fadenscheinig

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungfa-den-schei-nig (computergeneriert)
Wortbildung mit ›fadenscheinig‹ als Erstglied: ↗Fadenscheinigkeit
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
abgetragen und dadurch durchscheinend geworden, schäbig
Beispiele:
ein fadenscheiniger Anzug, Mantel
seine Kleidung ist schon recht fadenscheinig
[ein] Rock ... fadenscheinig und blank gescheuert [I. SeidelLabyrinth378]
übertragen dünn, schwach, kraftlos
Beispiele:
ein fadenscheiniges Wesen, eine fadenscheinige Stimme
ein fadenscheiniger Trost
die verhockte, fadenscheinige Gestalt eines Schreibers oder Buchhalters [FedererBerge391]
fadenscheinige, dürftige Leistungen [KlepperSchatten758]
2.
abwertend leicht durchschaubar
Beispiele:
ein fadenscheiniger Grund
unter einem fadenscheinigen Vorwand ein Angebot zurücknehmen
die Ausrede, Entschuldigung war fadenscheinig
fadenscheinige Ausflüchte, Erklärungen
Die Ausstellung in München hatte das Werk unter fadenscheiniger Begründung abgelehnt [Kellerm.Totentanz233]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Faden · fädeln · einfädeln · fadenscheinig
Faden m. ‘gesponnene Woll- oder Baumwollfasern’, auch Längenmaßeinheit, ahd. fadam, fadum ‘Garn, Klafter’ (8. Jh.), mhd. vadem (-m bis ins 17. Jh. bezeugt), vaden (seit dem 14. Jh.) ‘Faden, Garn, Schnur, Draht’, asächs. faðmos (Plur.) ‘Maß von 6 Fuß, Klafter, die ausgebreiteten Arme’, mnd. mnl. vādem ‘Maß der ausgebreiteten Arme, zu 6 Fuß gerechnet (auf Garne, Tauwerke, Meerestiefen bezogen), Faden, 6 Fuß hoher und 6 Fuß breiter Haufen Brennholz, Klafter Holz’, aengl. fæþm ‘Umarmung, Klafter, Schutz, Busen, Faden, Elle’, engl. fathom ‘ausgebreitete Arme, Längenmaß von 6 Fuß’, nl. vadem ‘Klafter, Zwirn’, anord. faðmr ‘Umfassung, Umarmung, Busen’, schwed. famn (germ. *faþma-) gehen mit lat. patēre ‘sich erstrecken, offenstehen’ und griech. petannȳ́nai (πεταννύναι) ‘ausbreiten, öffnen’ auf die Wurzel ie. *pet- ‘ausbreiten’ (besonders die Arme) zurück. In den germ. Sprachen bezeichnet das Wort als Maßeinheit die Länge der ausgebreiteten Arme (1 Faden = 6 Fuß oder 1 Klafter), danach das Gemessene, den Faden (Garn, Schnur usw.), seit dem 15. Jh. das Maß für die Meerestiefe; ausgehend von der Vorstellung der schützend ausgebreiteten Arme auch ‘Schutz’ und ‘Umarmung’. roter Faden ‘durch eine Erzählung oder Darstellung hindurchgehende Leitlinie, Leitmotiv’, bildliche Verwendung (Goethe 1809) in Anlehnung an den roten oder überhaupt farbigen Faden, den die britische Flotte (seit 1776) als Eigentumszeichen in das Tauwerk eindrehen läßt. fädeln Vb. ‘auf einen Faden reihen, einen Faden durch eine enge Öffnung ziehen’, im 18. Jh. wohl zum Deminutivum Fädel gebildet. Oder iterativ zu älterem (bis ins 17. Jh. bezeugtem) fädmen? Vgl. ahd. fadumōn ‘spinnen, einfädeln, nähen’ (Hs. 12. Jh.), mhd. vedemen. einfädeln Vb. (17. Jh.), älter (16. Jh.) einfademen, einfädmen. fadenscheinig Adj. ‘abgenutzt, daß die einzelnen Fäden sichtbar sind, abgewetzt, durchsichtig’ (18. Jh.), älter fadenscheinisch (17. Jh.) und fadenschein (16. Jh.), zu mhd. schīn Adj. ‘sichtbar’ (s. ↗scheinen).

