, ahd. slif ‘abgeschliffene Metallreste’ (Hs. 13. Jh.), mhd. slif ‘Abgeschliffenheit, Abgenutzheit, das Ausgleiten’; übertragen ‘gutes Benehmen’ (19. Jh.). Auch Schliff, Schlief ‘unausgebackene Stelle im Brot, Kuchen’ (17. Jh.), die glatt, wie geschliffen aussieht. Obsächs. Schliff backen ‘Pech haben’.
Zitationshilfe
„schleifen“, in: Wolfgang Pfeifer et al., Etymologisches Wörterbuch des Deutschen (1993), digitalisierte und von Wolfgang Pfeifer überarbeitete Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/etymwb/schleifen>, abgerufen am 14.08.2020.

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schleifen

schleifen2 Vb. ‘etw. über den Boden ziehen, schleppen (lassen), Festungswerke zerstören und abbrechen’. Das schwache Verb ahd. sleifen ‘schlüpfrig machen’ (11. Jh.), mhd. sleifen, sleipfen ‘gleiten machen oder lassen, schleppen, dem Erdboden gleichmachen’, mnd. slēpen ‘schleppen, schleifen’, mnl. slēpen, sleipen, nl. slepen ‘mit Mühe fortziehen’, afries. slēpa steht als Kausativum (westgerm. *slaipjan) zu dem unter ↗schleifen1 (s. d.) behandelten starken Verb. Vgl. auch ahd. bisleifen ‘wanken machen, niederstoßen, zerstören’ (10. Jh.) und mit derselben Ablautstufe gebildetes ahd. sleifa ‘glatte Bahn’ (9. Jh.) bzw. sleipha ‘Bahn zum Holztransport’ (um 1000).
Zitationshilfe
„schleifen“, in: Wolfgang Pfeifer et al., Etymologisches Wörterbuch des Deutschen (1993), digitalisierte und von Wolfgang Pfeifer überarbeitete Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/etymwb/schleifen>, abgerufen am 14.08.2020.

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