fabeln

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungfa-beln
Wortbildung mit ›fabeln‹ als Letztglied: ↗herumfabeln · ↗vorfabeln · ↗zusammenfabeln
eWDG, 1967

Bedeutung

umgangssprachlich, abwertend etw. Unwahres erzählen, etw. zusammenphantasieren
Beispiele:
was fabelst du denn da?
er fabelt dummes Zeug
man fabelte allerlei über ihn
von unermesslichen Reichtümern, Geistern und Gespenstern fabeln
über etw., jmdn. fabeln
daß er von meiner Untreue fabelte [KafkaSchloß331]
Da fabelt ein mir wohlgesinnter Schulgenosse ... schon im Gymnasium hätte mich eine leidenschaftliche Liebe für die Geisteswissenschaften vor allen andern Pennälern ausgezeichnet [St. ZweigAmok284]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Fabel · fabeln · fabulieren · fabelhaft
Fabel f. ‘lehrhafte (Tier)erzählung mit moralischer Quintessenz, Handlungskern einer Dichtung’, mhd. fabele, favele ‘(un)wahre Erzählung, Märchen, Unterhaltung’ ist entlehnt aus afrz. fable ‘Gerede, leeres Geschwätz, Nichtigkeit, (erdichtete) Geschichte, Märchen, (Tier)fabel’ bzw. direkt aus (auch dem Afrz. zugrundeliegendem) lat. fābula ‘Gerede, Gespräch, Unterhaltung, Sage, erdichtete Erzählung, Märchen’. Die im Mhd. umfassende und teilweise (als ‘Unwahres, Erdichtetes’) geringschätzige Verwendung wird in der folgenden Zeit (unter erneuter Anlehnung an das Lat.) allmählich eingeschränkt auf ‘lehrhafte Kurzerzählung’ (im Sinne Äsops), ‘Handlungskern’ (zuerst 15. Jh.). Fabel entwickelt sich damit zum literarischen Gattungsbegriff, der seine Präzisierung letztlich durch Lessing erhält. fabeln Vb. ‘Geschichten erfinden oder erzählen, sprechen, sich unterhalten, schwatzen, Unsinn reden’, mhd. fabelen ‘schwatzen, lügen’, Bildung zum Substantiv, vielleicht auch nach afrz. fabler ‘schwatzen, (Märchen, Unwahres) erzählen’ bzw. nach diesem zugrundeliegendem lat. fābulārī ‘sprechen, schwatzen, sich unterhalten’. Daraus wohl auch fabulieren Vb. ‘plaudern, schwatzen, Geschichten erzählen’ (16. Jh., aus gleichbed. lat. fābulāri; vgl. erst gegen Ende des 19. Jhs. bezeugtes frz. fabuler). fabelhaft Adj. ‘märchenhaft, großartig’ (17. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(etwas) fabeln (von) · ↗fabulieren · wirres Zeug reden  ●  Unsinn erzählen  Hauptform · ↗(herum)fantasieren  ugs. · ↗(herum)phantasieren  ugs. · ↗(herum)spinnen  ugs. · (sich) einen zusammenphantasieren  ugs. · Blech reden  ugs., veraltend · Scheiße erzählen  derb · Scheiße reden  derb · einen vom Pferd erzählen  ugs. · ↗irrereden  geh. · kariert quatschen  ugs., berlinerisch · rumspacken  ugs., jugendsprachlich, salopp · saublöd daherreden  ugs., süddt. · saudummes Zeug daherreden  ugs. · ↗spintisieren  ugs.
Assoziationen
  • Blödsinn · ↗Humbug · ↗Nonsens · ↗Unfug · ↗Widersinn  ●  Nonsense  engl. · ↗Unsinn  Hauptform · dümmliches Gerede  variabel · ↗Blech  ugs. · ↗Bockmist  ugs. · ↗Bullshit  derb, engl. · Driss  ugs. · Dummfug  ugs. · ↗Fez  ugs. · ↗Firlefanz  ugs. · ↗Gefasel  ugs., abwertend · ↗Gelaber  ugs. · ↗Geschwafel  ugs. · ↗Gewäsch  ugs. · ↗Heckmeck  ugs. · ↗Kappes  ugs. · ↗Kiki  ugs. · ↗Kohl  ugs. · ↗Kokolores  ugs. · ↗Krampf  ugs. · ↗Käse  ugs. · ↗Mist  ugs. · ↗Mumpitz  ugs. · ↗Papperlapapp  ugs. · ↗Pillepalle  ugs. · ↗Pipifax  ugs. · ↗Quark  ugs. · ↗Quatsch  ugs. · Quatsch mit Soße  ugs., berlinerisch · ↗Scheiß  derb · ↗Scheiße  derb · ↗Schmarren  ugs. · ↗Schmarrn  ugs. · ↗Schmonzes  ugs. · ↗Schmu  ugs. · ↗Schmäh  ugs., österr. · Schwachfug  derb · ↗Schwachsinn  ugs. · ↗Sottise(n)  geh., franz. · ↗Stuss  ugs. · ↗Tinnef  ugs. · dummes Zeug  ugs. · geistiger Durchfall  derb · geistiger Dünnschiss  derb · gequirlte Scheiße  derb · saudummes Zeug  ugs., süddt.
  • Schein-Tiefsinn · leere Worte · leeres Gerede  ●  ↗Gesäusel  abwertend · ↗Blabla  ugs. · Geblubber  ugs. · ↗Gefasel  ugs., abwertend · ↗Gelaber  ugs. · ↗Gemunkel  ugs. · ↗Geplänkel  ugs. · ↗Gerede  ugs. · ↗Geschwafel  ugs., abwertend · ↗Geschwalle  ugs. · Geschwurbel  ugs. · ↗Geschwätz  ugs., Hauptform · ↗Geseire  ugs. · ↗Gesülze  ugs., abwertend · ↗Gewäsch  ugs., abwertend · Luftblasen  ugs., fig. · ↗Schmus  ugs. · ↗Sermon  ugs. · hohle Phrasen  ugs. · warme Worte  ugs., ironisch
