faseln

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungfa-seln
Wortbildung mit ›faseln‹ als Erstglied: ↗Faselei · ↗Faselfehler · ↗Faselhans · ↗Faselliese · ↗faselig
 ·  mit ›faseln‹ als Letztglied: ↗daherfaseln · ↗vorfaseln · ↗zusammenfaseln
 ·  mit ›faseln‹ als Grundform: ↗Gefasel
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
umgangssprachlich, abwertend etwas Törichtes, Sinnloses reden
Beispiele:
was faselst du da (wieder)?
glaubt nicht, was sie faselt
er faselte etwas über Musik, Malerei
von Frieden, Freiheit, Humanität, Gerechtigkeit faseln
sie faselte in ihrem Brief (etwas) von Reue, einer großen Erbschaft
das Treiben einer Clique, die immerzu von der Stärkung unserer Wehrkraft faselt [WeiskopfAbschied v. Frieden1,663]
2.
ostmitteldeutsch, umgangssprachlich etw. gedankenlos, oberflächlich niederschreiben
Beispiele:
das Mädchen war nicht dumm, faselte aber zu viel
er hätte in der schriftlichen Prüfung viel besser abschneiden können, wenn er nicht so gefaselt hätte
3.
Jägersprache
Beispiel:
der Hund faselt (= sucht herum und kann die Fährte nicht finden)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

