fett
GrammatikAdjektiv
Wortbildung mit ›fett‹ als Erstglied: ↗Fettbauch · ↗Fettdruck · ↗Fettschwein · ↗fettgedruckt · ↗fettleibig
 ·  mit ›fett‹ als Letztglied: ↗halbfett · ↗vollfett
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
reich an Fett, fettreich
Beispiele:
fettes Fleisch, fette Sahne, fetter Käse
fette Kost, fettes Essen
eine fette Mahlzeit, Brühe
fett essen, leben
Der Fraß ist fett, gut gekocht [MarchwitzaJugend352]
bildlich
Beispiel:
das macht den Kraut, Kohl (auch) nicht fett! (= das hilft, ändert nicht viel!) umgangssprachlich
übertragen
Beispiele:
fette Kohle (= kohlenstoffreiche Kohle)
fetter Beton (= Beton, der wenig Sand enthält)
ein fettes (Benzin)gemisch (= ein (Benzin)gemisch mit viel Öl)
fetter Ton (= sehr verdichteter, sich fettig anfühlender Ton)
2.
umfangreich, sehr dick
a)
wohlgenährt
Gegenwort zu mager
Beispiele:
ein fettes Schwein, Schaf
fette Gänse, Enten
ein fetter Mensch, Mann abwertend
eine fette Person abwertend
jmd. hat fette Finger, Hände, Arme, einen fetten Bauch abwertend
jmd. hat einen fetten Wanst vulgär, abwertend
eine Frau mit fettem Gesicht
dick und fett sein
er wird täglich fetter
sich dick und fett essen salopp
sich dick und fett fressen vulgär
selber essen macht fett umgangssprachlich, scherzhaft, sprichwörtlich
b)
durch die Größe auffällig, stark ins Auge fallend
Beispiele:
fette Überschriften, Schlagzeilen
etw. mit fett Lettern, Buchstaben drucken, schreiben
im kleineren dieser Rechtecke steht ein fettes schwarzgedrucktes R [BöllWaage61]
Einladungen in Kupferdruck auf Atlaspapier, auf dem sich breit und fett Salomon Gebert und Frau die Ehre gaben [G. HermannGebert404]
c)
üppig
Beispiele:
Fette Henne
eine fette Wiese, Weide
fettes Gras, fetter Klee, Weizen
[er] betrachtete ... die fetten gelben Maiblumen im Grase [A. ZweigRegenbogen11]
umgangssprachlich, übertragen
Beispiele:
er spricht mit fetter Stimme
[er] schlug seine helle, fette Lache auf [Feuchtw.Nero180]
ein paar Ansätze fetten Hustens [Storm3,95]
3.
fruchtbar, ergiebig
Beispiele:
fetter Boden, fette Erde
ein fetter Landstrich
solche schöne Meierhöfe um Frankfurt und im fetten Oderbruch [AlexisRoland2,210]
umgangssprachlich, übertragen sehr einträglich, gewinnbringend
Beispiele:
das ist ein fetter Posten, fettes Amt
jmd. hat eine fette Stelle, Pfründe
ein fetter Gewinn
eine fette Erbschaft antreten, machen
fette Dividenden, Prozente abschöpfen
ein fettes Stipendium einheimsen
jmdm. einen fetten Braten, Brocken, Bissen wegschnappen
das ist eine fette Beute
Neidlos zog er an den fettesten und anmutigsten Pfarren vorüber ins Hauslehrertum [RaabeHungerpastorI 1,352]
Der Tiches aus den Jahren 1948 bis 1955, die man als seine sieben fettesten Jahre bezeichnen kann [HartungWunderkinder207]
4.
landschaftlich, (besonders) berlinisch, salopp, derb betrunken
Beispiele:
fett sein
Hejemann wah jleich fett ... mit die andern konnt ick noch redn [TucholskyGestern u. Morgen44]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

