Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

fassungslos

Grammatik Adjektiv
Aussprache 
Worttrennung fas-sungs-los
Wortzerlegung Fassung -los
Wortbildung  mit ›fassungslos‹ als Erstglied: Fassungslosigkeit
eWDG

Bedeutung

aus der Fassung gebracht, starr und sprachlos
Beispiele:
jmdn., etw. fassungslos anstarren, anblicken
sie sah ihm fassungslos, mit fassungslosem Blick nach
fassungslos ein paar Worte stammeln
er machte ein fassungsloses Gesicht, als er die Nachricht hörte
ihr Mund stand fassungslos offen
die Neuigkeit erregte bei allen fassungsloses Entsetzen
seine Lippen bewegten sich sekundenlang fassungslos, ohne ein Wort hervorzubringen [ H. W. RichterSpuren185]
von etw. überwältigt
Beispiele:
jmd. ist fassungslos vor Freude, Glück, Schmerz
sie war fassungslos und schluchzte
hemmungslos
Beispiele:
sich fassungslos gebärden
fassungslose Wut, Verzweiflung, fassungsloser Schmerz ergriff ihn
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

fassen · faßlich · faßbar · unfaßlich · unfaßbar · gefaßt · Fassung · fassungslos · abfassen · befassen · erfassen · einfassen · Einfassung · umfassen · umfassend
fassen Vb. ‘(mit der Hand) ergreifen, in Gewahrsam nehmen, enthalten, eine Fassung, Umrahmung geben, sich innerlich zu eigen machen, begreifen’, reflexiv ‘die Selbstbeherrschung (wieder)erlangen’, ahd. faʒʒōn ‘in ein Gefäß füllen, gießen, beladen, bepacken, mit etw. bekleiden’ (9./10. Jh.), mhd. vaʒʒen ‘ergreifen, zusammenpacken, aufladen, überziehen mit etw., rüsten, kleiden, schmücken’, mnd. mnl. vāten, vatten, nl. vatten, anord. fata ‘lose zusamenfügen’ ist wohl zu einem in ahd. faʒʒa ‘Bündel, Bürde, Gepäck, Last’ (um 800), anord. fata ‘Kanne, Bütte’ belegten Substantiv gebildet und gehört daher etymologisch zu Faß (s. d.); vgl. Wissmann Nomina postverbalia 1 (1932) 12. Ausgangsbedeutung ist ‘(in ein Gefäß) füllen, umhüllen, bekleiden’, die in den heute vielfältigen Verwendungsweisen sowie in den meisten Ableitungen und Komposita noch erkennbar ist. faßlich Adj. (17. Jh.), faßbar Adj. (19. Jh.) ‘gut verständlich, einprägsam, konkret’; unfaßlich Adj. (16. Jh.), unfaßbar Adj. (17. Jh.) ‘das geistige Fassungsvermögen übersteigend, absurd’; gefaßt Part.adj. ‘innerlich gerüstet, beherrscht, gelassen’ (16. Jh.). Fassung f. ‘Umrahmung, Vorlage, Version, Selbstbeherrschung’, ahd. faʒʒunga ‘Last, Ladung’ (Hs. 12. Jh.), mhd. vaʒʒunge ‘Faß, Bekleidung, Schmuck’; fassungslos Adj. ‘bestürzt, außer sich’ (19. Jh.). abfassen Vb. ‘in Schriftform bringen, konzipieren’ (17. Jh.), ‘abfangen, festnehmen’ (19. Jh.). befassen Vb. mhd. bevaʒʒen ‘besetzen, befestigen’, später (bis zum 17. Jh.) ‘mit den Händen begreifen, umfassen, einschließen, erfassen’, heute meist reflexiv sich mit etw. befassen ‘beschäftigen’ (18. Jh.). erfassen Vb. ‘ergreifen, begreifen, registrieren’ (17. Jh.). einfassen Vb. ‘umgeben, umschließen, einfüllen’, mhd. īnvaʒʒen; Einfassung f. ‘Einrahmung’ (16. Jh.). umfassen Vb. ‘(mit den Armen) umfangen, einschließen’ (15. Jh.); umfassend Adj. ‘weitreichend, universal’ (18. Jh.). Ferner s. verfassen.

