faul

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Wortbildung mit ›faul‹ als Erstglied: ↗Faulbaum · ↗Faulbett · ↗Faulpelz · ↗Faulstelle · ↗Faultier
 ·  mit ›faul‹ als Letztglied: ↗denkfaul · ↗erzfaul · ↗kernfaul · ↗maulfaul · ↗mundfaul · ↗oberfaul · ↗schreibfaul · ↗sprechfaul · ↗stinkfaul
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
in Fäulnis übergegangen
a)
verdorben, übel
Beispiele:
faules Fleisch, Obst
faule Kartoffeln, Eier, Fische
faules Holz, Laub, Wasser
ein fauler Geruch, Dunst
die Äpfel sind, schmecken (ganz) faul
jmdn. mit faulen Eiern bewerfen
Er ... fuhr am Nachmittag mit dem Vaporetto über die faul riechende Lagune nach Venedig [Th. MannTod in Venedig9,491]
bildlich
Beispiele:
abwertendeine faule (= morsche, überlebte) Gesellschaftsordnung
Skisport fauler (= weicher, unterhöhlter) Schnee
Bergmannssprache faules (= brüchiges, unzuverlässiges) Gestein
b)
übertragen
Beispiele:
salopp, abwertendeine faule (= unlautere, zweifelhafte) Sache
salopp, abwertend faule (= schlechte) Witze machen
salopp, abwertenddas ist alles fauler Zauber (= Schwindel)
salopp, abwertenddie Sache, Angelegenheit scheint (mir mehr als) faul zu sein, sieht faul aus (= ist nicht in Ordnung)
salopp, abwertendan dem Vorhaben, mit der Erbschaft ist, muss etwas faul (= nicht einwandfrei, schlecht) sein
salopp, abwertendes steht faul (= bedenklich) für ihn, mit seinen Geschäften, um seine Versprechungen
abwertend faule (= unglaubwürdige, nicht stichhaltige) Ausreden
umgangssprachlich, abwertendein fauler (= ungedeckter) Wechsel
umgangssprachlich, abwertend faule (= unsichere, wertlose) Aktien, Verträge
umgangssprachlich, abwertendeinen faulen (= niemand befriedigenden) Kompromiss eingehen
umgangssprachlich, abwertendUnd überhaupt, ein fauler Friede (= ein Frieden, der nicht echt ist, dem keiner traut) [WeiskopfAbschied v. Frieden1,483]
sprichwörtlichEtwas ist faul (= ist bedenklich, stimmt nicht) im Staate Dänemarks [Schlegel-Shakesp.HamletI 4]
2.
träge
Gegenwort zu fleißig
a)
arbeitsscheu, nicht arbeitswillig
Beispiele:
ein fauler Mensch, Schüler
umgangssprachlichein fauler Kerl
abwertendein fauler Bursche
so ein faules Gesindel!
salopp, abwertend, scherzhaftihr seid (mir) eine faule Bande
saloppsie war faul wie die Sünde (= sie war sehr, überaus faul)
salopp, derbsie war stinkend faul
vulgär, abwertend fauler Hund!
sie war das faulste Mädchen in der Klasse, am faulsten von allen Kindern
saloppGerda war ein faules Luder [EisenreichUrgroßvater12]
Verschlemmen soll nicht der faule Bauch, / Was fleißige Hände erwarben [HeineWintermärchen2,432]
bildlich
Beispiel:
saloppsie liegt den ganzen Tag auf der faulen Haut (= tut den ganzen Tag nichts)
b)
umgangssprachlich, übertragen
Beispiele:
ein fauler (= säumiger) Zahler, Schuldner
sich [Dativ] einen faulen Tag machen (= nicht viel tun)
Famos, was man da für'n faulen Tag leben kann (= wie wenig man da zu arbeiten braucht) [G. HermannKubinke253]
c)
umgangssprachlich nicht faulschnell reagierend
Beispiele:
sie, nicht faul, gab ihm eine passende, treffende, die richtige Antwort
Er, nicht faul, nimmt seinem Kutscher die Peitsche aus der Hand [Suderm.Reise nach Tilsit6, 8]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

