fehlen

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungfeh-len
Wortbildung mit ›fehlen‹ als Erstglied: ↗Fehlanzeige · ↗Fehlbetrag · ↗Fehlbildung · ↗Fehlmeldung · ↗Fehlmenge · ↗Fehlschicht · ↗Fehlstelle · ↗Fehlstunde · ↗Fehlzeit
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
nicht ausreichend vorhanden sein
es fehlt (jmdm.) an etw.es mangelt (jmdm.) an etw.
Beispiele:
es fehlt an Geld, Schuhwerk
es fehlte am Nötigsten, das Nötigste
es fehlt (uns) an guten Erzählern
es an nichts fehlen lassen
es fehlt ihm (an) Mut, Entschlossenheit, Tatkraft
du lässt es am, lässt den nötigen Ernst fehlen
an Gelegenheiten zu Begegnungen, Gesprächen soll es nicht fehlen
an mir soll, wird es nicht fehlen (= ich werde tun, was in meinen Kräften steht)
mir fehlen die Worte, um diese Pracht zu beschreiben
es fehlte nicht viel, und er lag unter dem Auto
es fehlt noch viel, bis das Ziel erreicht ist
das Fehlende herbeischaffen
das Fehlen von Bodenschätzen wirkt sich ungünstig aus
Mein Leben ist arm an Liebe gewesen, es hat mir am Besten gefehlt [HesseNarziß5,316]
Eva ... benutzte die letzte Woche, die am Monat noch fehlte, dazu, um sich ... in der Kurzschrift zu üben [FlakeLogbuch130]
jmd. fehlt jmdm.jmd. wird von jmdm. sehr vermisst, entbehrt
Beispiele:
du hast mir sehr gefehlt im letzten Jahr
unsere Mutter fehlt uns sehr
ein Kind hatte ihnen zu ihrem Glück noch gefehlt
Beispiele:
umgangssprachlich das fehlte gerade noch (= es kommt nicht in Frage), dass du bei dieser Kälte Eis isst
umgangssprachlich, spöttisch das hat (mir) gerade noch gefehlt, fehlte (mir) gerade noch! (= das kommt zu allem Unglück noch dazu!)
2.
nicht (mehr) vorhanden sein
Beispiele:
diese Marke fehlt in meiner Sammlung
ihm fehlt seit gestern seine Brieftasche (= er vermisst sie)
Wenige Schritte von der Türe entfernt bemerkte er das Fehlen des Schlüssels in seiner Tasche [DodererLederbeutelchen54]
abwesend sein
Beispiele:
er hat zwei Tage unentschuldigt gefehlt
die fehlenden Schüler werden notiert
Sie fehle auf keiner Lustbarkeit [SeghersDie Toten6,121]
gehoben ausbleiben
Beispiel:
Es konnte nicht fehlen ... daß sie zu dieser oder jener Réunion und Segelpartie hinzugezogen wurde [Th. MannBuddenbrooks1,135]
3.
umgangssprachlich
Beispiele:
mir fehlt etwas (= ich fühle mich krank)
was fehlt ihm? (= woran ist er erkrankt?)
