fälteln

GrammatikVerb
Worttrennungfäl-teln (computergeneriert)
Wortbildung mit ›fälteln‹ als Erstglied: ↗Fältelung
eWDG, 1967

Bedeutung

einen Stoff in kleine, eng aufeinanderfolgende, gleichmäßige Falten legen
Beispiele:
eine Spitze, einen Stoffstreifen fälteln
ein dicht gefältelter Vorhang, Schleier
fein gefältelte Ärmel
wie sie ... Gardinen eigenhändig fältelte [E. T. A. Hoffm.Serapionsbrüder3,194]
er ... stand da im Frack, mit reich gefältelter Hemdbrust, in welcher Diamantknöpfe blitzten [Th. MannKrull8,290]
übertragen
Beispiel:
gehoben ein breites, pfiffiges Lächeln, das dieses ganze Gesicht, selbst die gesattelte Nase, fältelte [Feuchtw.Tag79]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

falten · fälteln · Faltstuhl · Falte · -falt · faltig
falten Vb. ‘zusammenlegen’. In ahd. faldan ‘krümmen, zusammenlegen’ (um 800), mhd. valten, valden ‘falten, verschränken, sich umbiegen’, mnd. vōlden, valden, mnl. vouden, vouwen, nl. vouwen, aengl. faldan, fealdan, engl. to fold, anord. falda ‘den Kopf bedecken’, eigentlich ‘ein Kopftuch umbinden, falten’, got. falþan liegt ein ursprünglich starkes (reduplizierendes) Verb vor, dessen Formen allmählich mit denen des gleichbed. schwachen Verbums ahd. faldōn, faltōn (9. Jh.), mhd. valten, valden, anord. falda ‘falten’, schwed. fålla ‘säumen’ zusammenfallen, so daß nhd. falten einheitliche schwache Stammformen bildet. Doch hält sich ein starkes Part. Prät. gefalten bis ins 18. Jh. Wie aind. puṭaḥ (aus *pḷt-?) ‘Falte, Tasche, Ritze, Öffnung’, mir. alt ‘Gelenk, Glied, Abschnitt’ sind die germ. Formen als to-Ableitungen von der Wurzel ie. *pel- ‘falten’, wohl auch ‘bedecken, verhüllen’ (s. ↗befehlen und ↗Fell) anzusehen (s. auch unten Falte). fälteln Vb. ‘in viele kleine Falten legen’, Iterativbildung (15. Jh.) zu falten. Faltstuhl m. ‘zusammenklappbarer Stuhl’, ahd. fald(i)-, falt(i)stuol ‘zusammenlegbarer Sitz, Sessel’ (10./11. Jh.), mhd. valtstuol, asächs. faldistōl, aengl. fældestōl, fyld(e)stōl, engl. faldstool. Aus dem Germ. entlehnt sind mlat. faldistolium und afrz. faldestoel, faudestuel, mfrz. faudeteul, mfrz. frz. fauteuil. Mit der Bedeutung ‘Lehnsessel’ wird Fauteuil im 18. Jh. wieder ins Dt. übernommen. Falte f. ‘Knick, Bruch, Runzel’. Wohl als Ableitungen vom Verb stehen ahd. fald m. ‘Falte’ (11. Jh.), mhd. valt m. ‘Falte, Faltenwurf’, anord. faldr ‘Falte, Knoten’, dän. fold und mhd. valte, valde f. ‘Falte, Lage eines Buches, Ecke, Winkel’, mnd. vōlde f., mnl. voude f., nl. vouw ‘Falte’. Im Nhd. setzt sich allein die fem. Form Falte durch. -falt wird in allen germ. Sprachen schon in alter Zeit als zweites Kompositionsglied mit Zahlwörtern verbunden, vgl. ahd. einfalt ‘einfach’ (8. Jh.), mhd. einvalt, asächs. ēnfald, mnd. ēnvōlt, aengl. ānfeald (engl. erhalten in twofold ‘zweifach’), anord. einfaldr, got. ainfalþs. Wurzelverwandte Bildungen (ie. *plo-) liegen vor in griech. diplóos (διπλόος) und lat. duplex ‘zweifach, doppelt’. Bereits früh erfolgt Suffixerweiterung zu ahd. -faltīg (einfaltīg, 11. Jh.), mhd. -valtec, -veltic (einvaltec, einveltic), nhd. -fältig (einfältig). S. ↗Einfalt. faltig Adj. ‘mit Falten, Knicken, Runzeln versehen’ (16. Jh.).

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Den schlägt sie um sich, faltet und fältelt ihn, verkantet und verkrampft sich in ihm.
Süddeutsche Zeitung, 06.04.2001
Die Ärmel, in der Pekinesen spazieren getragen wurden, wirft sie kokett aus und fältelt sie wieder zusammen.
Süddeutsche Zeitung, 07.06.2001
Das Gesicht des kleinen, quicken Herrn fältelte sich diesmal besonders listig.
Feuchtwanger, Lion: Die Geschwister Oppermann, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 2001 [1933], S. 378
Wie einer den Stift, die Zigarette, den Mund hält, das sagt, wie seine Beine gefältelt sind, verschweigt alles.
Die Zeit, 15.10.1993, Nr. 42
Wie er feinste Seide borkenartig gefältelt und gebügelt in Plisseeschläuche, die Basis seiner „Fortuny-Kleider“, verwandelte, ist noch immer ein Geheimnis.
Die Zeit, 24.10.1980, Nr. 44
Zitationshilfe
„fälteln“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/fälteln>, abgerufen am 24.07.2019.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
Falte
Fältchen
Faltboot
Faltblatt
Faltbecher
Fältelung
falten
Faltenbalg
Faltenbausch
Faltenbildung