fügsam

Grammatik Adjektiv
Aussprache 
Worttrennung füg-sam
Wortzerlegung fügen-sam
Wortbildung  mit ›fügsam‹ als Erstglied: ↗Fügsamkeit
eWDG, 1967

Bedeutung

gehorsam, folgsam
Beispiele:
die fügsamen Bürger
er ist ein fügsamer Junge
fügsam sein
sich fügsam verhalten
[der Verdacht] sie habe sich übernatürlicher Mittel bedient, um ihn fügsam (= gefügig) zu machen [ Wasserm.Wahnschaffe2,29]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

fügen · fugen · verfügen · Verfügung · Fuge2 · Fug · Befugnis · befugt · füglich · Unfug · fügsam · Fügung · Gefüge · gefügig · ungefüge
fügen Vb. ‘passend zusammensetzen, verhängen, bewirken’, reflexiv ‘sich unterordnen’, ahd. fuogen ‘verbinden, vereinigen, ineinanderpassen’ (8. Jh.), mhd. vüegen, vuogen, auch ‘bewerkstelligen, sich anpassen, machen, daß etw. geschieht’, asächs. fōgian, mnd. vȫgen, vǖgen, mnl. voeghen, nl. voegen, aengl. fēgan, engl. to fay ‘passen, verbinden’ sind verwandt mit ↗Fach (s. d.) und den dort genannten Formen. Daneben steht fugen Vb. ‘fest zusammensetzen, mit einer Fuge verbinden’, die in der Handwerkersprache bewahrte obd. umlautlose Form von fügen; heute meist als Ableitung von Fuge (s. unten) empfunden. verfügen Vb. ‘an die richtige Stelle setzen, einfügen, anordnen’, reflexiv ‘sich begeben’, frühnhd. verfüegen (15. Jh.), mnd. vorvogen ‘einrichten’. Verfügung f. ‘Anordnung’ (16. Jh.). Fuge2 f. ‘Ritze, Verbindungslinie zwischen zusammengehörigen Bauteilen’, ahd. fuogī ‘Verbindung, Zusammensetzung, Verbindungsstelle’ (um 1000), mhd. vuoge ‘Zusammenfügung, Stelle eingreifender Verbindung zueinander’, aber auch (und damit in mhd. Zeit bedeutungsgleich mit dem folgenden Fug) ‘Schicklichkeit, passende Gelegenheit, Kunstfertigkeit’; vgl. auch (mit anderer Bildungsweise) ahd. fuoga ‘Geschicklichkeit’ (Hs. 13. Jh.). Fug m. ‘Zuständigkeit, Recht’, mhd. vuoc ‘Schicklichkeit, passende Gelegenheit, Kunstfertigkeit’, heute vor allem noch in der Wendung mit Fug und Recht (16. Jh.). Befugnis f. ‘Zuständigkeit, Recht’ (16. Jh.). befugt Part.adj. ‘zuständig, berechtigt’, vgl. befugt sein (15. Jh.), aus dem Part. Prät. von spätmhd. sich bevūgen ‘eine Zuständigkeit ausüben’ (14. Jh.). füglich Adj. ‘passend, schicklich, mit Berechtigung’, spätmhd. vuoclich, vüeclich; vgl. ahd. gifuog(i)līh (9. Jh.). Unfug m. ‘öffentliches Ärgernis erregendes Verhalten, Dummheiten, Schabernack’, mhd. unvuoc ‘Unanständigkeit, Roheit, Schande, Frevel’. fügsam Adj. ‘leicht lenkbar, anpassungsfähig’, spätmhd. vuoc-, vüecsam ‘schicklich, angemessen’ (14. Jh.). Fügung f. ‘Geschick, Schicksal’, mhd. vüegunge ‘Zusammenfügung, Art und Weise’, seit dem 17. Jh. Terminus der Syntax für lat. cōnstrūctio. Gefüge n. ‘Struktur, innere Ordnung’, von ahd. gifuogī̌ ‘Verbindung’ (8. Jh.) unabhängige Neubildung des 17. Jhs. gefügig Adj. ‘fügsam, passend’ (15. Jh.), mit anderer Endung anschließend an ahd. gifuogi, mhd. gevüege Adj., bewahrt in ungefüge Adj. ‘unförmig, unhandlich’, ahd. ungifuogi (11. Jh.), mhd. ungevüege, -vuoge ‘unartig, unhöflich, unbeholfen, plump’.

Thesaurus

Synonymgruppe
bereitwillig · ↗demutsvoll · ↗demütig · ↗ergeben · fügsam · ↗gefügig · guten Willens · ↗gutwillig · ↗kooperativ · voller Demut · ↗willig  ●  ↗willfährig  abwertend
Assoziationen
Synonymgruppe
anständig · ↗artig · ↗brav · ↗folgsam · fügsam · ↗gefügig · ↗gehorsam · konditioniert  ●  ↗fromm (Pferd)  veraltend · ↗lieb  Kindersprache
Assoziationen
Antonyme
  • fügsam

Typische Verbindungen zu ›fügsam‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›fügsam‹.

Verwendungsbeispiele für ›fügsam‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Schaut, von dort oben wird euch die Zeit gegeben, also immer fügsam sein!
Süddeutsche Zeitung, 31.12.2004
Am meisten ins Auge stechen die vielen Formen, die sich aus der fügsamen Masse gießen lassen.
Der Tagesspiegel, 09.12.1999
Sie wird in der Tat zur Welt noch einmal, zur ideologischen Verdoppelung, zur fügsamen Reproduktion.
Horkheimer, Max u. Adorno, Theodor W.: Dialektik der Aufklärung, Amsterdam: Querido 1947 [1944], S. 22
Nein, Jettchen war so fügsam und liebenswürdig wie immer und klagte nicht mit einer Miene, viel weniger mit einem Wort.
Hermann, Georg [d.i. Borchardt, Georg Hermann]: Jettchen Gebert, Berlin: Fleischel 1919 [1906], S. 413
Er wurde zu einem fügsamen Werkzeug in der Hand Hitlers für jeden seiner Entschlüsse.
o. A.: Siebenundzwanzigster Tag. Freitag, 4. Januar 1946. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1946], S. 4280
Zitationshilfe
„fügsam“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/f%C3%BCgsam>, abgerufen am 20.09.2020.

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