füllen

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungfül-len
Wortbildung mit ›füllen‹ als Erstglied: ↗Füllautomat · ↗Füllfeder · ↗Füllfederhalter · ↗Füllgewicht · ↗Füllhalter · ↗Füllhorn · ↗Füllmaschine · ↗Füllmasse · ↗Füllmaterial · ↗Füllmauer · ↗Füllmauerwerk · ↗Füllofen · ↗Füllort · ↗Füllrätsel · ↗Füllsender · ↗Füllstand · ↗Füllstift · ↗Füllstoff · ↗Füllwort
 ·  mit ›füllen‹ als Letztglied: ↗abfüllen · ↗anfüllen · ↗auffüllen · ↗ausfüllen · ↗beifüllen · ↗einfüllen · ↗hineinfüllen · ↗hinterfüllen · ↗nachfüllen · ↗umfüllen · ↗verfüllen · ↗vollfüllen · ↗zufüllen · ↗überfüllen
 ·  mit ›füllen‹ als Grundform: ↗erfüllen  ·  formal verwandt mit: ↗abendfüllend · ↗frischgefüllt · ↗gasgefüllt · ↗luftgefüllt · ↗prallgefüllt · ↗wohlgefüllt
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
etw. mit etw. vollmachen
a)
räumlich
Beispiele:
den Eimer (mit Wasser), den Tank (mit Benzin), den Ballon (mit Gas), die Kiste (mit Sand), den Sack (mit Getreide) füllen
das Regal mit Büchern füllen
die ausgehobenen Gräben wieder mit Erde füllen
den (Füll)federhalter neu füllen
die Flaschen automatisch füllen
die Gans, die gebraten werden soll, mit Backobst füllen
die Plombe ist herausgefallen, und der Zahn muss neu gefüllt (= plombiert) werden
das Blatt mit Notizen füllen (= beschreiben)
er hatte sich [Dativ] den Magen mit Kuchen gefüllt
ein mit Honig gefülltes Glas
gefüllt (mit)
voll (von)
Beispiele:
das Becken ist bis zum Rand gefüllt
der Saal war bis auf den letzten Platz, nur halb gefüllt
die Spalten der Zeitung sind mit belanglosen Meldungen gefüllt
die Schränke sind mit wertlosen Sachen gefüllt
die Pralinen sind (mit Kognak) gefüllt
gefüllte Schokolade, Waffeln, Bonbons (= eine cremeartige Masse enthaltende Schokolade, Waffeln, Bonbons)
gefüllte Tomaten, Paprikaschoten (= Tomaten, Paprikaschoten mit einer Füllung)
gefüllte Blüten (= Blüten mit vielen Blumenblättern, die das Blüteninnere ausfüllen)
gefüllter Flieder
sich füllenvoll werden
Beispiele:
das Staubecken füllt sich nach und nach mit Wasser
ihre Augen füllten sich mit Tränen
der Saal füllte sich langsam mit Gästen
b)
zeitlich
Beispiele:
die Pause mit dem Erzählen von Witzen füllen
Er stellte sich die mannigfachen Freuden vor, mit denen er seine Tage zu füllen pflegte [Feuchtw.Füchse793]
c)
bildlich
Beispiele:
sich [Dativ] die Taschen füllen (= sich bereichern)
die Kassen sind gefüllt (= es ist genügend Geld da)
eine gefüllte Brieftasche, einen gefüllten Geldbeutel haben (= genügend Geld haben)
übertragen
Beispiele:
der Schüler muss seine Wissenslücken füllen
jmd. ist bis zum Rand mit Neuigkeiten gefüllt
einen leeren Begriff mit Inhalt füllen
gehoben jmds. Herz mit Hoffnung füllen
gehoben toten Wissensstoff mit Leben füllen (= erfüllen)
die Stille dieses großen Hauses, das sonst mit Lärm gefüllt war, bedrückte ihn [BöllHaus221]
während ich das schreibe, ist eine große Hummel ins Zimmer geflogen und füllt es mit tiefem Brummen [LuxemburgBriefe30]
2.
etw. in etw. hineintun, hineingießen, hineinschöpfen
Beispiele:
Wasser in den Eimer füllen
Milch mit dem Litermaß in die Kanne füllen
Suppe mit der Kelle in die Terrine, auf den Teller füllen
Bier auf Flaschen füllen
den Zucker mit dem Löffel in die Tüte füllen
beim Wandern am Strand hat er sich [Dativ] Sand in die Schuhe gefüllt
3.
