flüchten

GrammatikVerb · flüchtete, ist/hat geflüchtet
Aussprache
Worttrennungflüch-ten (computergeneriert)
Wortbildung mit ›flüchten‹ als Erstglied: ↗Flüchtling  ·  mit ›flüchten‹ als Letztglied: ↗hinausflüchten · ↗hineinflüchten · ↗hinüberflüchten · ↗wegflüchten · ↗zurückflüchten
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
mit Hilfsverb ›ist‹
sich durch Flucht in Sicherheit bringen, fliehen
Beispiele:
er musste (plötzlich, eiligst, Hals über Kopf) flüchten
wann ist er geflüchtet?
er ist vor der herankommenden Flut, dem Bienenschwarm, der Feuersbrunst geflüchtet
sie war zunächst zu ihrem Sohn geflüchtet
auf einen Berg, in einen Keller, unter ein schützendes Dach flüchten
Alles rennet, rettet, flüchtet [SchillerGlocke]
mit Hilfsverb ›hat‹
sich flüchten
Beispiele:
sie hatte sich zu ihrem Sohn, in seine Arme geflüchtet
er hat sich hinter eine Mauer, in die Wälder, unter ein schützendes Dach geflüchtet
das flüchtende Wild
die Flüchtenden einholen, zurückholen
Alle andern hatten sich kreischend geflüchtet und standen nun nackt an den Wänden [TralowKepler255]
bildlich
Beispiele:
er flüchtet sich in die Arbeit
Sich so schnell wie möglich in Sachwerte zu flüchten (= Sachwerte zu kaufen) [RemarqueSchwarzer Obelisk385]
2.
mit Hilfsverb ›hat‹
veraltet etw., jmdn. durch Flucht in Sicherheit bringen, retten
Beispiele:
Gottlob! Noch etwas weniges hat man / Geflüchtet – vor den Fingern der Kroaten [SchillerPiccolominiI 2]
es war eine so hastig belebte Einfuhr, wie wenn bei aufsteigendem Gewitter das Heu von der nahen Wiese gleich auf der Gabel in die Scheune geflüchtet wird [G. KellerKleider machen Leute6,300]
er möge unseren Herrn in jenes Land flüchten [le FortPapst179]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Flucht1 · flüchten · flüchtig · Flüchtigkeit · verflüchtigen · Flüchtling · Zuflucht · Ausflucht
Flucht1 f. ‘das Fliehen’, ahd. fluht (9. Jh.), mhd. vluht, asächs. fluht, mnd. mnl. nl. vlucht, engl. flight (westgerm. *fluhti-) ist ein mit ti-Suffix und Ablaut gebildetes Abstraktum zu dem unter ↗fliehen (s. d.) behandelten Verb. flüchten Vb. ‘sich oder etw. retten, in Sicherheit bringen, Schutz suchen, fliehen’, ahd. fluhten ‘vertreiben, austreiben’ (9. Jh.), mhd. vlühten, auch ‘fliehen’. flüchtig Adj. ‘auf der Flucht befindlich’, daher übertragen ‘schnell und ungenau, oberflächlich’, ahd. fluhtīg ‘fliehend’ (9. Jh.), mhd. vlühtec, vlühtic; Flüchtigkeit f. ‘Schnelligkeit’ (16. Jh.), dann ‘Oberflächlichkeit’; verflüchtigen Vb. ‘(sich) in seine Bestandteile, in Dampf auflösen, in gasförmigen Zustand übergehen bzw. überführen’ (18. Jh.), älter ‘fliehen’ (15. Jh.); vgl. mhd. vlühtegen ‘in die Flucht schlagen’ und vervlühtic ‘flüchtig’. Flüchtling m. ‘wer sich auf der Flucht befindet oder geflohen ist’ (17. Jh.). Zuflucht f. ‘Schutz(ort), Unterschlupf, Hilfe’; ahd. zuofluht (8. Jh.), mhd. zuovluht ist Übersetzung von lat. refugium der Bibel und verläßt erst im 14. Jh. den biblisch-religiösen Bereich. Ausflucht f. ‘Ausrede, Vorwand’, in dieser und anfangs noch in der eigentlichen Bedeutung ‘heimliches Entrinnen’ seit dem 15. Jh. belegt; doch vgl. schon ahd. ūʒfluht ‘Flucht, Ausweg zur Flucht, Gelegenheit, sich zu retten’ (8. Jh.) sowie spätmhd. ūʒvliehen ‘entfliehen, sich in Sicherheit bringen’ (14. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(das) Weite suchen · die Flucht ergreifen · ↗entkommen · ↗fliehen · flüchten · ↗weglaufen · zu entkommen versuchen  ●  Fersengeld geben  veraltend · (sich) aus dem Staub machen  ugs. · ↗(sich) dünn(e) machen  ugs. · ↗(sich) verdrücken  ugs. · ↗abhauen  ugs. · ↗ausfliegen  ugs., ironisch · ↗stiften gehen  ugs. · ↗türmen  ugs. · ↗verduften  ugs. · zu entkommen suchen  geh.
Assoziationen
Synonymgruppe
abhauen · auf der Flucht sein · flüchten · ↗verschwinden

Typische Verbindungen
computergeneriert

Auto Beute Bewohner Dach Dieb Exil Fahrer Fahrrad Frauenhaus Freie Fuß Gangster Kabine Komplize Nazi Panik Richtung Räuber Sarkasmus Tausend Täter Wald Weste anschließend daraufhin erbeuten rauben unerkannt weiterflüchten zurückflüchten

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›flüchten‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Als die Beamten eintrafen, versuchten mehrere Gäste sofort zu flüchten.
Bild, 06.08.2005
Dort wurde es von dem Mann sexuell missbraucht, anschließend flüchtete er.
Der Tagesspiegel, 16.09.2003
Obwohl ich alles sehen wollte, flüchtete ich ein Leben lang davor, gezeigt zu werden.
Stadler, Arnold: Sehnsucht, Köln: DuMont Literatur und Kunst Verlag 2002, S. 163
Am Ende flüchtet er sich in die Arme der Muse.
Fath, Rolf: Rollen - H. In: Reclams Opernlexikon, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1998], S. 9830
Ihr selbst seid die Freiheit: Ihr braucht nicht zu flüchten, ihr braucht nichts zu verbergen.
Rubiner, Ludwig: Die Gewaltlosen. In: Deutsche Literatur von Lessing bis Kafka, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1919], S. 16604
Zitationshilfe
„flüchten“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/flüchten>, abgerufen am 19.10.2019.

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