falten

GrammatikVerb · faltete, hat gefaltet
Worttrennungfal-ten
Wortbildung mit ›falten‹ als Erstglied: ↗Faltarbeit · ↗Faltblatt · ↗Faltboot · ↗Faltkarte · ↗Faltkarton · ↗Faltprospekt · ↗Faltschachtel · ↗Faltschnitt · ↗Faltstuhl · ↗Falttafel · ↗Falttür · ↗faltbar
 ·  mit ›falten‹ als Letztglied: ↗auffalten · ↗auseinanderfalten · ↗ausfalten · ↗zusammenfalten
 ·  mit ›falten‹ als Grundform: ↗entfalten · ↗verfalten
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
ein Stück Papier, Stoff, ein Kleidungsstück, Wäschestück sorgfältig zusammenlegen
Beispiele:
einen Brief, Zettel, ein Blatt Papier falten
Wäschestücke genau falten
ein sauber gefaltetes Handtuch
einen Papierstreifen falten (= in Falten legen)
Herr Sulpiz faltete bereits seine Serviette [AndresPortiuncula20]
ich mußte nun ... meinen Schlafsack so kunstvoll wie möglich falten und schnüren [Kisch1,356]
2.
die Hände faltendie Finger beider Hände gebogen ineinander verschränken
a)
als Ausdruck der ruhigen, bequemen Beschaulichkeit
Beispiele:
er hatte die Hände auf der Brust, auf dem Rücken, im Nacken gefaltet
sie schlief und hielt die Hände im Schoß gefaltet
Zweiling hatte sich im Sessel zurückgelehnt, die Beine behaglich ausgestreckt und die Hände überm Bauch gefaltet [ApitzNackt137]
b)
als Ausdruck der Aufmerksamkeit
Beispiel:
die Schulanfänger saßen mit gefalteten Händen auf ihren Plätzen
c)
als Ausdruck des Gebets
Beispiele:
still, andächtig die Hände (zum Gebet) falten
mit gefalteten Händen beten
3.
die Stirn faltendie Stirn runzeln
Beispiel:
Falte deine Stirne, / Rolle die Augen, wie du willst [SchillerTellIV 3]
meist im Part. Prät.
Beispiele:
ein altes, gefaltetes (= runzliges) Gesicht
gefaltete Lippen
sah mit gefalteter Stirn ... seinem Freunde eindringlich ins Gesicht [MusilMann1301]
die Haut faltet sichlegt sich in Falten
Beispiel:
dennoch kniff er die Lippen zusammen, so daß Mundwinkel und Wangen sich falteten [Th. MannBuddenbrooks1,221]
4.
Geologie Gesteinsschichten durch seitlichen Druck zusammenstauchen
Beispiele:
gefaltete Gesteinsschichten
Gebiete, die intensiv gefaltet wurden [Wissenschaft und Fortschritt1958]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

