flüchtig

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungflüch-tig
Wortbildung mit ›flüchtig‹ als Erstglied: ↗Flüchtigkeit  ·  mit ›flüchtig‹ als Letztglied: ↗fahnenflüchtig · ↗landesflüchtig · ↗landflüchtig · ↗republikflüchtig · ↗weltflüchtig
 ·  mit ›flüchtig‹ als Grundform: ↗verflüchtigen
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
auf der Flucht befindlich, geflüchtet
Beispiele:
das flüchtige Wild
er war flüchtig geworden
der Flüchtige konnte gefasst werden
Der Enkel Rudolfs, meines Herrn und Kaisers, / Als Mörder flüchtig, hier an meiner Schwelle [SchillerTellV 2]
Das Dorf war bereits verbrannt, die Bevölkerung zum Teil tot oder flüchtig [SeghersDie Toten6,38]
2.
eilig, schnell
Beispiele:
das war nur ein flüchtiger Besuch
der flüchtige Gruß galt ihm
mit flüchtiger Feder schreiben
ich bin ihm nur flüchtig vorgestellt worden
Die Umarmung war flüchtig [J. RothRadetzkymarsch364]
als sie sich umwandte ... tippte sie flüchtig mit einem Finger an die Stirn [BöllWaage53]
eilig und daher nicht genau
Beispiele:
einen flüchtigen Blick auf etw., jmdn. werfen
ich hatte nur einen flüchtigen Eindruck, Einblick
jmdm. eine flüchtige Probe geben
nach flüchtiger Durchsicht
ein Buch nur flüchtig lesen
eine Frage nur flüchtig behandeln, berühren
jmdn. nur flüchtig kennen
etw., jmdn. flüchtig ansehen, mit den Augen flüchtig streifen
ich hatte mich flüchtig umgesehen
Delamarche kam sogar eilig, mit nur flüchtig zugezogenem Schlafrock [KafkaAmerika277]
oberflächlich und fehlerhaft
Beispiele:
eine flüchtige Arbeit
der flüchtige Aufsatz des Schülers
er arbeitet zu flüchtig
3.
rasch vorübergehend, vergänglich
Beispiele:
flüchtige Minuten, Freuden
flüchtige Stimmungen
Was ihn zu Eugénie Maillart zog, war mehr als flüchtige Laune [Feuchtw.Narrenweisheit292]
Leider nur sind sie [die Ideale der Jugend] flüchtig, flüchtig wie Aprilsonnenschein [G. Hauptm.WeberIV]
4.
Chemie rasch verdunstend
Beispiele:
flüchtige Stoffe, Öle
Äther ist leicht flüchtig
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Flucht1 · flüchten · flüchtig · Flüchtigkeit · verflüchtigen · Flüchtling · Zuflucht · Ausflucht
Flucht1 f. ‘das Fliehen’, ahd. fluht (9. Jh.), mhd. vluht, asächs. fluht, mnd. mnl. nl. vlucht, engl. flight (westgerm. *fluhti-) ist ein mit ti-Suffix und Ablaut gebildetes Abstraktum zu dem unter ↗fliehen (s. d.) behandelten Verb. flüchten Vb. ‘sich oder etw. retten, in Sicherheit bringen, Schutz suchen, fliehen’, ahd. fluhten ‘vertreiben, austreiben’ (9. Jh.), mhd. vlühten, auch ‘fliehen’. flüchtig Adj. ‘auf der Flucht befindlich’, daher übertragen ‘schnell und ungenau, oberflächlich’, ahd. fluhtīg ‘fliehend’ (9. Jh.), mhd. vlühtec, vlühtic; Flüchtigkeit f. ‘Schnelligkeit’ (16. Jh.), dann ‘Oberflächlichkeit’; verflüchtigen Vb. ‘(sich) in seine Bestandteile, in Dampf auflösen, in gasförmigen Zustand übergehen bzw. überführen’ (18. Jh.), älter ‘fliehen’ (15. Jh.); vgl. mhd. vlühtegen ‘in die Flucht schlagen’ und vervlühtic ‘flüchtig’. Flüchtling m. ‘wer sich auf der Flucht befindet oder geflohen ist’ (17. Jh.). Zuflucht f. ‘Schutz(ort), Unterschlupf, Hilfe’; ahd. zuofluht (8. Jh.), mhd. zuovluht ist Übersetzung von lat. refugium der Bibel und verläßt erst im 14. Jh. den biblisch-religiösen Bereich. Ausflucht f. ‘Ausrede, Vorwand’, in dieser und anfangs noch in der eigentlichen Bedeutung ‘heimliches Entrinnen’ seit dem 15. Jh. belegt; doch vgl. schon ahd. ūʒfluht ‘Flucht, Ausweg zur Flucht, Gelegenheit, sich zu retten’ (8. Jh.) sowie spätmhd. ūʒvliehen ‘entfliehen, sich in Sicherheit bringen’ (14. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
floatend · flüchtig · frei flottierend · nicht durchgängig (zu beobachten) · nicht in der Konstanz · nicht kalkulierbar · nicht kontinuierlich · nicht persistent · nicht verlässlich · nicht vorhersehbar · schwankend · ↗sporadisch · ↗sprunghaft · ↗unbeständig · ↗unstet · vagabundierend · ↗volatil  ●  mal so, mal so  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
(nur) oberflächlich · ↗en passant · flüchtig · im Vorbeigehen · im Vorübergehen · mal kurz · nur mal eben kurz  ●  zwischen Tür und Angel  fig.
