fein

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Wortbildung mit ›fein‹ als Erstglied: ↗Feinabstimmung · ↗Feinanalyse · ↗Feinansprache · ↗Feinbackware · ↗Feinbearbeitung · ↗Feinblech · ↗Feinbrot · ↗Feinbäckerei · ↗Feinchemikalie · ↗Feineinstellung · ↗Feinfrost · ↗Feingebäck · ↗Feingefühl · ↗Feingehalt · ↗Feingeist · ↗Feingewicht · ↗Feingold · ↗Feinkeramik · ↗Feinkorn · ↗Feinkost · ↗Feinmechanik · ↗Feinmechaniker · ↗Feinmessgerät · ↗Feinmesstechnik · ↗Feinoptiker · ↗Feinpartikel · ↗Feinripp · ↗Feinschliff · ↗Feinschmecker · ↗Feinschnitt · ↗Feinseife · ↗Feinsilber · ↗Feinsinn · ↗Feinstruktur · ↗Feinwaage · ↗Feinwaschmittel · ↗Feinwaschpulver · ↗Feinwäsche · ↗feinbesaitet · ↗feinfaserig · ↗feinfasrig · ↗feinfädig · ↗feinfühlend · ↗feinfühlig · ↗feingegliedert · ↗feingemahlen · ↗feingeschliffen · ↗feingeschnitten · ↗feingeschwungen · ↗feingesponnen · ↗feingestoßen · ↗feingestreift · ↗feingewiegt · ↗feingezeichnet · ↗feingeädert · ↗feingliederig · ↗feingliedrig · ↗feinhaarig · ↗feinhörig · ↗feinjustieren · ↗feinkeramisch · ↗feinknochig · ↗feinkörnig · ↗feinmahlen · ↗feinmaschig · ↗feinmechanisch · ↗feinnarbig · ↗feinnervig · ↗feinplissiert · ↗feinporig · ↗feinsandig · ↗feinschleifen · ↗feinstofflich · ↗feinwürzig · ↗feinzackig · ↗feinzinkig
 ·  mit ›fein‹ als Letztglied: ↗allerfeinst · ↗extrafein · ↗haarfein · ↗hauchfein · ↗hochfein · ↗millimeterfein · ↗mittelfein · ↗piekfein · ↗spinnwebfein · ↗stadtfein · ↗staubfein · ↗stinkfein · ↗superfein · ↗unfein · ↗überfein
 ·  mit ›fein‹ als Grundform: ↗verfeinern
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
dünn, zart
Gegenwort zu grob
a)
Beispiele:
feines Garn, feine Wolle, Fäden
ein feines Gewebe
feine (Unter)wäsche, Strümpfe, Spitzen
eine feine Handarbeit
ein feines (= engmaschiges) Sieb, (Spinnen)netz
ein feiner (= engzinkiger) Kamm
etw. mit feinen Strichen skizzieren
ein feiner Strahl kommt aus dem Schlauch
Glas von feinstem Schliff
eine Pflanze, Hand, ein Körper ist fein gegliedert
ihr Gesicht ist fein geschnitten
jmd. hat feines Runzeln um die Augen
sie hat ein feines (= feingeschnittenes) Profil
eine feine Gestalt
feine Glieder
die feine Haut eines Kindes
ein feiner Teint
feine Röte überzog ihr Gesicht
mit feiner Stimme singen, antworten
der feine Ton wurde immer stärker
einen feinen Schmerz empfinden
jmd. lächelt fein
ein feines Lächeln huscht über ihr Gesicht
sprichwörtlich es ist nichts so fein gesponnen, es kommt doch ans Licht der Sonnen
auf der schönen Stirn zuckten feine, Geist verratende Falten [HesseUnterm Rad1,380]
Aus der Ecke ... drang ein feines Schlucken und Schluchzen [BecherAbschied4,342]
Die Realitäten des Lebens werden ... im sprachlichen Ausdruck feinstens nuanciert [KronasserSemasiologie115]
b)
aus kleinsten Partikeln bestehend
Beispiele:
feines Mehl, Pulver, Schrot, feiner Sand, Staub
feine Leberwurst
feiner Nebel
etw. fein (= sehr klein) zerreiben, mahlen
ein feiner, kalter Regen ging hernieder [Th. MannBuddenbrooks1,9]
2.
Einfühlungsvermögen, Zartgefühl zeigend, feinsinnig
Beispiele:
etw. fein bemerken, beobachten, unterscheiden
fein Verständnis für etw. zeigen, haben
eine feine Bemerkung, Beobachtung, Unterscheidung machen
ein feines (Sprach)gefühl, Empfinden, ein feiner Instinkt
in seinen Worten lag feiner Spott, Humor, feine Ironie, Schmeichelei
[der] Mann, den er als den feinsten Geist und stärksten Charakter Mailands, ja Italiens bewundert hatte [Ric. HuchConfalonieri13]
3.
sehr gut, von besonders hoher Qualität
Beispiele:
eine Ware ist sehr fein
eine feine Marke, Sorte
feine Weine, Rauchwaren, Speisen
feines (= reines) Silber, Gold
umgangssprachlich er ist ein feiner (= prächtiger) Kerl, Junge
spöttisch ihr seid ja eine feine Gesellschaft
spöttisch du befindest dich ja in feiner Gesellschaft
umgangssprachlich das ist eine feine Arbeit, Leistung
umgangssprachlich jmdm. etw. Feines mitbringen
umgangssprachlich das schmeckt, riecht fein
umgangssprachlich wie fein er singen, zeichnen kann, wenn er will
umgangssprachlich das hast du fein gemacht
umgangssprachlich das ist (aber) fein!
umgangssprachlich er ist jetzt fein heraus (= ihm gehtʼs gut)
umgangssprachlich sich fein machen (= sich gut anziehen)
umgangssprachlich er sieht (in diesem Anzug) fein aus
umgangssprachlich, salopp er ist fein in Schale (= gut angezogen)
Krebse seien viel feiner als Fische [WelkHeiden172]
Sie gäben gewiß einen feinen Soldaten ab [Th. MannKrull8,375]
umgangssprachlich wir arbeiten und die machen sich einen feinen Tag [M. WalserHalbzeit557]
4.
scharf, genau
Beispiele:
jmd. hat ein feines Gehör
eine feine Nase (für etw.) haben
ein Gerät, Instrument fein einstellen
Sie bekommt ein immer wachsameres und deshalb feineres Ohr für seine kleinen Unwahrhaftigkeiten [St. ZweigBalzac284]
5.
(angeblich oder wirklich) vornehm
Beispiele:
feine Leute, Herrschaften
die feine Welt war versammelt
ein feiner Herr, Mann, Mensch
eine feine Dame, Frau
salopp, abwertend ein feiner Pinkel, Hund, Hecht
feine Umgangsformen, Sitten, Manieren
er hat ein feines Benehmen, eine feine Lebensart, Redeweise
jmd. tut ungeheuer fein
sich zu fein für etw. dünken
er war ihr nicht fein genug
Tjaden ist derartig fein geworden, daß er die Zigarren nur halb aufraucht [RemarqueIm Westen235]
Er ist ein Drogist. Etwas Feineres [H. W. RichterSpuren263]
6.
umgangssprachlich listig, schlau
Beispiele:
ein feiner Plan, Schachzug
eine feine Schiebung
das ist fein ausgedacht, eingefädelt
Ich bin fein genug, daß ich sie hinterliste [ZahnDie da kommen293]
7.
adverbiell
umgangssprachlich hübsch, schön
Beispiele:
etw. fein säuberlich abschreiben, ausschneiden, aufheben
sei du mal fein still, ruhig! (= du hast keinen Grund, dich zu beklagen!)
Seine Art war es ... »fein deutsch mit der Sprache herauszugehen« [Th. MannFaustus6,130]
veraltet sehr
Beispiele:
jmdn. fein leiden können
Wenns nur fein viel [Geld] ist [LessingNathanII 2]
8.
adverbiell, partikelhaft
süddeutsch, umgangssprachlich ohne eigentliche Bedeutung; intensivierend; satzbelebend   aber, ja
Beispiele:
das ist fein nicht so
dass du es fein nicht verlierst!
komm fein nach Hause, bevor es dunkel wird!
Geflucht wird bei mir fein nicht [Hesse1,795]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