mir fehlt nichts (= ich bin gesund)
da kämen wir ja weit, wenn jeder gleich zu Haus bleibt, wenn ihm was fehlt [TucholskyRheinsberg270]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

fehlen · Fehl · fehl · Fehltritt · Fehlschluß · Fehlgeburt · Fehlanzeige · fehlbar · unfehlbar · Fehler · verfehlen · Verfehlung
fehlen Vb. ‘abwesend, nicht vorhanden sein, einen Irrtum, ein Unrecht begehen’, Aus afrz. falir, faillir ‘verfehlen, im Stich lassen, versagen, fehlschlagen, sich irren’ (frz. faillir ‘einen Fehler begehen, sich irren, versagen’), dann auch ‘jmdm. entgehen, mangeln, nötig sein’ (oft unpersönlich afrz. frz. il faut ‘es ist nötig’), das über vlat. *fallīre auf lat. fallere ‘betrügen, täuschen, irreführen’ zurückgeht, wird mhd. vælen, vēlen ‘verfehlen, nicht treffen’ entlehnt, daneben gleichbed. mhd. failieren, fālieren, fallieren mit stärkerer Bewahrung der fremden Form (zu unterscheiden von nhd. fallieren ‘Bankrott machen’, Übernahme des 16. Jhs. von gleichbed. ital. fallire, im 16./17. Jh. auch ‘betrügen’, in diesem Sinne unmittelbar aus dem Lat.). Das zunächst als Turnierausdruck aufgenommene Verb (‘beim Stoß mit der Lanze das Ziel verfehlen’) gilt bereits im Mhd. entsprechend dem afrz. Vorbild auch für ‘sich irren’, für ‘fehlschlagen’ und ‘mangeln, nicht zur Verfügung stehen’. Eine Variante mhd. veilen setzt sich noch in frühnhd. feilen fort, namentlich im Md., wohl beeinflußt durch ebenfalls aus dem Frz. stammendes mnd. fēilen ‘verfehlen, fehlschlagen, mangeln, im Stich lassen’. Fehl m. ‘Makel, Mangel, Verfehlung’, mhd. væle f., Entlehnung aus afrz. faille ‘Mißerfolg, Irrtum, Mangel’, das über vlat. *fallia auf lat. falla ‘Betrug’ zurückgeht. Maskulines Genus entwickelt sich wohl bei der verkürzten artikellosen Form des Substantivs in den Fügungen mhd. āne væl, sunder væl ‘jeden Irrtum ausschließend, zweifelsfrei, ganz gewiß’, die gleichbed. afrz. sans faille nachbilden (vgl. dagegen mit anderer Auffassung nhd. ohne Fehl ‘makellos’). Wahrscheinlich aus Verb und abhängigem Akkusativ (vgl. einen Fehl gebären bei Luther und danach im älteren Nhd.) sind Bildungen wie fehlgehen, fehlgreifen, fehlschlagen entstanden; diese werden bis ins 19. Jh. häufig getrennt geschrieben (fehl gehen usw.), da das erste Glied einem Adverb ähnelt. Hieraus erklärt sich fehl Adj. Adv. ‘falsch, irrig, ergebnislos’, das seit Ende des 15. Jhs. vielfach nachweisbar ist, heute nur noch in der jungen Wendung fehl am Platz(e) sein ‘unpassend, unangebracht sein’. Der genannte verbale Bildungstyp ermöglicht substantivische Zusammensetzungen, ohne daß in jedem Falle das entsprechende Verb vorausgeht: Fehltritt m. ‘falscher Schritt, Vergehen’ (16. Jh.); Fehlschluß m. ‘falsche Schlußfolgerung’ (16. Jh.); Fehlgeburt f. ‘Abgang einer nicht lebensfähigen Leibesfrucht’ (18. Jh.); Fehlanzeige f. ‘negativer Bescheid’ (um 1900, zuerst soldatensprachlich vom negativen Schießergebnis). Das Kompositionsglied fehl- ist bis in die Gegenwart produktiv, vgl. Fehlentscheidung, Fehlkonstruktion, Fehlleistung, Fehlverhalten, Fehlzündung. fehlbar Adj. ‘mit Mängeln behaftet, unvollkommen’, schweiz. ‘einer Verfehlung schuldig’ (um 1600), wohl Rückbildung zu unfehlbar Adj. ‘frei von Irrtum, untrüglich’ (16. Jh.). Fehler m. ‘Irrtum, Versehen’, anfangs auch ‘Fehlschuß’ (16. Jh.). verfehlen Vb. ‘nicht erreichen, nicht treffen’, mhd. vervælen ‘fehlen, sich irren, trügen, nicht treffen’; Verfehlung f. ‘Irrtum, Vergehen’ (17. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(einem Anlass) fernbleiben · (sich) einen schönen Tag machen · (unentschuldigt) abwesend sein · (unentschuldigt) fehlen · ausfallen lassen · nicht erscheinen · nicht hingehen · ↗sausen lassen · ↗sausenlassen · ↗wegbleiben  ●  durch Abwesenheit glänzen  ironisch · ↗(sich) drücken  ugs. · (sich) nen Bunten machen  ugs. · ↗blaumachen  ugs. · krank feiern  ugs. · nicht kommen  ugs. · ↗schwänzen  ugs.