  • Sonderling · ↗Spinner · wunderlicher Kauz  ●  ↗Exzentriker  geh. · seltsamer Heiliger  ugs.
  • (das ist) hoffentlich nicht ernst gemeint · ich halte das für einen schlechten Scherz · im Ernst? · ist das Ihr Ernst? · ist das dein Ernst? · können Sie das bitte noch einmal wiederholen? · meinen Sie das ernst?  ●  (ich glaube,) ich hab mich (da) wohl verhört!  ugs. · (sag mal,) spinnst du?  ugs. · (wohl) (ein) schlechter Witz  ugs. · bist du noch (ganz) zu retten?  ugs. · bist du noch ganz bei Trost?  ugs. · bist du noch ganz sauber?  ugs., salopp · das ist jetzt ein Witz (nicht wahr?)  ugs. · das ist nicht dein Ernst!  ugs. · das kann nicht Ihr Ernst gewesen sein!  ugs. · das meinst du (doch) nicht ernst!?  ugs. · das soll wohl ein Witz sein!  ugs. · das sollte (doch) wohl ein Scherz (gewesen) sein!  ugs. · das's (jetzt) 'n Scherz, oder?  ugs. · du hast sie wohl nicht (mehr) alle!  derb · echt jetzt?  ugs. · hast du sie noch alle?  derb · in echt oder aus Scheiß?  derb · komm mal klar!  ugs., jugendsprachlich · machst du Witze?  ugs. · meinst du das etwa ernst?  ugs. · sag das nochmal! (herausfordernd)  ugs. · soll das ein Witz sein?  ugs., ironisch · tickst du noch richtig?  derb, variabel · was erzählst du da!? (ungläubig)  ugs. · was war das eben? (drohend)  ugs. · wie bitte??  ugs. · wie jetzt!?  ugs. · wie war das (eben)? (drohend)  ugs. · willst du mich auf den Arm nehmen?  ugs., fig. · wollen Sie mich verarschen?  derb
  • Blödsinn verzapfen  ugs. · Unsinn verzapfen  ugs. · herumspacken  ugs. · rumspacken  ugs.
  • viel reden und (dabei) nichts sagen  ●  (hohle) Phrasen dreschen  ugs. · leeres Stroh dreschen  ugs.
  • (etwas) falsch einschätzen · ↗(sich) irren · ↗(sich) täuschen · im Irrtum sein  ●  (sich) geschnitten haben  ugs., fig. · ↗(sich) vertun  ugs. · auf dem Holzweg sein  ugs., fig. · auf dem falschen Dampfer sein  ugs., fig. · ↗danebenliegen  ugs. · einem Irrtum erliegen  geh. · einem Irrtum unterliegen  geh. · falschliegen  ugs. · ↗fehlgehen (in der Annahme)  geh.
  • Ausgeburt der Fantasie · Ausgeburt der Phantasie · ↗Fantasiegebilde · ↗Fantasieprodukt · ↗Fantasterei · Flausen im Kopf · ↗Kopfgeburt · ↗Luftnummer · ↗Phantasiegebilde · ↗Phantasieprodukt · ↗Phantasterei · Produkt der Fantasie  ●  Ausgeburt einer kranken Fantasie  stark abwertend · Ausgeburt einer kranken Phantasie  stark abwertend · ↗Hirngespinst  ugs. · ↗Luftschloss  ugs. · ↗Spinnerei  ugs. · ↗Wolkenkuckucksheim  ugs. · ↗Wolkenschloss  ugs., fig.
  • auf eine Schnapsidee kommen  ●  (einen) Furz quer sitzen haben  ugs., fig. · nicht alle Tassen im Schrank haben  ugs., fig.

Verwendungsbeispiele für ›fabeln‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ein paar Bücher sorgen dafür, daß Kinder gleichzeitig lachen und fabeln können.
Die Zeit, 17.09.1976, Nr. 39
Er selbst gab lange 1920 als Geburtsjahr an und fabelte sich die schönsten Begründungen zurecht.
Süddeutsche Zeitung, 23.06.2001
Optimisten fabelten von Multikulti und träumten davon, deutsche Schwere durch südliche Leichtigkeit zu überwinden.
Die Welt, 26.06.2002
Auch von der Rache an den Feinden, vor allem an den Unentschiedenen, wurde gefabelt.
Heuß, Alfred: Das Zeitalter der Revolution. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1963], S. 20590
Auf der Spitze jener Höhe lag die noch unvollendete Schanze, von der alle Zeitungen gefabelt hatten.
Liliencron, Adda Freifrau von: Krieg und Frieden, Erinnerungen aus dem Leben einer Offiziersfrau. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1912], S. 45222
Zitationshilfe
„fabeln“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/fabeln>, abgerufen am 29.03.2020.

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