etw. ausfüllen, in einer Sache den Platz einnehmen
a)
räumlich
Beispiele:
10 Liter Wasser füllen den Eimer
die Suppe füllt nur den Magen und macht nicht satt
diese Sachen füllen den Koffer nicht
es waren dort so viele Regale, dass sie die eine Wand des Zimmers füllten
sie waren nur eingeladen, um den Saal zu füllen
wenn man alle Tatsachen aufführen wollte, so würde das Bände füllen
jede Zeitung braucht kleine Artikel, die die Spalten füllen
diese Neuerscheinung füllt eine spürbare Lücke auf dem Büchermarkt
Tränen füllten ihre Augen (= standen ihr in den Augen)
Ein Glück, daß Unteroffizier Büttner mit seinem mächtigen Umriß den Türrahmen füllte [A. ZweigErziehung268]
Ziegelstaub füllte unsre Lungen (= lag uns in der Lunge) [Feuchtw.Teufel7]
b)
bildlich
Beispiele:
die Stimme des Sängers füllt den Raum nicht (= ist zu schwach)
Trauer füllte sein Herz [Feuchtw.Füchse333]
Dämmerung füllte den Garten [BrechtGedichte296]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Fülle · füllig · Füllhorn · füllen · Füller · Füllfederhalter · Füllsel · Füllung
Fülle f. ‘Zustand des Vollseins, Menge, Umfang’, ahd. fullī, follī ‘Fülle, Sattheit, Sättigung’ (8. Jh.), mhd. mnd. vülle, aengl. fyllu, engl. fill, anord. fylli, got. (in der Zusammensetzung) ufarfullei ‘Überfülle’ ist Abstraktbildung (germ. *fullin-) zu dem unter ↗voll (s. d.) abgehandelten Adjektiv. füllig Adj. ‘beleibt, dick’, im 16. Jh. Übersetzung von lat. farsilis ‘gefüllt’. Füllhorn n. (Günther 1723), älter (17. Jh.) Horn der Fülle für lat. cornū cōpiae, ursprünglich ‘das Horn überreichen Segens’, bereits in antiker Darstellung ein mit Früchten und Blumen übervoll gefülltes Horn als Sinnbild des Überflusses und Reichtums. füllen Vb. ‘vollmachen’, ahd. fullen (8. Jh.), mhd. mnd. vüllen, asächs. fullian, mnl. nl. vullen, aengl. fyllan, engl. to fill, anord. schwed. fylla, got. fulljan ist eine faktitive Ableitung von dem unter ↗voll (s. d.) behandelten Adjektiv. Füller m. ‘wer etw. füllt, vollmacht’, spätmhd. vüller ‘Fresser und Säufer, wer Mörtel einfüllt und den Maurern zuträgt, Schankwirt’; Kurzform (20. Jh.) für Füllfederhalter m. nach voraufgehenden Füllfeder, Füllhalter. Füllsel n. ‘zum Füllen Dienendes ohne besonderen Wert’ (15. Jh.), s. das Suffix ↗-sal, ↗-sel. Füllung f. ‘das Füllen, ausfüllender Inhalt’, spätmhd. vüllunge ‘Anfüllung, Völlerei’; heute auch Kurzwort für Zahnfüllung (20. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
ausfüllen · ↗ausstopfen · füllen · voll stopfen · ↗vollstopfen
Synonymgruppe
abfüllen · ↗eingießen · ↗einschenken · ↗einschütten · füllen · ↗zugießen  ●  ↗beschicken  fachspr. · ↗verleitgeben  ugs., süddt.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Aktenordner Auftragsbuch Flasche Glas Halle Inhalt Kasse Kriegskasse Leere Leerstelle Loch Lücke Platz Raum Regal Saal Sommerloch Spalte Staatskasse Tank Tasche Vakuum Wasser abfüllen anfüllen auffüllen ausfüllen einfüllen langsam nachfüllen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›füllen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Prall gefüllt steht er über meinem Kopf, die Leinen pfeifen im Wind.
Die Zeit, 04.02.2004, Nr. 06
Es schien fast undenkbar, sie wieder mit Leben zu füllen.
Düffel, John von: Houwelandt, Köln: DuMont Literatur und Kunst Verlag 2004, S. 146
Denn statt 45 gilt es nur noch 30 Minuten zu füllen.
Der Tagesspiegel, 02.10.2003
Über ihn vor allem nimmt er sich vor zu schreiben, und tatsächlich sind Dreiviertel des Briefes damit gefüllt.
Günter de Bruyn, Die Finckensteins: Berlin: Siedler 1999, S. 126
Er hat nur den Zweck, den Tisch besser zu füllen.
Baudissin, Wolf von u. Baudissin, Eva von: Spemanns goldenes Buch der Sitte. In: Zillig, Werner (Hg.), Gutes Benehmen, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1901], S. 15628
Zitationshilfe
„füllen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/füllen>, abgerufen am 23.03.2019.

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