Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

flegelhaft

Grammatik Adjektiv
Aussprache 
Worttrennung fle-gel-haft
Wortzerlegung Flegel1 -haft
Wortbildung  mit ›flegelhaft‹ als Erstglied: Flegelhaftigkeit
eWDG

Bedeutung

abwertend wie ein Flegel, ungezogen
Beispiele:
er benahm sich flegelhaft
ein flegelhafter Junge
flegelhafte Manieren, Äußerungen, Bemerkungen
der Schüler erhielt wegen flegelhaften Benehmens einen Eintrag ins Klassenbuch
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Flegel · Flegelei · flegelhaft · Flegeljahre · flegeln
Flegel m. ‘Werkzeug zum Dreschen, Mensch ohne Takt und Manieren, Lümmel’, ahd. flegil (10. Jh.), mhd. vlegel, asächs. flegil, mnd. vlēgel, mnl. vlēghel, nl. vlegel, engl. flail haben ihren Ausgangspunkt in lat. flagellum ‘Peitsche, Geißel’ (Deminutivum zu gleichbed. lat. flagrum). Wegen der Ähnlichkeit in der Handhabung wird die Bezeichnung im Spätlat. auf das Dreschinstrument erweitert und dann mit der Sache ins Roman. und Germ. überommen. Die herabsetzende Identifizierung des Bauern mit einem seiner Hauptarbeitsinstrumente führt im 16. Jh. zu der übertragenen Bedeutung ‘Bauer, Grobian’ (vgl. auch Bauernflegel, 16. Jh.). Als eindeutige Bezeichnung für das Instrument entsteht die Zusammensetzung Dreschflegel (s. d.). Flegelei f. ‘grobe Unart’ (17. Jh.). flegelhaft Adj. ‘ungezogen, grob’ (19. Jh.), älter flegelhaftig (17. Jh.). Flegeljahre Plur. ‘Zeit jugendlicher Unreife, Pubertät’ (18. Jh.). flegeln Vb. geläufiger sich flegeln (19. Jh.), sich hinflegeln (18. Jh.) ‘sich unanständig, lümmelhaft hinsetzen, hinlegen’; mhd. vlegelen ‘dreschen’.

Thesaurus

Synonymgruppe
bübisch · flegelhaft · lausbubenhaft · lümmelhaft · unmanierlich  ●  rotzfrech  ugs. · rotzig  ugs. · rotznäsig  ugs. · schnöselig  ugs.
Synonymgruppe
abweisend · barsch · brüsk · derb · flegelhaft · forsch · grob · grobklotzig · grobschlächtig · gröblich · kurz angebunden · rau · raubeinig · rauborstig · ruppig · rüde · rüpelhaft · schroff · uncharmant · unflätig · unfreundlich · ungalant · ungehobelt · ungeschliffen · unhöflich · unsanft · unwirsch · unzivilisiert · wenig galant · wirsch  ●  nicht (gerade) die feine englische Art  fig. · bärbeißig  geh., fig. · hantig  ugs., bayr. · harsch  geh. · hau-drauf-mäßig  ugs. · in Wildwest-Manier  ugs. · nassforsch  geh. · pampig  ugs. · raubauzig  ugs. · rotzig  ugs. · rustikal  ugs., scherzhaft-ironisch · wie die Axt im Walde  ugs.

Typische Verbindungen zu ›flegelhaft‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›flegelhaft‹.

Verwendungsbeispiele für ›flegelhaft‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Obwohl ich das klaglos tue, geht Tim manchmal sehr flegelhaft mit mir um. [Die Zeit, 25.06.2008, Nr. 27]
Wütend hat er damals das flegelhafte Verhalten der Berliner beklagt. [Süddeutsche Zeitung, 18.04.1994]
Es klingt wie die Klage einer Mutter über ihre flegelhaften Kinder. [Der Tagesspiegel, 10.03.2000]
Der Erzähler ärgert sich über das flegelhafte Benehmen der etwa fünfzigjährigen Deutschen, aber hat keine Lust zu streiten. [Die Zeit, 01.11.2010, Nr. 44]
Die Tories betrugen sich nicht eben gentlemanlike und forderten sie ziemlich flegelhaft auf, Schluß zu machen. [Die Zeit, 27.01.1992, Nr. 04]
Zitationshilfe
„flegelhaft“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/flegelhaft>.

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