Unterbegriffe
  • der Arbeit montags fernbleiben  ●  blauen Montag machen  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
(jemandem) fehlen · ↗entbehren · ↗vermissen  ●  ↗(einer Sache) ermangeln  veraltet · ↗missen (meist redensartlich)  geh., veraltend · schmerzlich vermissen  geh., floskelhaft
Assoziationen
  • (inständig) verlangen nach · (jemandem) steht der Sinn nach · (sich) sehnen nach · (sich) verzehren nach · ...närrisch · Lust haben (auf) · aus sein auf · ↗begehren · begehren nach · begehrlich nach · begierig auf · besessen von · brennen auf · ↗ersehnen · fiebern nach · ↗gieren (nach) · ↗herbeisehnen · ↗herbeiwünschen · kaum erwarten können · nicht warten können auf · schmachten nach · sehnlichst begehren · sehnlichst vermissen · spitzen auf · süchtig nach · unbedingt haben wollen · vergehen nach · verrückt nach · ↗verschmachten (nach) · versessen auf · vor Lust (auf etwas) vergehen · vor Verlangen (nach etwas) vergehen  ●  (sehr) verlangen nach  Hauptform · (sich die) Finger lecken nach  fig. · hinter etwas her (sein) wie der Teufel hinter der armen Seele  sprichwörtlich · hungern nach  fig. · ↗(einen) Gieper (haben) auf  ugs. · ↗(einen) Jieper (haben) auf  ugs. · (einen) Jieper haben (auf)  ugs., norddeutsch · (ganz) wild auf (etwas)  ugs. · (jemandem) (das) Wasser im Mund zusammenlaufen (beim Gedanken an)  ugs. · (sehr) hinter (etwas) her sein  ugs. · dürsten nach  geh., poetisch, fig. · erpicht auf  geh., veraltend · geil auf (etwas)  ugs. · gelüsten nach  geh. · giepern nach  ugs., regional · heiß auf (etwas)  ugs. · jiepern nach  ugs., regional · lange Zähne kriegen  ugs., selten · ↗lechzen (nach)  geh. · scharf auf (etwas)  ugs. · spitz sein auf  ugs. · verrückt auf (etwas)  ugs.
  • (sich) (wehmütigen Gedanken) hingeben · hinterhertrauern · ↗nachhängen · ↗nachtrauern · ↗nachweinen
  • (es) fehlen lassen (an) · ↗(jemandem) abgehen · (jemandem) fehlen · nicht verfügen über · vermissen lassen  ●  ↗(einer Sache) ermangeln  geh. · ↗(einer Sache) gebrechen  geh., veraltet · (jemandem) nicht zu Gebote stehen  geh. · kranken an  geh.
Synonymgruppe
(es) fehlen lassen (an) · ↗(jemandem) abgehen · (jemandem) fehlen · nicht verfügen über · vermissen lassen  ●  ↗(einer Sache) ermangeln  geh. · ↗(einer Sache) gebrechen  geh., veraltet · (jemandem) nicht zu Gebote stehen  geh. · kranken an  geh.
Assoziationen
Synonymgruppe
ausbleiben · fehlen · ↗fortbleiben · nicht kommen · ↗wegbleiben · zu Hause bleiben  ●  ↗fernbleiben  geh.
Synonymgruppe
es fehlt an · fehlen (inhaltlich) · zu kurz kommen  ●  Mangelware sein  fig. · auf sich warten lassen  fig. · mit der Lupe zu suchen sein  fig.
Assoziationen
Synonymgruppe
(es) fehlt an · (es) hapert an · ↗ausbleiben · fehlen · kranken an · ↗mangeln  ●  happern  österr., bair. · ↗(einer Sache) ermangeln  geh. · ↗mankieren  ugs., veraltet
Assoziationen
Synonymgruppe
(es gibt) nicht genug · (es gibt) zu wenig(e) · ↗(es herrscht) ...mangel · (es) fehlt an · fehlen
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Geld Hinweis Kraft Mittel Mut Spur Stimme Voraussetzung Wille aber allerdings auch bisher bislang da dafür doch es heute hier jedoch jetzt leider natürlich nicht noch nur oft völlig wir

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›fehlen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

An einem solchen Akt fehlt es hier ", heißt es zur Begründung.
Die Zeit, 06.12.2013, Nr. 50
Es fehlen somit nur noch 29.000 Mark zum angestrebten Ziel.
konkret, 1994
Doch es fehlte ihm die Zeit, immer waren andere Dinge wichtiger.
Heller, Gisela: Märkischer Bilderbogen, Berlin: Berlin Verlag der Nation 1978, S. 218
Deren Namen fehlen häufig, doch wird jeder von ihnen zumindest einmal genannt.
Reaney, Gilbert u. Schofiel, Bertram: Londoner Handschriften. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1960], S. 35541
Karl war schon sechs Jahre gewesen, mir aber fehlten noch volle vierzehn Tage zu diesem achtungeinflößenden Alter.
