faltig

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungfal-tig
WortzerlegungFalte-ig
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
von Falten, Runzeln durchzogen, nicht mehr glatt
Beispiele:
ein altes, faltiges Gesicht
eine faltige Stirn
faltige Augenlider, Hände
ein faltiger Hals
die Haut wird faltig
ein altes, faltiges Mütterchen
2.
in Falten fallend, gelegt
Beispiele:
ein weites, faltiges Gewand
die Gardinen fallen faltig
eine faltige Halskrause
[die Kinder] stapfen und stolpern mit ihren eiligen, ungeschickten Beinchen, in roten Filzhausschuhen, über denen die Söckchen faltig heruntergerutscht sind [Th. Mann9,675]
voller unregelmäßiger Falten, Knitter
Beispiele:
der Anzug ist abgetragen und faltig
das faltige Tuch ausbügeln
Die Fahnen auf den Dachböden verstaubten und wurden faltig [HartungWunderkinder33]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

falten · fälteln · Faltstuhl · Falte · -falt · faltig
falten Vb. ‘zusammenlegen’. In ahd. faldan ‘krümmen, zusammenlegen’ (um 800), mhd. valten, valden ‘falten, verschränken, sich umbiegen’, mnd. vōlden, valden, mnl. vouden, vouwen, nl. vouwen, aengl. faldan, fealdan, engl. to fold, anord. falda ‘den Kopf bedecken’, eigentlich ‘ein Kopftuch umbinden, falten’, got. falþan liegt ein ursprünglich starkes (reduplizierendes) Verb vor, dessen Formen allmählich mit denen des gleichbed. schwachen Verbums ahd. faldōn, faltōn (9. Jh.), mhd. valten, valden, anord. falda ‘falten’, schwed. fålla ‘säumen’ zusammenfallen, so daß nhd. falten einheitliche schwache Stammformen bildet. Doch hält sich ein starkes Part. Prät. gefalten bis ins 18. Jh. Wie aind. puṭaḥ (aus *pḷt-?) ‘Falte, Tasche, Ritze, Öffnung’, mir. alt ‘Gelenk, Glied, Abschnitt’ sind die germ. Formen als to-Ableitungen von der Wurzel ie. *pel- ‘falten’, wohl auch ‘bedecken, verhüllen’ (s. ↗befehlen und ↗Fell) anzusehen (s. auch unten Falte). fälteln Vb. ‘in viele kleine Falten legen’, Iterativbildung (15. Jh.) zu falten. Faltstuhl m. ‘zusammenklappbarer Stuhl’, ahd. fald(i)-, falt(i)stuol ‘zusammenlegbarer Sitz, Sessel’ (10./11. Jh.), mhd. valtstuol, asächs. faldistōl, aengl. fældestōl, fyld(e)stōl, engl. faldstool. Aus dem Germ. entlehnt sind mlat. faldistolium und afrz. faldestoel, faudestuel, mfrz. faudeteul, mfrz. frz. fauteuil. Mit der Bedeutung ‘Lehnsessel’ wird Fauteuil im 18. Jh. wieder ins Dt. übernommen. Falte f. ‘Knick, Bruch, Runzel’. Wohl als Ableitungen vom Verb stehen ahd. fald m. ‘Falte’ (11. Jh.), mhd. valt m. ‘Falte, Faltenwurf’, anord. faldr ‘Falte, Knoten’, dän. fold und mhd. valte, valde f. ‘Falte, Lage eines Buches, Ecke, Winkel’, mnd. vōlde f., mnl. voude f., nl. vouw ‘Falte’. Im Nhd. setzt sich allein die fem. Form Falte durch. -falt wird in allen germ. Sprachen schon in alter Zeit als zweites Kompositionsglied mit Zahlwörtern verbunden, vgl. ahd. einfalt ‘einfach’ (8. Jh.), mhd. einvalt, asächs. ēnfald, mnd. ēnvōlt, aengl. ānfeald (engl. erhalten in twofold ‘zweifach’), anord. einfaldr, got. ainfalþs. Wurzelverwandte Bildungen (ie. *plo-) liegen vor in griech. diplóos (διπλόος) und lat. duplex ‘zweifach, doppelt’. Bereits früh erfolgt Suffixerweiterung zu ahd. -faltīg (einfaltīg, 11. Jh.), mhd. -valtec, -veltic (einvaltec, einveltic), nhd. -fältig (einfältig). S. ↗Einfalt. faltig Adj. ‘mit Falten, Knicken, Runzeln versehen’ (16. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
faltig (Haut) · ↗wettergegerbt · zerfurcht
Assoziationen
Synonymgruppe
faltig · ↗knittrig · verknittert · voller Falten · voller Knicke · zerknittert
Assoziationen
Antonyme

Typische Verbindungen zu ›faltig‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›faltig‹.

Verwendungsbeispiele für ›faltig‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Dann lacht er listig in sich hinein und reibt sich die faltigen Hände!
Bild, 25.06.2003
Doch schon greift seine faltige rechte Hand nach der Maus.
Süddeutsche Zeitung, 30.12.1999
Aus der unförmigen Masse seines Körpers reckte sich sein langer faltiger Hals hervor.
Knittel, John: Via Mala, Berlin: Deutsche Buch-Gemeinschaft 1957 [1934], S. 183
Er ging durch alte Winkelgäßchen, im schlappen Hut, in faltigem Rock.
Tucholsky, Kurt: Professoren. In: ders., Kurt Tucholsky, Werke - Briefe - Materialien, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1918], S. 6155
Und da gewahrt man denn, daß die Haut richtige Drachenhaut wie im Märchen war, faltig und knotig in dickem Muster.
Bölsche, Wilhelm: Das Leben der Urwelt, Leipzig: Dollheimer 1931 [1931], S. 210
Zitationshilfe
„faltig“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/faltig>, abgerufen am 09.04.2020.

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