feist
GrammatikAdjektiv
Aussprache
Wortbildung mit ›feist‹ als Erstglied: ↗Feisthirsch · ↗Feistzeit
eWDG, 1967

Bedeutungen

dick und prall, fett
Beispiele:
ein feister Kerl, Bürger, Mönch abwertend
jmd. hat feiste Hände, Arme, Finger, Backen abwertend
ein feister Nacken, Hals, Rücken, feistes Gesicht abwertend
feiste Erde, feister Ackerboden süddeutsch
ein feister Braten süddeutsch
seine schon etwas feist gewordene Gestalt [St. ZweigBalzac103] abwertend
umgangssprachlich, übertragen
Beispiele:
eine feiste Stimme
sein feistes Lächeln
Jägersprache
Beispiele:
ein feister Hirsch, Bock (= ein gut genährter Hirsch, Bock)
das Schwarzwild ist jetzt feist
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

feist Adj. ‘dick, prall, wohlgenährt’. Der im Nd. entstandenen Kontraktion ↗fett (s. d.) steht hd. feist gegenüber. Ahd. feiʒ(i)t (8. Jh.), mhd. veiʒ(e)t, anfrk. fēitit, aengl. fǣted (verkürzt zu fǣt(t), engl. fat) sind die unpräfigierten Formen des Part. Prät. (germ. *faitiða-) zu einem germ. jan-Verb, das ahd. nicht bezeugt, aber durch mhd. veiʒen ‘fett machen, mästen’, anord. feita vertreten ist. Dieses Verb ist seinerseits von einem Adjektiv germ. *faita- abgeleitet, das ahd. ebenfalls nicht erhalten, aber durch mhd. veiʒ ‘gemästet, beleibt, fett’, mnd. veet, anfrk. fēit, anord. feitr, schwed. fet belegt ist; vgl. Linke in: PBB (H) 82 (1961) Sonderbd., 235 ff. Luther verwendet feist und fett nebeneinander; in moderner Sprache wird feist vorwiegend auf wohlgenährte Menschen und in der Jägersprache auf Tiere der hohen Jagd bezogen (feister Hirsch, aber fetter Hase). Wie fett geht auch feist auf die Erweiterung ie. *poid-, *pī̌d- der Wurzel ie. *pei-, *pei̯(ə)-, *pī̃- ‘fett sein, strotzen’ zurück. Außergerm. Verwandte sind griech. pī́dax (πῖδαξ) ‘Quelle’, aind. páyatē ‘schwillt, strotzt’, pīnáḥ ‘fett, dick’, lit. pýti ‘Milch bekommen (von Kühen), feucht und weich werden (vom Erdboden)’.

Thesaurus

Medizin
Synonymgruppe
an Fettsucht leidend · ↗fettleibig · hochgradig übergewichtig · ↗korpulent  ●  ↗adipös  fachspr. · ↗fett  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
beleibt · dick und fett (verstärkend) · ↗dickbäuchig · ↗dickleibig · ↗drall · ↗fettleibig · ↗füllig · ↗korpulent · ↗kugelrund · ↗mollig · ↗schmerbäuchig · ↗wohlbeleibt · ↗wohlgenährt · über Normalgewicht · ↗übergewichtig · ↗üppig  ●  ↗dick  Hauptform · ↗stark  verhüllend · ↗stattlich  verhüllend · ↗vollschlank  verhüllend · ↗wohlgerundet  verhüllend · (etwas) auf den Rippen haben  ugs., variabel · ↗adipös  fachspr., medizinisch · aus der Form geraten  ugs. · ↗fett  derb · gut gepolstert  ugs., ironisch · ↗wampert  ugs., bair.
Assoziationen
DWDS-Wortprofil

Typische Verbindungen
computergeneriert

Backen Bauch Doktor Gesicht Grinsen Herr Kerl Kinn Körper Leib Nacken Putten Schenkel Spießer Typ Wangen dick fett glatten grinsen grinsende satten

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›feist‹.

DWDS-Beispielextraktor

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Es ist ein unsicheres Land, ein feistes Land, ein Land auf der Suche.
Die Zeit, 08.12.2005, Nr. 50
Der feiste Ami quetscht sich in Shorts, nun, ob das die Evolution vorantreibt, ist noch offen.
Süddeutsche Zeitung, 03.05.2001
Und sieben Mädchen trippeln um ihn herum, jung, schlank, mit Öl gesalbt, und eine ist dabei, feist wie ein praller Sack.
Tucholsky, Kurt: Kino privat. In: Kurt Tucholsky, Werke - Briefe - Materialien, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1930]
Den Hintern fühlte er feist und glatt in den Händen.
Born, Nicolas: Die Fälschung, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1980 [1979], S. 55
Er malte sich die Spuren seiner Finger auf ihrer feisten, gemästeten, glänzenden Wange aus.
Canetti, Elias: Die Blendung, München: Hanser 1994 [1935], S. 67
Zitationshilfe
„feist“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/feist>, abgerufen am 20.11.2017.

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