Thesaurus

Synonymgruppe
durcheinander · entgeistert · fassungslos · konfus · neben sich stehen · verstört  ●  verwirrt  Hauptform · derangiert  geh., franz. · neben der Rolle sein  ugs. · tüdelig  ugs. · von allen guten Geistern verlassen  ugs.
Synonymgruppe
außer Fassung · entgeistert · fassungslos · geschockt · ratlos · schockiert · verständnislos · wie vom Schlag getroffen  ●  (ganz) durcheinander  ugs., fig. · (ganz) von den Socken  ugs. · (jemandem) bleibt die Spucke weg  ugs., fig. · (jemanden) trifft der Schlag  ugs., fig. · dazu fällt jemandem nichts mehr ein  ugs. · die Welt nicht mehr verstehen  ugs. · erstaunten Auges  geh., altertümelnd, scherzhaft · konsterniert  geh. · verdattert  ugs. · wie vor den Kopf geschlagen  ugs.
Assoziationen
  • durcheinander · entgeistert · fassungslos · konfus · neben sich stehen · verstört  ●  verwirrt  Hauptform · derangiert  geh., franz. · neben der Rolle sein  ugs. · tüdelig  ugs. · von allen guten Geistern verlassen  ugs.
  • erstaunen · frappieren · für Überraschung sorgen (journal.) · in Erstaunen setzen · verblüffen · verdutzen · verwundern · überraschen  ●  (jemanden) wundern  ugs.
  • (sich) nicht sicher · ratlos · unentschieden · unentschlossen · unschlüssig  ●  (auch) nicht wissen, wie es weitergeht  ugs. · indifferent  geh.
  • (das ist ja) (ein) dolles Ding  ugs. · (ja) ist denn das die Möglichkeit!?  ugs. · Ist nicht wahr!  ugs., salopp, Spruch · Jetzt wird (aber) der Hund in der Pfanne verrückt!  ugs., Spruch, variabel · Mich laust der Affe!  ugs., Spruch · das darf nicht wahr sein!  ugs. · das gibt's doch nicht!  ugs. · das kann doch einfach nicht wahr sein!  ugs. · das kann doch wohl nicht wahr sein!  ugs. · du glaubst es nicht!  ugs. · du kriegst die Motten!  ugs., Spruch · du kriegst die Tür nicht zu!  ugs., Spruch · ich (glaub ich) werd zum Elch!  ugs., Spruch · ich fress 'en Besen!  ugs., Spruch · ich glaub, es geht los!  ugs., Spruch · ich glaub, ich spinne!  ugs. · ich glaub, ich steh im Wald!  ugs., Spruch · ich glaub, mich holn'se ab!  ugs. · ich krieg die Motten!  ugs., Spruch · ich werd' verrückt!  ugs. · ja isset denn möglich!?  ugs. · jetzt brat mir (aber) einer einen Storch!  ugs., Spruch · jetzt brat mir einer 'en Storch  ugs., veraltet · man glaubt es nicht!  ugs. · wie (...) ist das denn!?  ugs., jugendsprachlich · wie isset denn möglich?!  ugs.

Typische Verbindungen zu ›fassungslos‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›fassungslos‹.

Verwendungsbeispiele für ›fassungslos‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Nie in seinem Leben war er so fassungslos und verzweifelt gewesen. [Courths-Mahler, Hedwig: Ich lasse dich nicht, Augsburg: Weltbild Verl. 1992 [1912], S. 146]
Sie schüttelte nur fassungslos den Kopf wie über einen schlechten Witz. [C't, 1997, Nr. 7]
Was sich ihr Chef da erlaubt habe, habe sie alle "fassungslos" gemacht. [Die Zeit, 20.08.1998, Nr. 35]
Der war so fassungslos, der hat erst mal losgeheult wie ein kleines Kind. [Der Spiegel, 24.08.1987]
Man war völlig fassungslos darüber, dass er mit seiner antifaschistischen Geschichte so verfemt wurde. [Die Zeit, 19.11.2013, Nr. 47]
Zitationshilfe
„fassungslos“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/fassungslos>.

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