Sudermann, Hermann: Das Bilderbuch meiner Jugend. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1922], S. 396
Zitationshilfe
„fehlen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/fehlen#1>, abgerufen am 16.10.2019.

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fehlen

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungfeh-len
Wortbildung mit ›fehlen‹ als Erstglied: ↗Fehlallokation · ↗Fehlangabe · ↗Fehlaufgabe · ↗Fehlaufschlag · ↗Fehlbedienung · ↗Fehlbelegung · ↗Fehlbesetzung · ↗Fehlbewertung · ↗Fehlbitte · ↗Fehlbuchung · ↗Fehldeutung · ↗Fehldiagnose · ↗Fehldisposition · ↗Fehldruck · ↗Fehleinkauf · ↗Fehleinschätzung · ↗Fehlentscheid · ↗Fehlentscheidung · ↗Fehlentwicklung · ↗Fehlfabrikat · ↗Fehlfarbe · ↗Fehlfunktion · ↗Fehlgebrauch · ↗Fehlgeburt · ↗Fehlgewicht · ↗Fehlgriff · ↗Fehlhaltung · ↗Fehlinformation · ↗Fehlinterpretation · ↗Fehlinvestition · ↗Fehlkalkulation · ↗Fehlkauf · ↗Fehlkonstruktion · ↗Fehlleistung · ↗Fehllösung · ↗Fehlordnung · ↗Fehlpass · ↗Fehlplanung · ↗Fehlrechnung · ↗Fehlschluss · ↗Fehlschreibung · ↗Fehlschuss · ↗Fehlspekulation · ↗Fehlsprung · ↗Fehlstart · ↗Fehlstellung · ↗Fehlsteuerung · ↗Fehltritt · ↗Fehlurteil · ↗Fehlverhalten · ↗Fehlversuch · ↗Fehlwurf · ↗Fehlzündung · ↗fehlbar
 ·  mit ›fehlen‹ als Grundform: ↗verfehlen
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
gehoben unrecht handeln, sündigen
Beispiele:
sie hat aus Schwäche, Leichtsinn, Unbedacht gefehlt
schwer, unverzeihlich fehlen
Wir haben alle gefehlt, und es kommt uns nicht zu, zu richten [WiechertRede36]
[sie] sah ihm liebevoll alles nach, was er an ihr fehlte [Th. Mann11,84]
2.
veraltet das Ziel verfehlen
a)
etw., jmdn. nicht treffen
Beispiele:
der Schlag, Schuss hat (ihn) gefehlt
Jetzt, Schütze, triff und fehle nicht das Ziel! [SchillerTellIII 3]
b)
fehlgehen
Beispiele:
gespreizt weit gefehlt! (= das ist ein großer Irrtum!)
Um zehn Jahre wird er nicht fehlen, wenn er ... zwanzig sagt [RoseggerWaldschulmeister1,134]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

fehlen · Fehl · fehl · Fehltritt · Fehlschluß · Fehlgeburt · Fehlanzeige · fehlbar · unfehlbar · Fehler · verfehlen · Verfehlung
fehlen Vb. ‘abwesend, nicht vorhanden sein, einen Irrtum, ein Unrecht begehen’, Aus afrz. falir, faillir ‘verfehlen, im Stich lassen, versagen, fehlschlagen, sich irren’ (frz. faillir ‘einen Fehler begehen, sich irren, versagen’), dann auch ‘jmdm. entgehen, mangeln, nötig sein’ (oft unpersönlich afrz. frz. il faut ‘es ist nötig’), das über vlat. *fallīre auf lat. fallere ‘betrügen, täuschen, irreführen’ zurückgeht, wird mhd. vælen, vēlen ‘verfehlen, nicht treffen’ entlehnt, daneben gleichbed. mhd. failieren, fālieren, fallieren mit stärkerer Bewahrung der fremden Form (zu unterscheiden von nhd. fallieren ‘Bankrott machen’, Übernahme des 16. Jhs. von gleichbed. ital. fallire, im 16./17. Jh. auch ‘betrügen’, in