faul · stinkfaul · faulig · Faulheit · Fäulnis · Faulpelz · Faultier · faulenzen · Faulenz · Faulenzer
faul Adj. ‘verdorben, verwesend, unredlich, anrüchig, träge’, ahd. fūl (9. Jh.), mhd. vūl ‘verwesend, stinkend, modrig, morsch, verdorben, träge’, asächs. aengl. fūl, engl. foul, mnd. vūl, mnl. vuul, nl. vuil, anord. fūll, schwed. ful, got. fūls, germ. *fūla- ist auf die Wurzel ie. *pū̌- ‘faulen, stinken’ (vermutlich Weiterentwicklung einer Interjektion *pu ‘pfui’) zurückzuführen, zu der auch aind. pū́yati ‘wird faul, stinkt’, griech. pȳ́thesthai (πύθεσθαι) ‘faulen’, lat. pūs ‘Eiter’, pūtēre ‘nach Fäulnis riechen’ gehören. stinkfaul Adj. ‘außerordentlich träge’ (17. Jh.), verstärkend zusammengesetzt mit stinken unter Rückgriff auf die alte Bedeutung faul ‘stinkend’. faulig Adj. ‘mit Fäulnis behaftet, verwesend’, mhd. vūllich. Faulheit f. ‘Trägheit’, mhd. vūlheit, daneben auch vūlkeit, vūlecheit, frühnhd. Faulkeit, Fauligkeit ‘Trägheit, Verwesung’. Fäulnis f. ‘Zersetzung, Verwesung’, ahd. fūlnussī (10. Jh.; auch fūlnissida, 11. Jh.), mhd. vūlnis; dafür bis zum 18. Jh. häufiger Faulung, Fäulung, mhd. vūlunge. Faulpelz m. ‘zur Trägheit neigender Mensch, Faulenzer’ (19. Jh.), schweiz. bereits seit dem 13. Jh. bezeugt; vgl. Pelz ‘Schimmelschicht auf Speisen’, so daß die Vorstellung ‘vor Faulheit Schimmel ansetzen’ zugrunde liegen kann; heute überwiegt wohl Assoziation an Faultier sowie der Gedanke eines trägen Verharrens im bequemen Pelz. Faultier n. südamerikanisches Säugetier von geringer Bewegungsfreudigkeit (17. Jh.), Wiedergabe von span. perezoso; dann auch scherzhaft ‘arbeitsscheuer Mensch’ (19. Jh.). faulen Vb. ‘sich zersetzen, verwesen’, ahd. fūlēn (9. Jh.), mhd. vūlen. faulenzen Vb. ‘träge, untätig sein’, spätmhd. vūlezen ‘faulig schmecken, träge sein’. Das Verb ist analog zu einer Gruppe von intensiven und iterativen Verben auf mhd. -e(z)zen (got. -atjan, ahd. -a-(z)zen, -e(z)zen) gebildet; der n-Einschub stammt aus dem Omd. Dazu Faulenz, Faulenzer m. (16. Jh.).

Thesaurus

Biologie
Synonymgruppe
faul · ↗faulig · ↗modrig · ↗morsch · verfault · vermodert · verrottet · ↗zerfallen · zersetzt  ●  ↗putrid  fachspr., lat., historisch · vermorscht  ugs.
Synonymgruppe
bequem · faul · ↗müßig · ↗passiv · ↗phlegmatisch · ↗tatenlos · ↗träge · ↗untätig  ●  ↗pomadig  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
nicht realisierbar · nicht zu realisieren · voll abzuschreiben  ●  faul (Kredit)  ugs., Jargon · ↗notleidend  fachspr., Jargon · ↗uneinbringlich (Forderung)  fachspr.
Assoziationen
  • (von vornherein) zum Scheitern verurteilt · ↗Makulatur · hoffnungsloses Unterfangen · ↗illusorisch · keine Option · keinen Sinn haben · keinen Sinn machen · keinen Sinn und Zweck haben · keinen Zweck haben · nicht realisierbar · nichts zu machen sein · ohne Aussicht auf Erfolg · ohne Sinn und Zweck · ↗sinnlos · ↗unsinnig · ↗vergeblich · zu nichts führen · ↗zwecklos  ●  (ein) tot geborenes Kind  fig. · (ein) totgeborenes Kind  fig. · ↗aussichtslos  Hauptform · (das) kannst du vergessen  ugs. · (gut) für die Tonne  ugs. · bringt nichts  ugs. · führt zu nichts  ugs. · für den Arsch  vulg. · für die Katz  ugs. · hat keinen Wert  ugs., ruhrdt. · ↗umsonst  ugs. · ↗witzlos  ugs. · zu nichts gut sein  ugs.
  • erfolglos · ohne Erfolg · ↗umsonst · ↗vergebens  ●  ↗fruchtlos (Anwaltsdeutsch)  Jargon · ↗vergeblich  Hauptform · (an/bei jemandem/etwas ist) Hopfen und Malz verloren  ugs. · außer Spesen nichts gewesen  ugs., Spruch · da kommt nix bei rum  ugs., salopp · dabei kommt nichts (he)rum  ugs. · ↗frustran (medizinisch)  fachspr. · für die Katz  ugs. · für die Tonne  ugs. · für nichts und wieder nichts  ugs. · kannst du knicken  ugs. · kannst du vergessen  ugs. · vergebene Liebesmüh  ugs. · vergebliche Liebesmüh  ugs.
  • Totalschaden · ↗Totalverlust · vollständiger Verlust

Typische Verbindungen zu ›faul‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Apfel Arbeitslos Ausrede Ei Fisch Friede Frucht Fußball-Millionär Haut Hypothekenkredit Immobilienkredit Kompromiß Kredit Obst Ossi Postbote Sack Sau Tomate Trick Wertpapier Witz Zahn Zauber dumm fett fleißig rumliegen träge unfähig

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›faul‹.

Verwendungsbeispiele für ›faul‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Schon lange vor 2001 konnte man Lehrer unwidersprochen zu faulen Säcken erklären.
Die Welt, 13.09.2003
Wie kann man ein frisches von einem faulen Ei unterscheiden?
Der Tagesspiegel, 13.04.2001
Eine robuste Frau vom Lande, die sieben Kindern das Leben geschenkt hatte, rekelte sich faul im Bett.
Neutsch, Erik: Spur der Steine, Halle: Mitteldeutscher Verl. 1964 [1964], S. 981
Sie konnte nicht überall einschreiten, wo etwas faul in der Stadt war.
Koeppen, Wolfgang: Tauben im Gras. In: ders., Drei Romane, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1972 [1951], S. 73
Ich aber halte dieses faule Hinnehmen, dieses schlappe Verkommen für verächtlich.
Werfel, Franz: Die Vierzig Tage des Musa Dagh II, Stockholm: Bermann - Fischer 1947 [1933], S. 350
Zitationshilfe
„faul“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/faul>, abgerufen am 21.01.2020.

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