falten · fälteln · Faltstuhl · Falte · -falt · faltig
falten Vb. ‘zusammenlegen’. In ahd. faldan ‘krümmen, zusammenlegen’ (um 800), mhd. valten, valden ‘falten, verschränken, sich umbiegen’, mnd. vōlden, valden, mnl. vouden, vouwen, nl. vouwen, aengl. faldan, fealdan, engl. to fold, anord. falda ‘den Kopf bedecken’, eigentlich ‘ein Kopftuch umbinden, falten’, got. falþan liegt ein ursprünglich starkes (reduplizierendes) Verb vor, dessen Formen allmählich mit denen des gleichbed. schwachen Verbums ahd. faldōn, faltōn (9. Jh.), mhd. valten, valden, anord. falda ‘falten’, schwed. fålla ‘säumen’ zusammenfallen, so daß nhd. falten einheitliche schwache Stammformen bildet. Doch hält sich ein starkes Part. Prät. gefalten bis ins 18. Jh. Wie aind. puṭaḥ (aus *pḷt-?) ‘Falte, Tasche, Ritze, Öffnung’, mir. alt ‘Gelenk, Glied, Abschnitt’ sind die germ. Formen als to-Ableitungen von der Wurzel ie. *pel- ‘falten’, wohl auch ‘bedecken, verhüllen’ (s. ↗befehlen und ↗Fell) anzusehen (s. auch unten Falte). fälteln Vb. ‘in viele kleine Falten legen’, Iterativbildung (15. Jh.) zu falten. Faltstuhl m. ‘zusammenklappbarer Stuhl’, ahd. fald(i)-, falt(i)stuol ‘zusammenlegbarer Sitz, Sessel’ (10./11. Jh.), mhd. valtstuol, asächs. faldistōl, aengl. fældestōl, fyld(e)stōl, engl. faldstool. Aus dem Germ. entlehnt sind mlat. faldistolium und afrz. faldestoel, faudestuel, mfrz. faudeteul, mfrz. frz. fauteuil. Mit der Bedeutung ‘Lehnsessel’ wird Fauteuil im 18. Jh. wieder ins Dt. übernommen. Falte f. ‘Knick, Bruch, Runzel’. Wohl als Ableitungen vom Verb stehen ahd. fald m. ‘Falte’ (11. Jh.), mhd. valt m. ‘Falte, Faltenwurf’, anord. faldr ‘Falte, Knoten’, dän. fold und mhd. valte, valde f. ‘Falte, Lage eines Buches, Ecke, Winkel’, mnd. vōlde f., mnl. voude f., nl. vouw ‘Falte’. Im Nhd. setzt sich allein die fem. Form Falte durch. -falt wird in allen germ. Sprachen schon in alter Zeit als zweites Kompositionsglied mit Zahlwörtern verbunden, vgl. ahd. einfalt ‘einfach’ (8. Jh.), mhd. einvalt, asächs. ēnfald, mnd. ēnvōlt, aengl. ānfeald (engl. erhalten in twofold ‘zweifach’), anord. einfaldr, got. ainfalþs. Wurzelverwandte Bildungen (ie. *plo-) liegen vor in griech. diplóos (διπλόος) und lat. duplex ‘zweifach, doppelt’. Bereits früh erfolgt Suffixerweiterung zu ahd. -faltīg (einfaltīg, 11. Jh.), mhd. -valtec, -veltic (einvaltec, einveltic), nhd. -fältig (einfältig). S. ↗Einfalt. faltig Adj. ‘mit Falten, Knicken, Runzeln versehen’ (16. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
falten · ↗knicken · ↗zusammenklappen
Technik
Synonymgruppe
falten · ↗falzen · ↗fügen · ↗knicken · ↗kniffen
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Bauch Gebet Hand Kranich Papierflieger Papierkranich Protein Schoß Serviette Stimmzettel Stoffserviette Zettel Ziehharmonika Zitrone Zitronenfalter andächtig auffalten auseinander auseinanderfalten ausfalten bedrucken falten ineinander knicken knien sorgsam umfalten wegfalten zurückfalten zusammenfalten

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›falten‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Viele falteten plötzlich die Hände - in der Not lernt man beten!
Bild, 06.03.2006
Hier hält jemand seine Hände über dem Buch gefaltet, dort gleiten Finger übers Papier.
Der Tagesspiegel, 26.10.2001
Er hält die Hände inbrünstig, dicht unter dem erhobenen Kinn gefaltet.
Mann, Thomas: Buddenbrooks, Frankfurt a. M.: Fischer 1989 [1901], S. 396
Ich würde auch nicht wie damals in der Ferne stehenbleiben, sondern ich würde an den Altar herantreten, niederknien und die Hände falten.
Le Fort, Gertrud von: Das Schweißtuch der Veronika, Frankfurt a. M.: Fischer 1959 [1928], S. 94
Die Decke schmilzt an vielen Stellen, an anderen wieder faltet sie sich und wirft sich übereinander.
Petersen, Jes: Erde und Mensch, Berlin: Columbus-Verl. [1935] [1925], S. 30
Zitationshilfe
„falten“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/falten>, abgerufen am 23.10.2019.

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