Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

fabeln

Grammatik Verb · fabelt, fabelte, hat gefabelt
Aussprache 
Worttrennung fa-beln
GrundformFabel
Wortbildung  mit ›fabeln‹ als Letztglied: Gefabel · herumfabeln · vorfabeln · zusammenfabeln
eWDG

Bedeutung

umgangssprachlich, abwertend etw. Unwahres erzählen, etw. zusammenphantasieren
Beispiele:
was fabelst du denn da?
er fabelt dummes Zeug
man fabelte allerlei über ihn
von unermesslichen Reichtümern, Geistern und Gespenstern fabeln
über etw., jmdn. fabeln
[…] daß er von meiner Untreue fabelte […] [ KafkaSchloß331]
Da fabelt ein mir wohlgesinnter Schulgenosse … schon im Gymnasium hätte mich eine leidenschaftliche Liebe für die Geisteswissenschaften vor allen andern Pennälern ausgezeichnet [ St. ZweigAmok284]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Fabel · fabeln · fabulieren · fabelhaft
Fabel f. ‘lehrhafte (Tier)erzählung mit moralischer Quintessenz, Handlungskern einer Dichtung’, mhd. fabele, favele ‘(un)wahre Erzählung, Märchen, Unterhaltung’ ist entlehnt aus afrz. fable ‘Gerede, leeres Geschwätz, Nichtigkeit, (erdichtete) Geschichte, Märchen, (Tier)fabel’ bzw. direkt aus (auch dem Afrz. zugrundeliegendem) lat. fābula ‘Gerede, Gespräch, Unterhaltung, Sage, erdichtete Erzählung, Märchen’. Die im Mhd. umfassende und teilweise (als ‘Unwahres, Erdichtetes’) geringschätzige Verwendung wird in der folgenden Zeit (unter erneuter Anlehnung an das Lat.) allmählich eingeschränkt auf ‘lehrhafte Kurzerzählung’ (im Sinne Äsops), ‘Handlungskern’ (zuerst 15. Jh.). Fabel entwickelt sich damit zum literarischen Gattungsbegriff, der seine Präzisierung letztlich durch Lessing erhält. fabeln Vb. ‘Geschichten erfinden oder erzählen, sprechen, sich unterhalten, schwatzen, Unsinn reden’, mhd. fabelen ‘schwatzen, lügen’, Bildung zum Substantiv, vielleicht auch nach afrz. fabler ‘schwatzen, (Märchen, Unwahres) erzählen’ bzw. nach diesem zugrundeliegendem lat. fābulārī ‘sprechen, schwatzen, sich unterhalten’. Daraus wohl auch fabulieren Vb. ‘plaudern, schwatzen, Geschichten erzählen’ (16. Jh., aus gleichbed. lat. fābulāri; vgl. erst gegen Ende des 19. Jhs. bezeugtes frz. fabuler). fabelhaft Adj. ‘märchenhaft, großartig’ (17. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(etwas) fabeln (von) · fabulieren · wirres Zeug reden  ●  Unsinn erzählen  Hauptform · (herum)fantasieren  ugs. · (herum)phantasieren  ugs. · (herum)spinnen  ugs. · (sich etwas / ugs. sich einen) zusammenphantasieren  ugs. · Blech reden  ugs., veraltend · Scheiße erzählen  derb · Scheiße labern  derb · dummes Zeug erzählen  ugs. · einen vom Pferd erzählen  ugs. · irrereden  geh. · kariert quatschen  ugs., berlinerisch · rumspacken  ugs., jugendsprachlich, salopp · saublöd daherreden  ugs., süddt. · saudummes Zeug daherreden  ugs. · spintisieren  geh.
Assoziationen

Verwendungsbeispiele für ›fabeln‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ein paar Bücher sorgen dafür, daß Kinder gleichzeitig lachen und fabeln können. [Die Zeit, 17.09.1976]
Er selbst gab lange 1920 als Geburtsjahr an und fabelte sich die schönsten Begründungen zurecht. [Süddeutsche Zeitung, 23.06.2001]
Sie entscheidet, handelt, während er an die Heizung rückt und fabelt oder mit seinesgleichen schwadroniert. [Die Zeit, 20.12.1956]
Optimisten fabelten von Multikulti und träumten davon, deutsche Schwere durch südliche Leichtigkeit zu überwinden. [Die Welt, 26.06.2002]
Auch von der Rache an den Feinden, vor allem an den Unentschiedenen, wurde gefabelt. [Heuß, Alfred: Das Zeitalter der Revolution. In: Propyläen Weltgeschichte. Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1963], S. 20590]
Zitationshilfe
„fabeln“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/fabeln>.

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