fein · Feinheit · verfeinern
fein Adj. ‘zart, zierlich, zerkleinert, genau’, mhd. fīn, vīn ‘fein, schön’, mnd. fīn ist aus afrz. fin ‘zart, rein, ausgezeichnet’ entlehnt. Zugrunde liegt lat. fīnis ‘Ende, Grenze’, aus dessen übertragenem Gebrauch ‘Äußerstes, höchste Vollendung’, z. B. fīnis honōrum ‘das Höchste an Ehren’, sich im Frz. adjektivischer Gebrauch entwickelt, daher afrz. fin Adj. eigentlich ‘von höchster Qualität’. S. auch ↗Finesse, ↗raffiniert. Feinheit f. ‘Zartheit, Zierlichkeit, Genauigkeit, Kleinheit’ (15. Jh.). verfeinern Vb. ‘feiner machen’ (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
fein · ↗gut · ↗manierlich · ↗positiv · ↗schön
Antonyme
  • fein
Synonymgruppe
fein · nur mit Feinsinn wahrnehmbar · ↗sublim · ↗subtil · ↗unterschwellig
Assoziationen
Synonymgruppe
empfindlich · fein · ↗filigran · ↗fragil · ↗grazil · ↗hauchfein · ↗sachte · ↗zart  ●  wie gehaucht  geh.
Synonymgruppe
engmaschig · fein · ↗hochauflösend
Assoziationen
Synonymgruppe
betont vornehm · ↗elegant · fein · ↗nobel · ↗vornehm  ●  ↗distinguiert  geh.
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
elegant · ↗exklusiv · ↗extravagant · fein · ↗mondän · ↗nobel · ↗vornehm
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Abstufung Adresse Anzug Dame Gespür Humor Ironie Kerl Küche Leder Lächeln Nase Nuance Restaurant Riß Sache Sand Sandstrand Staub Streife Tuch Unterscheidung Unterschied Verästelung Zwirn abgestimmt austariert gesponnen klein ziseliert

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›fein‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Sie haben ein fein ausbalanciertes System entwickelt, mit Emotionen umzugehen.
Die Zeit, 27.12.2010 (online)
Aber Größe ist ja nicht alles, und kleiner ist bekanntlich feiner.
Bild, 28.11.2005
Da muß man einschreiten, denn fein sind sie nicht untereinander.
Schmidt-Rogge, Carl H.: Dein Kind – Dein Partner, München: List 1973 [1969], S. 189
Und krumme Beine kriegen die feinen Kinder so bald überhaupt nicht.
Döblin, Alfred: Berlin Alexanderplatz, Olten: Walter 1961 [1929], S. 288
Die mit ihrer sogenannten feinen Bildung, die alles antasten, was uns Deutschen heilig ist!
Mann, Heinrich: Der Untertan, Gütersloh: Bertelsmann 1990 [1918], S. 69
Zitationshilfe
„fein“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/fein>, abgerufen am 24.05.2019.

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