Assoziationen
  • am Rande · ↗beiläufig · ↗en passant · im Vorbeigehen · im Vorübergehen · ↗nebenbei · ↗nebenher · ↗nebenhin  ●  mal eben nebenbei  ugs.
  • hastig · ↗hektisch (Adv.) · in Windeseile · in aller Eile · ohne (viel) nachzudenken · übereilt · überhastet · überstürzt  ●  Hals über Kopf  ugs. · ↗holterdiepolter  ugs. · in fliegender Hast  geh.
  • oberflächlich · ohne Einzelheiten zu nennen · ohne auf (die) Details einzugehen · undetailliert
Synonymgruppe
ephemer · flüchtig · ↗kurzlebig · ↗schnelllebig · sich häufig ändernd · ↗transitorisch · ↗vergänglich
Assoziationen
  • (für) eine Weile · (nur) eine Übergangslösung · (nur) für den Übergang · eine Zeit lang · für eine Übergangszeit · keine endgültige Lösung · ↗kurzzeitig · nicht auf Dauer · nicht dauerhaft · nicht für die Ewigkeit (gedacht) · nicht für immer · nicht von Dauer · ↗temporär · zeitlich begrenzt · ↗zeitweilig · zur Überbrückung · ↗übergangsweise  ●  ↗(nur) vorübergehend  ugs. · ↗transient  geh.
  • kurzlebig · schnell vorbei  ●  ↗Eintagsfliege  fig. · ↗Strohfeuer  fig.
Synonymgruppe
flüchtig · ↗kursorisch · nicht dauerhaft · ↗rasch · ↗unbeständig
Assoziationen
Synonymgruppe
flüchtig · ↗leichthin · mal eben · ↗nachlässig · ↗nebenbei · ↗obenhin · ↗oberflächlich · ↗unaufmerksam  ●  ↗hudelig  ugs. · ↗hudlig  ugs. · ↗schluderig  ugs. · ↗schludrig  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
abgehauen · ↗abwesend · auf der Flucht · auf und davon · ausgerissen · durchgebrannt · ↗entflohen · ↗entkommen · flüchtig · ↗fort · geflohen · geflüchtet · hat sich abgesetzt · hat sich der Strafverfolgung entzogen · nicht da · weggelaufen  ●  ↗abgängig  Amtsdeutsch · ↗absent  veraltet · ausgeflogen  fig. · (und) ward nicht mehr gesehen (pseudo-literarisch)  geh., Spruch, scherzhaft · ausgebüxt  ugs. · entfleucht  geh., altertümelnd, scherzhaft · getürmt  ugs., Jargon · nicht mehr da  ugs. · stiften gegangen  ugs., regional · ↗weg (= fortgelaufen, weggefahren)  ugs., Hauptform · über alle Berge  ugs., fig.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Augenblick Bankräuber Begegnung Bekannter Bekanntschaft Berührung Betrachter Betrachtung Blick Durchblättern Erscheinung Ex-Staatssekretär Haupttäter Hinsehen Händedruck Impression Kohlenwasserstoff Komplize Kriegsverbrecher Kuß Mörder Skizze Straftäter Tatverdächtige Teilchen Täter Verbrecher Verdächtige hingeworfen streifen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›flüchtig‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Schließlich haben sich die beiden in den letzten Tagen flüchtig kennengelernt.
Venske, Regula: Marthes Vision, Frankfurt am Main: Eichborn Verlag 2006, S. 10
Ein dritter Täter, etwa 16 Jahre alt, ist noch flüchtig.
Der Tagesspiegel, 05.05.2000
Die Beamten befreiten sie, konnten die flüchtigen Täter aber nicht mehr schnappen.
Süddeutsche Zeitung, 27.11.1998
Von jener allein gibt es eine Wissenschaft, von dieser dagegen, von der geschichtlichen Welt, nur flüchtiges Meinen.
Gigon, Olof: Das hellenische Erbe. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1962], S. 8220
Ich hatte ihn erst einmal flüchtigst vor Monaten gesehen, ich hielt ihn für einen jungen Studenten.
Klemperer, Victor: [Tagebuch] 1951. In: ders., So sitze ich denn zwischen allen Stühlen, Berlin: Aufbau-Verl. 1999 [1951], S. 172
Zitationshilfe
„flüchtig“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/flüchtig>, abgerufen am 13.12.2019.

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