fett · Fett · fetten · fettig · Fettigkeit · Fettnäpfchen
fett Adj. ‘sehr beleibt, dick, fetthaltig (von Speisen)’. Das ursprünglich nur nd. Adjektiv (gegenüber hd. feist), vgl. mnd. vet, nd. fett, mnl. nl. vet, ist wie die unter ↗feist (s. d.) genannten Formen durch Kontraktion der Partizipialform germ. *faitiða- entstanden. Seit dem 14. Jh. ist fett in md. Texten nachzuweisen, seine Ausbreitung in das hd. Sprachgebiet nimmt durch Luther zu; heute allgemein üblich. Aus dem Adjektiv gebildet Fett n. ‘organisches (aus Estern des Glyzerins und Fettsäuren bestehendes, tierisches oder pflanzliches) Produkt’, mnd. vet, vette, nl. vet, im Hd. zuerst im 15. Jh. Häufig in Redensarten (ursprünglich wohl abschwächend für ‘Schläge, Prügel’) sein Fett kriegen (18. Jh.), jmdm. sein Fett geben (19. Jh.). fetten Vb. ‘mit Fett versehen’, mhd. vetten, vetzen, mnd. vetten. fettig Adj. ‘fett (von Speisen), mit Fett beschmiert’ (16. Jh.). Fettigkeit f. ‘Fettsein’, spätmhd. veticheit (14. Jh.). Fettnäpfchen n. ‘Behälter für Fett’; ins Fettnäpfchen treten, eigentl. wohl in den Napf mit Stiefelfett, dann übertragen ‘sich ungeschickt verhalten, sich unbeliebt machen’ (19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
beleibt · dick und fett (verstärkend) · ↗dickbäuchig · ↗dickleibig · ↗drall · ↗feist · ↗fettleibig · ↗füllig · ↗korpulent · ↗kugelrund · ↗mollig · ↗schmerbäuchig · ↗wohlbeleibt · ↗wohlgenährt · über Normalgewicht · ↗übergewichtig · ↗üppig  ●  ↗dick  Hauptform · ↗stark  verhüllend · ↗stattlich  verhüllend · ↗vollschlank  verhüllend · ↗wohlgerundet  verhüllend · (etwas) auf den Rippen haben  ugs., variabel · ↗adipös  fachspr., medizinisch · aus der Form geraten  ugs. · fett  derb · gut gepolstert  ugs., ironisch · ↗wampert  ugs., bair.
Assoziationen
Antonyme
Synonymgruppe
fett (Boden) · ↗schwer (Speisen)
Medizin
Synonymgruppe
an Fettsucht leidend · ↗feist · ↗fettleibig · hochgradig übergewichtig · ↗korpulent  ●  ↗adipös  fachspr. · fett  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
ansehnlich (Rente, Pension, Tantiemen, Diäten) · ↗großzügig · reichlich bemessen · ↗üppig  ●  ↗dick  ugs., fig. · fett  ugs., fig.
Assoziationen
DWDS-Wortprofil

Typische Verbindungen
computergeneriert

Arsch Beats Beute Bissen Braten Brocken Brot Ente Essen Gans Happen Henne Hintern Karpfen Kater Lettern Pfründen Sau Schlagzeilen Schwein Speck Weiden Wurst dick faul gedruckten häßlich kursiv magere Überschrift

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›fett‹.

DWDS-Beispielextraktor

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die Fetten sind fetter und die Schwachen sind schwächer geworden.
Die Welt, 22.01.2002
Der ist fett, ihm gehen die Haare aus, und wenn er anfängt, ein Lied zu singen, ist er der schönste Mann auf der Welt.
Der Tagesspiegel, 19.12.1999
Der war in jener vergangenen Zeit ein fetter Mime der Frömmigkeit.
Tucholsky, Kurt: Was dem Lakaien seine Livree ist der Republik ihre Sieges-Allee. In: ders., Kurt Tucholsky, Werke - Briefe - Materialien, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1929], S. 6795
Wer früh damit beginnt, wird auch in den sieben fetten Jahren maßhalten können.
Reznicek, Paula von u. Reznicek, Burghard von: Der vollendete Adam. In: Zillig, Werner (Hg.) Gutes Benehmen, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1928], S. 17111
Aber auch in einem solchen Moment konnte ich nicht unterlassen, die kleinen fetten Hände zu bewundern.
Bebel, August: Aus meinem Leben. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1910], S. 21945
Zitationshilfe
„fett“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/fett>, abgerufen am 15.12.2017.

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