diesem Sinne unmittelbar aus dem Lat.). Das zunächst als Turnierausdruck aufgenommene Verb (‘beim Stoß mit der Lanze das Ziel verfehlen’) gilt bereits im Mhd. entsprechend dem afrz. Vorbild auch für ‘sich irren’, für ‘fehlschlagen’ und ‘mangeln, nicht zur Verfügung stehen’. Eine Variante mhd. veilen setzt sich noch in frühnhd. feilen fort, namentlich im Md., wohl beeinflußt durch ebenfalls aus dem Frz. stammendes mnd. fēilen ‘verfehlen, fehlschlagen, mangeln, im Stich lassen’. Fehl m. ‘Makel, Mangel, Verfehlung’, mhd. væle f., Entlehnung aus afrz. faille ‘Mißerfolg, Irrtum, Mangel’, das über vlat. *fallia auf lat. falla ‘Betrug’ zurückgeht. Maskulines Genus entwickelt sich wohl bei der verkürzten artikellosen Form des Substantivs in den Fügungen mhd. āne væl, sunder væl ‘jeden Irrtum ausschließend, zweifelsfrei, ganz gewiß’, die gleichbed. afrz. sans faille nachbilden (vgl. dagegen mit anderer Auffassung nhd. ohne Fehl ‘makellos’). Wahrscheinlich aus Verb und abhängigem Akkusativ (vgl. einen Fehl gebären bei Luther und danach im älteren Nhd.) sind Bildungen wie fehlgehen, fehlgreifen, fehlschlagen entstanden; diese werden bis ins 19. Jh. häufig getrennt geschrieben (fehl gehen usw.), da das erste Glied einem Adverb ähnelt. Hieraus erklärt sich fehl Adj. Adv. ‘falsch, irrig, ergebnislos’, das seit Ende des 15. Jhs. vielfach nachweisbar ist, heute nur noch in der jungen Wendung fehl am Platz(e) sein ‘unpassend, unangebracht sein’. Der genannte verbale Bildungstyp ermöglicht substantivische Zusammensetzungen, ohne daß in jedem Falle das entsprechende Verb vorausgeht: Fehltritt m. ‘falscher Schritt, Vergehen’ (16. Jh.); Fehlschluß m. ‘falsche Schlußfolgerung’ (16. Jh.); Fehlgeburt f. ‘Abgang einer nicht lebensfähigen Leibesfrucht’ (18. Jh.); Fehlanzeige f. ‘negativer Bescheid’ (um 1900, zuerst soldatensprachlich vom negativen Schießergebnis). Das Kompositionsglied fehl- ist bis in die Gegenwart produktiv, vgl. Fehlentscheidung, Fehlkonstruktion, Fehlleistung, Fehlverhalten, Fehlzündung. fehlbar Adj. ‘mit Mängeln behaftet, unvollkommen’, schweiz. ‘einer Verfehlung schuldig’ (um 1600), wohl Rückbildung zu unfehlbar Adj. ‘frei von Irrtum, untrüglich’ (16. Jh.). Fehler m. ‘Irrtum, Versehen’, anfangs auch ‘Fehlschuß’ (16. Jh.). verfehlen Vb. ‘nicht erreichen, nicht treffen’, mhd. vervælen ‘fehlen, sich irren, trügen, nicht treffen’; Verfehlung f. ‘Irrtum, Vergehen’ (17. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(einem Anlass) fernbleiben · (sich) einen schönen Tag machen · (unentschuldigt) abwesend sein · (unentschuldigt) fehlen · ausfallen lassen · nicht erscheinen · nicht hingehen · ↗sausen lassen · ↗sausenlassen · ↗wegbleiben  ●  durch Abwesenheit glänzen  ironisch · ↗(sich) drücken  ugs. · (sich) nen Bunten machen  ugs. · ↗blaumachen  ugs. · krank feiern  ugs. · nicht kommen  ugs. · ↗schwänzen  ugs.
