fürchterlich

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungfürch-ter-lich
Wortbildung mit ›fürchterlich‹ als Erstglied: ↗Fürchterlichkeit
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
unheilvoll, schrecklich, grausam
Beispiele:
eine fürchterliche Explosion, Untat, Seuche, Katastrophe, ein fürchterlicher Krieg, Orkan, Schmerz, ein fürchterliches Schicksal, Unglück, Elend
einen fürchterlichen Tod sterben
die Truppen haben fürchterliche Verluste erlitten
der Brand hat in der Stadt fürchterlich gewütet
er hat Fürchterliches erlebt
er ist fürchterlich in seiner Wut
entsetzenerregend, schreckenerregend
Beispiele:
die Stadt bot nach dem Luftangriff einen fürchterlichen Anblick
er stieß fürchterliche Drohungen aus
mit fürchterlicher Stimme prophezeite ihnen der Geist den Untergang
Hinter ihm schreitend, in fürchterlicher Ruhe, seine Soldaten [UnruhOpfergang101]
2.
umgangssprachlich, abwertend äußerst unangenehm (weil übermäßig)
Beispiele:
das ist ja eine fürchterliche Kälte, Finsternis, ein fürchterlicher Lärm
sie hat mir eine fürchterliche Szene gemacht
er ist ein fürchterlicher Mensch, Paragraphenreiter
sie spricht ein fürchterliches (= sehr schlechtes) Deutsch
sich fürchterlich aufregen, blamieren
schrei doch nicht so fürchterlich!
in dem Raum war es fürchterlich eng
der Bahnhof ist fürchterlich weit weg
er kommt sich fürchterlich wichtig vor
er hat bei der Arbeit fürchterlich geschludert
3.
salopp, übertrieben sehr groß
Beispiel:
ich habe schon wieder einen fürchterlichen Appetit
sehr
Grammatik: häufig adverbiell
Beispiele:
es war fürchterlich lustig
wir haben uns fürchterlich amüsiert
es tut mir fürchterlich leid
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Furcht · fürchten · furchtbar · furchtlos · furchtsam · fürchterlich
Furcht f. ‘banges Gefühl des Bedrohtseins, Angst’. Die germ. Formen (zum Teil mit Metathese) ahd. for(a)hta (8. Jh.), mhd. vorht(e), asächs. forhta, mnd. vruchte, mnl. vrucht (vgl. nl. godsvrucht) und (mit anderer Stammbildung) aengl. fryhto, fyrhto, engl. fright, got. faúrhtei gehören als Ableitungen zu einem (heute untergegangenen) Adjektiv ahd. -for(a)ht (in gotfor(a)ht), asächs. aengl. forht, got. faúrhts, germ. *furhta- ‘furchtsam’. Daneben steht fürchten Vb. ‘sich ängstigen, besorgt sein’, ahd. for(a)hten, furhten (8. Jh.), mhd. vürhten, vurhten, vörhten, vorhten, asächs. forhtian, mnd. vrüchten, mnl. vruchten, aengl. forhtian, daneben fryhta ‘erschrecken’, engl. to frighten, got. faúrhtjan. In Anlehnung an die Verbformen mit ü bzw. u erscheint das Substantiv mit dem heute üblichen u-Vokal seit dem 14. Jh., verbreitet seit dem 16. Jh. Doch hält sich Forcht bis ins 18. Jh. Am nächsten stehen den germ. Formen toch. AB pärsk-, toch. A prask-, toch. B prāsk- ‘fürchten’ (wenn aus *pärksk-) und die zugehörigen Substantivbildungen toch. A praski, toch. B prosko, proskye ‘Furcht’. Alle weiteren Anknüpfungen sind unsicher; vgl. Walde/Pokorny 2, 48 f. furchtbar Adj. ‘furchterregend, schrecklich’, mhd. vorhtebære. furchtlos Adj. ‘frei von Furcht’ (16. Jh., seit dem 18. Jh. häufiger). furchtsam Adj. ‘ängstlich, zaghaft’, mhd. vorht(e)sam ‘ängstlich, furchterregend’. fürchterlich Adj. ‘angsterregend, grauenvoll’ (17. Jh.); vgl. ahd. for(a)htlīh (9. Jh.), mhd. vorht(e)lich ‘furchtsam, furchtbar’.

Thesaurus

Synonymgruppe
(jemandem) zuwider · ↗abscheulich · ↗entsetzlich · ↗furchtbar · fürchterlich · ↗grässlich · ↗schauderhaft · ↗scheußlich · ↗schrecklich · ↗widerlich  ●  ↗abominabel  geh., bildungssprachlich, selten · ↗formidabel  geh., veraltet, bildungssprachlich
Assoziationen
Synonymgruppe
fürchterlich · ↗grauenhaft · ↗grauenvoll · ↗grausam · ↗grausig · ↗gräulich · horrormäßig · ↗schaurig · ↗schrecklich · sehr schlecht
Synonymgruppe
außergewöhnlich · ↗außerordentlich · ↗besonders · ↗bitter(-) (nur in speziellen Kontexten) · ↗brennend · ↗extrem · fürchterlich · ↗ganz · ↗hoffnungslos · ↗mächtig · ↗rettungslos · ↗schrecklich · ↗sehr (Gradadverb vor Adjektiven) · ↗sündhaft · ↗tief · ↗ungeheuer · ↗verflixt · ↗zutiefst  ●  ↗furchtbar  ugs. · ↗verdammt  ugs. · ↗voll (noch eher jugendsprachlich)  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Blutbad Durcheinander Enge Gedränge Gemetzel Geschrei Gestank Jovialität Kater Knall Krach Prügel Qual Rache Schrei Verriß Zahnschmerz aufregen danebengehen drangvoll erschrecken krachen langweilen quietschen rächen schmerzen schwitzen stinken wüten zugerichtet

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›fürchterlich‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Mißversteh mich doch nicht so fürchterlich, sagte ich, ohne mich nach ihr umzuwenden.
Rinser, Luise: Mitte des Lebens, Frankfurt a. M.: S. Fischer 1952 [1950], S. 196
In dem Raum, in den sie nun traten, stank es fürchterlich.
Held, Kurt: Die rote Zora und ihre Bande, Aarau: Sauerländer 1989 [1941], S. 64
Meine Mutter beachtet solche Dinge und hat einen fürchterlich großen Kalender über dem Herd angebracht.
Braun, Marcus: Hochzeitsvorbereitungen, Berlin: Berlin Verlag 2003, S. 120
Und sie schleppt sich deshalb, fürchterlich fad, über viele lange Stunden.
Süddeutsche Zeitung, 27.03.2002
Für meine Mutter war das natürlich fürchterlich, aber mein Vater war nicht zufrieden mit seinem Leben.
Der Tagesspiegel, 06.02.2001
Zitationshilfe
„fürchterlich“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/fürchterlich>, abgerufen am 12.12.2019.

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