faseln · Faselei · Faselhans
faseln Vb. ‘wirr daherreden, nichtssagend schwatzen’. Die Herkunft des seit Anfang des 17. Jhs. nur im Dt. bezeugten Verbs ist nicht geklärt. Möglich ist Zusammenhang mit anord. argafas ‘dummer Streich’, schwed. norw. fjas ‘Unsinn, Geschwätz’; vgl. auch mnl. vesen, veselen, nl. vazelen ‘flüstern’ sowie (vereinzelt) mnd. vāse ‘Torheit, Unsinn’. Die Annahme, faseln sei eine Weiterbildung zu einem Verb fasen in ähnlicher Bedeutung, läßt sich nicht erhärten, da dafür keine Belege vor Stieler 1691 nachgewiesen sind. Ein vermuteter Anschluß an ahd. fasōn ‘suchen’ bleibt ganz unsicher. Faselei f. ‘Geschwätz, unsinniges Gerede’ (18. Jh.). Faselhans m. ‘Schwätzer’ (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(sich) auslassen · (sich) ergehen (in) · (sich) verbreiten (über) · daherplappern · ↗plappern · ↗quasseln · ↗salbadern · ↗schwadronieren · ↗schwatzen · ↗schwätzen  ●  ↗daherreden  Hauptform · ↗(herum)labern  ugs. · faseln  ugs., abwertend · groß herumtönen  ugs. · ↗sabbeln  ugs. · ↗schwafeln  ugs.
Oberbegriffe
Assoziationen
  • (sich) zu der Bemerkung hinreißen lassen (dass) · ↗(ungewollt oder versehentlich) ausplaudern  ●  in ein Wespennest stechen  fig. · ↗(jemandem) entfahren  geh. · ↗(jemandem) herausrutschen  ugs. · ↗(jemandem) herausschlüpfen  ugs. · (sich) den Mund verbrennen  ugs., fig. · ↗(sich) vergaloppieren  ugs., fig. · ↗(sich) verplappern  ugs.
  • ausweichend antworten · nicht sagen was Sache ist  ●  herumlabern  ugs. · um den heißen Brei herumreden  ugs.
  • Blödsinn · ↗Humbug · ↗Nonsens · ↗Unfug · ↗Widersinn  ●  Nonsense  engl. · ↗Unsinn  Hauptform · dümmliches Gerede  variabel · ↗Blech  ugs. · ↗Bockmist  ugs. · ↗Bullshit  derb, engl. · Driss  ugs. · Dummfug  ugs. · ↗Fez  ugs. · ↗Firlefanz  ugs. · ↗Gefasel  ugs., abwertend · ↗Gelaber  ugs. · ↗Geschwafel  ugs. · ↗Gewäsch  ugs. · ↗Heckmeck  ugs. · ↗Kappes  ugs. · ↗Kiki  ugs. · ↗Kohl  ugs. · ↗Kokolores  ugs. · ↗Krampf  ugs. · ↗Käse  ugs. · ↗Mist  ugs. · ↗Mumpitz  ugs. · ↗Papperlapapp  ugs. · ↗Pillepalle  ugs. · ↗Pipifax  ugs. · ↗Quark  ugs. · ↗Quatsch  ugs. · Quatsch mit Soße  ugs., berlinerisch · ↗Scheiß  derb · ↗Scheiße  derb · ↗Schmarren  ugs. · ↗Schmarrn  ugs. · ↗Schmonzes  ugs. · ↗Schmu  ugs. · ↗Schmäh  ugs., österr. · Schwachfug  derb · ↗Schwachsinn  ugs. · ↗Sottise(n)  geh., franz. · ↗Stuss  ugs. · ↗Tinnef  ugs. · dummes Zeug  ugs. · geistiger Durchfall  derb · geistiger Dünnschiss  derb · gequirlte Scheiße  derb · saudummes Zeug  ugs., süddt.
  • nicht auf den Punkt kommen · sich (selbst) gerne reden hören · viele Worte machen · ↗wortreich  ●  herumsalbadern  ugs. · herumschwafeln  ugs. · lange um den heißen Brei herumreden  ugs. · ↗salbadern  ugs.
  • Klatschtante · ↗Tratschtante · wandelnde Bildzeitung  ●  Dorfratschn  bair. · ↗Klatschbase  veraltet
  • (miteinander) reden · ↗(sich) unterhalten · Konversation machen · Small Talk machen · Smalltalk machen · ↗klönen · ↗parlieren · ↗plaudern  ●  ↗konversieren  veraltet · babbele  ugs., hessisch · ↗babbeln  ugs., regional · ↗plauschen  ugs. · ↗quasseln  ugs. · quatern  ugs., regional · ↗quatschen  ugs. · ↗ratschen  ugs. · ↗schnacken  ugs.
  • (das) große Wort führen · (eine) Schau machen · ↗(sich) aufblasen · (sich) aufführen wie der große Zampano · ↗(sich) aufplustern · Eindruck schinden · große Reden schwingen · laut werden  ●  (sich) auf die Brust klopfen  fig. · (sich) aufs hohe Ross setzen  fig. · ↗(sich) aufspielen  Hauptform · (den) (großen) Zampano machen  ugs. · (den) Dicken markieren  ugs. · (den) Hermann machen  ugs. · (den) Larry machen  ugs. · (den) Lauten machen  ugs. · (den) Molli machen  ugs., regional · (den) Mund (sehr) voll nehmen  ugs., fig. · (den) Mund zu voll nehmen  ugs. · (den) dicken Mann markieren  ugs. · (den) dicken Max machen  ugs. · (den) dicken Max markieren  ugs. · (die) (große) Welle reißen  ugs. · (die) Backen aufblasen  ugs. · (die) Schnauze aufreißen  ugs., fig. · (die) Welle machen  ugs. · (eine) (dicke) Lippe riskieren  ugs. · (eine) Show abziehen  ugs. · (eine) große Fresse haben  derb · (eine) große Klappe haben  ugs. · (eine) große Schnauze haben  ugs. · (einen) auf dicke Hose machen  derb · (einen) auf großer Zampano machen  ugs. · (gewaltig) das Maul aufreißen  ugs. · (groß) herumtönen  ugs. · (sich) aufmandeln  ugs., bair. · (sich) aufpupsen  derb · (sich) großtun (mit)  ugs. · (sich) in die Brust werfen  geh. · (sich) wichtig machen  ugs. · Sprüche klopfen  ugs. · auf den Putz hauen  ugs., fig. · auf die Kacke hauen  derb, fig. · auf die Pauke hauen  ugs., fig. · auf die Pferde hauen  ugs., fig. · blärzen  ugs., regional · den (...) raushängen lassen  ugs. · dicke Backen machen  ugs. · ↗dicketun  ugs. · ↗dicktun  ugs. · einen auf (...) machen  ugs. · groß rumtönen  ugs. · große Töne spucken  ugs. · herumblärzen  ugs., regional · ↗pranzen  ugs. · strunzen  ugs., regional · wichtigtun  ugs.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Kerl Komplott Liebe Sozialismus daher dauernd davon plötzlich schwärmen ständig was

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›faseln‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Rollt sein R, lacht diabolisch, faselt apathisch, überschlägt sich, schnappt nach Luft, exerziert die dramatische Pause.
Die Welt, 22.11.2003
Seitenlang faselt er haltlos dahin, als hätte er wirklich zu viel getrunken.
Die Zeit, 22.07.1999, Nr. 30
Die Windbeutel hätten natürlich miteinander geschwatzt und gefaselt und darüber die Festung verloren.
Huch, Ricarda: Der Dreißigjährige Krieg, Wiesbaden: Insel-Verl. 1958 [1914], S. 780
Der Umgangsmensch spricht, sagt, meint, meckert, faselt, klagt und macht dumme Bemerkungen.
Lehmann, Arthur-Heinz: Mensch, sei positiv dagegen!, Dresden: Heyne 1939 [1939], S. 102
Umstritten ist, ob die Bezeichnung Fastnacht auf den Begriff "fasen", faseln oder Possen treiben, zurückzuführen ist oder ob damit an die kommende Fastenzeit erinnert wird.
o. A. [hs]: Fastnacht. In: Aktuelles Lexikon 1974-2000, München: DIZ 2000 [1990]
Zitationshilfe
„faseln“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/faseln>, abgerufen am 16.02.2019.

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