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flennen

Grammatik Verb
Aussprache 
Worttrennung flen-nen
Wortbildung  mit ›flennen‹ als Erstglied: Flennerei  ·  mit ›flennen‹ als Letztglied: Geflenn · Geflenne · anflennen · ausflennen
eWDG

Bedeutung

umgangssprachlich, abwertend (mit verzogenem Gesicht) weinen
Beispiele:
das Kind fing gleich an zu flennen
der Junge flennt bei jeder Gelegenheit
was gibt es denn zu flennen?
hör auf zu flennen!
wie der [der Vater] dann im Krieg gefallen ist, da haben dann all seine Mädelchen … geflennt [ SeghersSiebtes Kreuz4,141]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

flennen Vb. ‘weinen’, ein Wort der Mundart, das in der Literatursprache erst im 16. Jh. greifbar wird. Verwandt sind ahd. flannēn ‘den Mund verziehen’ (um 1000), mhd. vlans ‘Mund, Maul’, nhd. Flunsch ‘schmollend verzogener Mund’, frühnhd. Flenner ‘wer weint, heult’ (15. Jh.). flennen gilt zunächst gleichermaßen für ‘weinen’ und ‘lachen’; erst im 18. Jh. setzt sich allgemein ‘weinen’ durch. Die Herleitung ist ungesichert.

Thesaurus

Synonymgruppe
(es) fließen Tränen · Tränen vergießen · jammern · schluchzen · schreien (Baby) · weinen (vor) · wimmern  ●  (jemandem) laufen die Tränen (über das Gesicht)  variabel · weinen (über)  Hauptform · (jemandem) kullern die Tränen (über das Gesicht)  ugs., fig., variabel · (sich) ein Tränchen verdrücken  ugs. · barmen  geh., poetisch · bläken  ugs., abwertend, regional · das heulende Elend haben  ugs. · flennen  ugs., regional · greinen  ugs. · heulen  ugs. · leise weinend (in der Ecke)  ugs., floskelhaft · plieren  ugs. · plinsen  ugs., norddeutsch · plärren  ugs., abwertend, regional
Oberbegriffe
Assoziationen
  • Tränchen  abwertend · Träne  Hauptform · Zähre  veraltet
  • Traurigkeit heucheln  ●  (den) Traurigen mimen  ugs. · (sich) ein paar Tränchen verdrücken  ugs. · Krokodilstränen vergießen  ugs., Hauptform · Krokodilstränen weinen  ugs. · auf traurig machen  ugs.
  • bejammern · klagen · wehklagen · zetern  ●  jammern  Hauptform · lamentieren  abwertend · barmen  geh., veraltend, regional, literarisch · heulen  ugs. · janke(r)n  ugs. · raunzen  ugs., österr.
  • gefühlig · gekünstelt · im Überschwang der Gefühle · melodramatisch · seelenvoll · sentimental · theatralisch  ●  gefühlsbetont  Hauptform · gefühlskitschig  abwertend · kitschig  abwertend · larmoyant  abwertend · mit reichlich Herz und Schmerz  scherzhaft-ironisch · rührstückhaft  abwertend · schmalzig  abwertend · tränenselig  ironisierend · gefühlsbesoffen  ugs., abwertend · gefühlsduselig  ugs., abwertend · mit Pipi inne Augen  ugs., ruhrdt.
  • herumjanken · janken · keine Ruhe geben  ●  (rum)knöttern  ugs., ruhrdt. · (rum)quaken  ugs. · herumquengeln  ugs. · quengeln  ugs., Hauptform
  • (sich die) Augen aus dem Kopf weinen · Rotz und Wasser heulen · Ströme von Tränen vergießen · dicke Tränen vergießen · heiße Tränen vergießen · heiße Tränen weinen · hemmungslos weinen · heulen wie ein Schlosshund · in Tränen aufgelöst sein · in Tränen schwimmen  ●  (die) Tränen laufen jemandem (nur so) übers Gesicht  variabel · (sich die) Augen ausweinen  fig. · (sich) in Tränen auflösen  fig. · alle Schleusen öffnen  fig · bittere Tränen vergießen  veraltend · heftig weinen  Hauptform · in Tränen zerfließen  fig. · hemmungslos losheulen  ugs.
  • (sich) ausweinen (bei jemandem)  auch figurativ · (sich) ausheulen (bei jemandem)  ugs., auch figurativ
  • (jemandem etwas) vorweinen  ●  (jemandem etwas) vorjammern  abwertend · (jemandem etwas) vorheulen  ugs.
  • (sich) eine Träne aus dem Augenwinkel wischen · feuchte Augen bekommen · nasse Augen bekommen  ●  dem Weinen nahe sein  Hauptform · Pipi in die Augen bekommen  derb
  • (jemandem) stehen die Tränen in den Augen · (jemandem) steht das Wasser in den Augen · Tränen in den Augen haben · feuchte Augen haben  ●  nasse Augen haben  Hauptform · Pipi in den Augen haben  derb
  • (sich) in den Schlaf weinen · (sich) müde weinen
  • fiepen · jaulen · wimmern · winseln
  • (jemandem / einer Sache) hinterhertrauern · (jemandem) nachhängen · (sich) (wehmütigen Gedanken) hingeben · nachtrauern · nachweinen
  • bei jeder Kleinigkeit weinen · immer gleich weinen · oft weinen · schnell weinen · sofort weinen (müssen)  ●  nah(e) am Wasser gebaut haben  Hauptform, fig.
  • gefühlsbeladen · gefühlsselig · gefühlvoll · rührselig · schmalzig · schnulzig · sentimental  ●  auf die Tränendrüse drücken(d)  ugs., fig.

Verwendungsbeispiele für ›flennen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Sie berlinert, sie flennt, sie schnarrt und schimpft wie immer. [Süddeutsche Zeitung, 26.11.1998]
Sie strahlt oder flennt, dazwischen gibt es nur wenig, was sie ausdrücken kann. [Die Zeit, 01.07.1999, Nr. 27]
Wenn ich 30 Stunden nicht geschlafen habe und dann bei einer dieser dämlichen TV‑Romanzen der Held am Schluss das Mädel doch bekommt, flenne ich los. [Süddeutsche Zeitung, 23.10.2001]
Ich habe im Kopf private Erlebnisse mit schlimmen Phantasien gemischt, da mußte ich automatisch flennen. [Bild, 24.01.2005]
Es komme ihnen nicht zu, zu flennen und zu schreien wie Bauernmägde. [Huch, Ricarda: Der Dreißigjährige Krieg, Wiesbaden: Insel-Verl. 1958 [1914], S. 964]
Zitationshilfe
„flennen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/flennen>.

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