Thesaurus

Synonymgruppe
angeblich · aufgesetzt · gespielt · ↗künstlich · ↗ostentativ · ↗vorgeblich · vorgeschoben  ●  fadenscheinig  ugs.
Assoziationen
  • Schein... · fingiert · ↗gekünstelt · geschauspielert · gestellt · in Szene gesetzt · inszeniert · nicht echt · simuliert · vorgegaukelt · vorgespielt · vorgetäuscht · zur Schau getragen  ●  aufgesetzt  ugs. · markiert  ugs.
  • arrangiert · gestellt · inszeniert · vorbereitet
  • Traurigkeit heucheln  ●  (den) Traurigen mimen  ugs. · (sich) ein paar Tränchen verdrücken  ugs. · Krokodilstränen vergießen  ugs., Hauptform · Krokodilstränen weinen  ugs. · auf traurig machen  ugs.
  • (sich) (gespielt) empören · ↗(sich) (in etwas) hineinsteigern · ↗(sich) (künstlich) aufregen  ●  (die) Welle machen  ugs. · (einen) Aufriss machen  ugs.
  • Möchtegern... · ↗selbsternannt  ●  von eigenen Gnaden (nachgestellt)  geh.
  • Möchtegern... · billiges Imitat · ↗nachgemacht  ●  (...) für Arme  ugs. · ...-Verschnitt  ugs. · ↗...verschnitt  ugs.
  • (etwas) heucheln · ↗(sich) geben · ↗(sich) verstellen · machen auf · nur so tun · ↗schauspielern · sich (irgendwie) stellen · ↗simulieren · so tun als wäre man (...) · ↗vorgeben (etwas zu sein) · ↗vortäuschen  ●  (sich) ein ... Mäntelchen umhängen  fig. · so tun als ob  Hauptform · (eine) Show abziehen  ugs. · ↗markieren  ugs. · so tun als sei man (...)  geh.
Antonyme
Synonymgruppe
abgenutzt · ↗abgetragen · fadenscheinig · reif für die Altkleidersammlung · ↗verschlissen · zerschlissen  ●  ↗oll  ugs.
Assoziationen
  • auftragen (Kleidungsstück) · so lange tragen bis es auseinanderfällt
  • halt dich nicht lange damit auf  ●  wirf es weg  Hauptform · (das) ist gut für die Tonne  ugs. · (das) kann weg  ugs. · (etwas) kann (zum Müll o.ä.)  ugs., variabel · (nur) weg damit  ugs. · hau weg den Scheiß (gespielt prollig)  ugs. · immer weg damit  ugs. · reif für die Tonne  ugs. · schmeiß es weg  ugs. · sieh zu, dass das wegkommt  ugs.
  • abgegriffen · abgenutzt · ↗abgewetzt · ↗alt  ●  ↗oll  ugs., regional
Synonymgruppe
Billig... · ↗billig · ↗derb · fadenscheinig · ↗flach · nicht (besonders) ambitioniert · ohne Ambition(en) · ohne Anspruch · ohne Niveau · ↗platt · ↗primitiv · ↗schlecht · ↗seicht  ●  nicht besonders einfallsreich  ugs. · ↗niveaulos  geh., Hauptform · ↗unambitioniert  geh., verhüllend · wie in einem schlechten Film  ugs., variabel
Assoziationen
Synonymgruppe
(leicht) durchschaubar · schlecht kaschiert  ●  ↗durchsichtig  fig. · fadenscheinig  fig. · (etwas) merkt ein Blinder (doch) mit dem Krückstock  ugs., fig.
Assoziationen
Synonymgruppe
fadenscheinig · nicht ehrlich · nicht ernst gemeint  ●  ↗halbherzig  Hauptform · ↗pflaumenweich  fig.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Absage Alibi Anschuldigung Argument Argumentation Ausflucht Ausrede Begründung Behauptung Decke Deckmantel Einwand Entschuldigung Gegenargument Gewebe Grund Indiz Mantel Manöver Rechtfertigung Versprechen Versprechung Vorwand Vorwurf begründet dünn geworden teils ziemlich äußerst

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›fadenscheinig‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Dieses Band ist nur noch ein fadenscheiniger Fetzen - faktisch existieren schon zwei Städte.
Der Tagesspiegel, 09.08.2001
Schon die amtliche Begründung für die neue Regelung ist nämlich äußerst fadenscheinig.
Die Zeit, 01.11.1985, Nr. 45
Das Wort und der Begriff sind unter zu vielen Händen fadenscheinig geworden.
Hofmannsthal, Hugo von: »Neue deutsche Beiträge«. In: Bertram, Mathias (Hg.) Deutsche Literatur von Lessing bis Kafka, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1922], S. 10452
Ihre Kleidung war fadenscheinig und dürftig, aber der Schnitt erschien mir apart und elegant.
Bischoff, Charitas: Bilder aus meinem Leben. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1912], S. 21694
Jedenfalls sah ich durch das fadenscheinig gewordene Gewebe der Hosen Flecken seiner roten Boxershorts.
Widmer, Urs: Im Kongo, Zürich: Diogenes 1996, S. 0
Zitationshilfe
„fadenscheinig“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/fadenscheinig>, abgerufen am 19.01.2019.

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