fehlbar

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungfehl-bar (computergeneriert)
Wortzerlegungfehlen2-bar
Wortbildung mit ›fehlbar‹ als Erstglied: ↗Fehlbarkeit  ·  mit ›fehlbar‹ als Letztglied: ↗unfehlbar
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
gehoben Fehlern, Irrtümern unterworfen
Beispiele:
jeder Mensch ist fehlbar
Joseph war ein Mensch, dazu ein recht fehlbarer [Th. MannJoseph3,409]
2.
schweizerisch einer Verfehlung, Übertretung schuldig
Beispiel:
dem fehlbaren Automobilisten wurde der Fahrausweis entzogen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

fehlen · Fehl · fehl · Fehltritt · Fehlschluß · Fehlgeburt · Fehlanzeige · fehlbar · unfehlbar · Fehler · verfehlen · Verfehlung
fehlen Vb. ‘abwesend, nicht vorhanden sein, einen Irrtum, ein Unrecht begehen’, Aus afrz. falir, faillir ‘verfehlen, im Stich lassen, versagen, fehlschlagen, sich irren’ (frz. faillir ‘einen Fehler begehen, sich irren, versagen’), dann auch ‘jmdm. entgehen, mangeln, nötig sein’ (oft unpersönlich afrz. frz. il faut ‘es ist nötig’), das über vlat. *fallīre auf lat. fallere ‘betrügen, täuschen, irreführen’ zurückgeht, wird mhd. vælen, vēlen ‘verfehlen, nicht treffen’ entlehnt, daneben gleichbed. mhd. failieren, fālieren, fallieren mit stärkerer Bewahrung der fremden Form (zu unterscheiden von nhd. fallieren ‘Bankrott machen’, Übernahme des 16. Jhs. von gleichbed. ital. fallire, im 16./17. Jh. auch ‘betrügen’, in diesem Sinne unmittelbar aus dem Lat.). Das zunächst als Turnierausdruck aufgenommene Verb (‘beim Stoß mit der Lanze das Ziel verfehlen’) gilt bereits im Mhd. entsprechend dem afrz. Vorbild auch für ‘sich irren’, für ‘fehlschlagen’ und ‘mangeln, nicht zur Verfügung stehen’. Eine Variante mhd. veilen setzt sich noch in frühnhd. feilen fort, namentlich im Md., wohl beeinflußt durch ebenfalls aus dem Frz. stammendes mnd. fēilen ‘verfehlen, fehlschlagen, mangeln, im Stich lassen’. Fehl m. ‘Makel, Mangel, Verfehlung’, mhd. væle f., Entlehnung aus afrz. faille ‘Mißerfolg, Irrtum, Mangel’, das über vlat. *fallia auf lat. falla ‘Betrug’ zurückgeht. Maskulines Genus entwickelt sich wohl bei der verkürzten artikellosen Form des Substantivs in den Fügungen mhd. āne væl, sunder væl ‘jeden Irrtum ausschließend, zweifelsfrei, ganz gewiß’, die gleichbed. afrz. sans faille nachbilden (vgl. dagegen mit anderer Auffassung nhd. ohne Fehl ‘makellos’). Wahrscheinlich aus Verb und abhängigem Akkusativ (vgl. einen Fehl gebären bei Luther und danach im älteren Nhd.) sind Bildungen wie fehlgehen, fehlgreifen, fehlschlagen entstanden; diese werden bis ins 19. Jh. häufig getrennt geschrieben (fehl gehen usw.), da das erste Glied einem Adverb ähnelt. Hieraus erklärt sich fehl Adj. Adv. ‘falsch, irrig, ergebnislos’, das seit Ende des 15. Jhs. vielfach nachweisbar ist, heute nur noch in der jungen Wendung fehl am Platz(e) sein ‘unpassend, unangebracht sein’. Der genannte verbale Bildungstyp ermöglicht substantivische Zusammensetzungen, ohne daß in jedem Falle das entsprechende Verb vorausgeht: Fehltritt m. ‘falscher Schritt, Vergehen’ (16. Jh.); Fehlschluß m. ‘falsche Schlußfolgerung’ (16. Jh.); Fehlgeburt f. ‘Abgang einer nicht lebensfähigen Leibesfrucht’ (18. Jh.); Fehlanzeige f. ‘negativer Bescheid’ (um 1900, zuerst soldatensprachlich vom negativen Schießergebnis). Das Kompositionsglied fehl- ist bis in die Gegenwart produktiv, vgl. Fehlentscheidung, Fehlkonstruktion, Fehlleistung, Fehlverhalten, Fehlzündung. fehlbar Adj. ‘mit Mängeln behaftet, unvollkommen’, schweiz. ‘einer Verfehlung schuldig’ (um 1600), wohl Rückbildung zu unfehlbar Adj. ‘frei von Irrtum, untrüglich’ (16. Jh.). Fehler m. ‘Irrtum, Versehen’, anfangs auch ‘Fehlschuß’ (16. Jh.). verfehlen Vb. ‘nicht erreichen, nicht treffen’, mhd. vervælen ‘fehlen, sich irren, trügen, nicht treffen’; Verfehlung f. ‘Irrtum, Vergehen’ (17. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
fehlbar  ●  ↗fallibel  geh. · kann sich (auch) irren  ugs.
Assoziationen
  • Fallibilität · ↗Fehlbarkeit
  • Irren ist menschlich.  ●  Es irrt der Mensch, solang er strebt.  Sprichwort · Es irrt der Mensch, solang er lebt.  ugs., sprichwörtlich
Antonyme

Typische Verbindungen
computergeneriert

Lenker Mensch Papst alle menschlich schwach

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›fehlbar‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Doch so ausgetüftelt diese Systeme auch sind: Sie bleiben fehlbar.
Die Zeit, 08.08.2007, Nr. 32
Die UN sind wie alle anderen Institutionen fehlbar, wenn sie nicht ständig erneuert werden.
Die Welt, 08.09.2005
Blair führt dagegen an, dass er, auch wenn er fehlbar sei, mit aufrichtiger Überzeugung gehandelt habe.
Der Tagesspiegel, 01.10.2004
Stalin, oft ununterrichtet und fehlbar selbst in seinen eigensten Angelegenheiten, glaubte an einen nahen Endsieg der chinesischen Kommunisten nicht.
Mann, Golo: Neunzehnhundertfünfundvierzig. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1961], S. 19410
Nach christlicher Sitte ist Kritik allemal die Heuchelei von Sündern, die selbst fehlbar sind, also gefälligst die Heuchelei unterlassen.
o. A.: SONDERSChiCHT IN DER VERTRAUENSFABRIK. In: Marxistische Zeit- und Streitschrift 1980-1991, München: Gegenstandpunkt Verl. 1998 [1987]
Zitationshilfe
„fehlbar“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/fehlbar>, abgerufen am 21.03.2019.

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