fügen

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungfü-gen
Wortbildung mit ›fügen‹ als Erstglied: ↗fügsam  ·  mit ›fügen‹ als Letztglied: ↗aneinanderfügen · ↗anfügen · ↗aufeinanderfügen · ↗beifügen · ↗dazufügen · ↗einfügen · ↗hineinfügen · ↗hinzufügen · ↗ineinanderfügen · ↗nachfügen · ↗zufügen · ↗zusammenfügen · ↗übereinanderfügen
 ·  mit ›fügen‹ als Grundform: ↗Gefüge · ↗verfügen
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
etw. zusammenbauen
a)
gehoben
Beispiel:
Von der Mauer eines kleinen, aus rohen Ziegeln gefügten Häuschens mahnte ein Schild [UhsePatrioten1,144]
übertragen
Beispiele:
das Bündnis ist fest gefügt
eine fest gefügte Gesellschaftsordnung
Ein neuer Herr wird die Armee, die er so prachtvoll gefügt hat, seine Armee, über den Euphrat ... führen [Feuchtw.Nero369]
b)
Handwerk
Beispiele:
die gut, sauber gefügte Holzplatte
Bretter fügen (= Bretter an den Schmalseiten so bearbeiten, dass sie später zusammengesetzt werden können)
2.
etw. an etw. fügenetw. an etw. daran setzen, etw. zu etw. hinzufügen
Beispiele:
einen Stein an den anderen fügen
Wort an Wort, Satz an Satz fügen
etw. in etw. fügenetw. in etw. hineinsetzen, einfügen
Beispiel:
Vielleicht kann ich sie [die Blöcke] später doch im Ganzen heben und in die Mauer fügen [WaggerlTagebuch34]
etw. zu etw. fügenetw. zu etw. hinzutun, hinzufügen
Beispiele:
zu diesen wertvollen Geschenken fügte er noch eine besondere Kostbarkeit
zum Schaden fügte er noch den Hohn
übertragen sich in etw. fügensich einer Sache einfügen, anpassen
Beispiel:
ein Ensemble spielt dann gut, wenn jeder Schauspieler sich in den Rahmen des Ganzen fügt
sich zu etw. fügenzu etw. passen
Beispiel:
Dazu [zu den Stilmöbeln] fügt sich wunderschön eine ganz einfache Biedermeier-Glasampel [KlepperSchatten296]
3.
sich fügenkeinen Widerstand (mehr) leisten
a)
gehorchen, Folge leisten
sich jmdm., einer Sache fügen
Beispiele:
sie hatte recht, und er musste sich ihr fügen
er fügte sich dem Willen, Wunsch seines Vaters
sich den Anordnungen, Befehlen des Vorgesetzten fügen
sich der Disziplin, Hausordnung, Notwendigkeit, den bestehenden Sitten, dem Zwang fügen
sich nicht dem Druck der Reaktion fügen
sich (jmdm.) widerstrebend, willig, gern fügen
er fügte sich trotz seiner Bedenken
b)
sich in etw. fügensich in etw. ergeben, schicken
Beispiel:
er fügte sich ins Notwendige, Unvermeidliche, in sein Schicksal, die Umstände
4.
gehoben
a)
etw. einrichten, bewirken
Beispiele:
er wusste es so zu fügen, dass sie nebeneinander saßen
Gott fügte es, dass sie einen Sohn gebar
das Geschick, der Zufall hat es gefügt, dass ...
b)
es fügt siches trifft sich, der Verlauf der Dinge bringt es mit sich
Beispiele:
es fügte sich (so), dass sich ihre Wege kreuzten
es fügte sich gut, zu seinem Glück, dass ...
es will sich nicht fügen (= gelingen)
die Umstände fügen sich (= gestalten sich, werden) günstig
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