Unterbegriffe
  • der Arbeit montags fernbleiben  ●  blauen Montag machen  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
(jemandem) fehlen · ↗entbehren · ↗vermissen  ●  ↗(einer Sache) ermangeln  veraltet · ↗missen (meist redensartlich)  geh., veraltend · schmerzlich vermissen  geh., floskelhaft
Assoziationen
  • (inständig) verlangen nach · (jemandem) steht der Sinn nach · (sich) sehnen nach · (sich) verzehren nach · ...närrisch · Lust haben (auf) · aus sein auf · ↗begehren · begehren nach · begehrlich nach · begierig auf · besessen von · brennen auf · ↗ersehnen · fiebern nach · ↗gieren (nach) · ↗herbeisehnen · ↗herbeiwünschen · kaum erwarten können · nicht warten können auf · schmachten nach · sehnlichst begehren · sehnlichst vermissen · spitzen auf · süchtig nach · unbedingt haben wollen · vergehen nach · verrückt nach · ↗verschmachten (nach) · versessen auf · vor Lust (auf etwas) vergehen · vor Verlangen (nach etwas) vergehen  ●  (sehr) verlangen nach  Hauptform · (sich die) Finger lecken nach  fig. · hinter etwas her (sein) wie der Teufel hinter der armen Seele  sprichwörtlich · hungern nach  fig. · ↗(einen) Gieper (haben) auf  ugs. · ↗(einen) Jieper (haben) auf  ugs. · (einen) Jieper haben (auf)  ugs., norddeutsch · (ganz) wild auf (etwas)  ugs. · (jemandem) (das) Wasser im Mund zusammenlaufen (beim Gedanken an)  ugs. · (sehr) hinter (etwas) her sein  ugs. · dürsten nach  geh., poetisch, fig. · erpicht auf  geh., veraltend · geil auf (etwas)  ugs. · gelüsten nach  geh. · giepern nach  ugs., regional · heiß auf (etwas)  ugs. · jiepern nach  ugs., regional · lange Zähne kriegen  ugs., selten · ↗lechzen (nach)  geh. · scharf auf (etwas)  ugs. · spitz sein auf  ugs. · verrückt auf (etwas)  ugs.
  • (sich) (wehmütigen Gedanken) hingeben · hinterhertrauern · ↗nachhängen · ↗nachtrauern · ↗nachweinen
  • (es) fehlen lassen (an) · ↗(jemandem) abgehen · (jemandem) fehlen · nicht verfügen über · vermissen lassen  ●  ↗(einer Sache) ermangeln  geh. · ↗(einer Sache) gebrechen  geh., veraltet · (jemandem) nicht zu Gebote stehen  geh. · kranken an  geh.
Synonymgruppe
(es) fehlen lassen (an) · ↗(jemandem) abgehen · (jemandem) fehlen · nicht verfügen über · vermissen lassen  ●  ↗(einer Sache) ermangeln  geh. · ↗(einer Sache) gebrechen  geh., veraltet · (jemandem) nicht zu Gebote stehen  geh. · kranken an  geh.
Assoziationen
Synonymgruppe
ausbleiben · fehlen · ↗fortbleiben · nicht kommen · ↗wegbleiben · zu Hause bleiben  ●  ↗fernbleiben  geh.
Synonymgruppe
es fehlt an · fehlen (inhaltlich) · zu kurz kommen  ●  Mangelware sein  fig. · auf sich warten lassen  fig. · mit der Lupe zu suchen sein  fig.
Assoziationen
Synonymgruppe
(es) fehlt an · (es) hapert an · ↗ausbleiben · fehlen · kranken an · ↗mangeln  ●  happern  österr., bair. · ↗(einer Sache) ermangeln  geh. · ↗mankieren  ugs., veraltet
Assoziationen
Synonymgruppe
(es gibt) nicht genug · (es gibt) zu wenig(e) · ↗(es herrscht) ...mangel · (es) fehlt an · fehlen
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Geld Hinweis Kraft Mittel Mut Spur Stimme Voraussetzung Wille aber allerdings auch bisher bislang da dafür doch es heute hier jedoch jetzt leider natürlich nicht noch nur oft völlig wir

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›fehlen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

An einem solchen Akt fehlt es hier ", heißt es zur Begründung.
Die Zeit, 06.12.2013, Nr. 50
Es fehlen somit nur noch 29.000 Mark zum angestrebten Ziel.
konkret, 1994
Doch es fehlte ihm die Zeit, immer waren andere Dinge wichtiger.
Heller, Gisela: Märkischer Bilderbogen, Berlin: Berlin Verlag der Nation 1978, S. 218
Deren Namen fehlen häufig, doch wird jeder von ihnen zumindest einmal genannt.
Reaney, Gilbert u. Schofiel, Bertram: Londoner Handschriften. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1960], S. 35541
Karl war schon sechs Jahre gewesen, mir aber fehlten noch volle vierzehn Tage zu diesem achtungeinflößenden Alter.
Sudermann, Hermann: Das Bilderbuch meiner Jugend. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1922], S. 396
Zitationshilfe
„fehlen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/fehlen#2>, abgerufen am 16.10.2019.

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