fügen · fugen · verfügen · Verfügung · Fuge2 · Fug · Befugnis · befugt · füglich · Unfug · fügsam · Fügung · Gefüge · gefügig · ungefüge
fügen Vb. ‘passend zusammensetzen, verhängen, bewirken’, reflexiv ‘sich unterordnen’, ahd. fuogen ‘verbinden, vereinigen, ineinanderpassen’ (8. Jh.), mhd. vüegen, vuogen, auch ‘bewerkstelligen, sich anpassen, machen, daß etw. geschieht’, asächs. fōgian, mnd. vȫgen, vǖgen, mnl. voeghen, nl. voegen, aengl. fēgan, engl. to fay ‘passen, verbinden’ sind verwandt mit ↗Fach (s. d.) und den dort genannten Formen. Daneben steht fugen Vb. ‘fest zusammensetzen, mit einer Fuge verbinden’, die in der Handwerkersprache bewahrte obd. umlautlose Form von fügen; heute meist als Ableitung von Fuge (s. unten) empfunden. verfügen Vb. ‘an die richtige Stelle setzen, einfügen, anordnen’, reflexiv ‘sich begeben’, frühnhd. verfüegen (15. Jh.), mnd. vorvogen ‘einrichten’. Verfügung f. ‘Anordnung’ (16. Jh.). Fuge2 f. ‘Ritze, Verbindungslinie zwischen zusammengehörigen Bauteilen’, ahd. fuogī ‘Verbindung, Zusammensetzung, Verbindungsstelle’ (um 1000), mhd. vuoge ‘Zusammenfügung, Stelle eingreifender Verbindung zueinander’, aber auch (und damit in mhd. Zeit bedeutungsgleich mit dem folgenden Fug) ‘Schicklichkeit, passende Gelegenheit, Kunstfertigkeit’; vgl. auch (mit anderer Bildungsweise) ahd. fuoga ‘Geschicklichkeit’ (Hs. 13. Jh.). Fug m. ‘Zuständigkeit, Recht’, mhd. vuoc ‘Schicklichkeit, passende Gelegenheit, Kunstfertigkeit’, heute vor allem noch in der Wendung mit Fug und Recht (16. Jh.). Befugnis f. ‘Zuständigkeit, Recht’ (16. Jh.). befugt Part.adj. ‘zuständig, berechtigt’, vgl. befugt sein (15. Jh.), aus dem Part. Prät. von spätmhd. sich bevūgen ‘eine Zuständigkeit ausüben’ (14. Jh.). füglich Adj. ‘passend, schicklich, mit Berechtigung’, spätmhd. vuoclich, vüeclich; vgl. ahd. gifuog(i)līh (9. Jh.). Unfug m. ‘öffentliches Ärgernis erregendes Verhalten, Dummheiten, Schabernack’, mhd. unvuoc ‘Unanständigkeit, Roheit, Schande, Frevel’. fügsam Adj. ‘leicht lenkbar, anpassungsfähig’, spätmhd. vuoc-, vüecsam ‘schicklich, angemessen’ (14. Jh.). Fügung f. ‘Geschick, Schicksal’, mhd. vüegunge ‘Zusammenfügung, Art und Weise’, seit dem 17. Jh. Terminus der Syntax für lat. cōnstrūctio. Gefüge n. ‘Struktur, innere Ordnung’, von ahd. gifuogī̌ ‘Verbindung’ (8. Jh.) unabhängige Neubildung des 17. Jhs. gefügig Adj. ‘fügsam, passend’ (15. Jh.), mit anderer Endung anschließend an ahd. gifuogi, mhd. gevüege Adj., bewahrt in ungefüge Adj. ‘unförmig, unhandlich’, ahd. ungifuogi (11. Jh.), mhd. ungevüege, -vuoge ‘unartig, unhöflich, unbeholfen, plump’.

Thesaurus

Technik
Synonymgruppe
falten · ↗falzen · fügen · ↗knicken · ↗kniffen
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Bild Diktat Ganze Gesamtbild Mosaik Puzzle Schicksal Unvermeidliche Wunsch Zufall an aneinanderfügen anfügen ansagen beifügen bestens dazufügen ein einfügen harmonisch hinzu hinzufügen ineinanderfügen leise nahtlos trefflich zufügen zusammen zusammenfügen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›fügen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Es fügt sich zu einem schönen Bild, dass er dort auf einen trifft, der sich von allem äußeren Druck befreit hat.
Süddeutsche Zeitung, 06.07.2001
Er fügte hinzu, das solle auch so bleiben, "in guter deutscher Tradition.
Der Tagesspiegel, 18.01.2001
So blieb ihnen nichts anderes übrig, als sich in ihr »Schicksal« zu fügen.
Giesder, Gabriele: Gutes Benehmen, Düsseldorf: Econ-Taschenbuch-Verl. 1991 [1986], S. 89
Sie haben indes geglaubt, sich den Anordnungen ihres Meisters fügen zu sollen.
Friedländer, Hugo: Die Vorkommnisse in der Fürsorgeanstalt Mieltschin. In: ders., Interessante Kriminal-Prozesse, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1911], S. 31285
Wenn ich dennoch bestraft werden sollte, so werde ich mich in mein Schicksal fügen.
Friedländer, Hugo: Eine Bluttat in Essen vor dem Marinekriegsgericht. In: ders., Interessante Kriminal-Prozesse, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1910], S. 902
Zitationshilfe
„fügen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/fügen>, abgerufen am 15.10.2019.

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