flennen

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungflen-nen (computergeneriert)
Wortbildung mit ›flennen‹ als Erstglied: ↗Flennerei  ·  mit ›flennen‹ als Letztglied: ↗anflennen · ↗ausflennen  ·  mit ›flennen‹ als Grundform: ↗Geflenn · ↗Geflenne
eWDG, 1967

Bedeutung

umgangssprachlich, abwertend (mit verzogenem Gesicht) weinen
Beispiele:
das Kind fing gleich an zu flennen
der Junge flennt bei jeder Gelegenheit
was gibt es denn zu flennen?
hör auf zu flennen!
wie der [der Vater] dann im Krieg gefallen ist, da haben dann all seine Mädelchen ... geflennt [SeghersSiebtes Kreuz4,141]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

flennen Vb. ‘weinen’, ein Wort der Mundart, das in der Literatursprache erst im 16. Jh. greifbar wird. Verwandt sind ahd. flannēn ‘den Mund verziehen’ (um 1000), mhd. vlans ‘Mund, Maul’, nhd. Flunsch ‘schmollend verzogener Mund’, frühnhd. Flenner ‘wer weint, heult’ (15. Jh.). flennen gilt zunächst gleichermaßen für ‘weinen’ und ‘lachen’; erst im 18. Jh. setzt sich allgemein ‘weinen’ durch. Die Herleitung ist ungesichert.

Thesaurus

Synonymgruppe
Tränen vergießen · ↗jammern · ↗schluchzen · ↗schreien (Baby) · ↗weinen (vor) · ↗wimmern  ●  ↗weinen (über)  Hauptform · (sich) ein Tränchen verdrücken  ugs. · ↗barmen  geh., poetisch · ↗bläken  ugs., abwertend, regional · das heulende Elend haben  ugs. · flennen  ugs., regional · ↗greinen  ugs. · ↗heulen  ugs. · leise weinend (in der Ecke)  ugs., floskelhaft · ↗plieren  ugs. · ↗plinsen  ugs., norddeutsch · ↗plärren  ugs., abwertend, regional
Oberbegriffe
Unterbegriffe
  • (jemandem) schießen (die) Tränen in die Augen · (plötzlich) weinen müssen  ●  (das) heulende Elend bekommen  ugs.
Assoziationen
  • Tränchen  abwertend · ↗Träne  Hauptform · ↗Zähre  veraltet
  • Traurigkeit heucheln  ●  (den) Traurigen mimen  ugs. · (sich) ein paar Tränchen verdrücken  ugs. · Krokodilstränen vergießen  ugs., Hauptform · Krokodilstränen weinen  ugs. · auf traurig machen  ugs.
  • bejammern · ↗klagen · ↗lamentieren · ↗wehklagen · ↗zetern  ●  ↗jammern  Hauptform · ↗barmen  geh., veraltend, regional, literarisch · ↗heulen  ugs. · ↗janke(r)n  ugs. · ↗raunzen  ugs., österr.
  • gefühlig · gefühlsbesoffen · ↗gekünstelt · im Überschwang der Gefühle · ↗kitschig · ↗larmoyant · ↗melodramatisch · mit reichlich Herz und Schmerz · rührstückhaft · ↗schmalzig · ↗seelenvoll · ↗sentimental · ↗theatralisch · ↗tränenselig  ●  ↗gefühlsbetont  Hauptform · ↗gefühlsduselig  ugs. · mit Pipi inne Augen  ugs., ruhrdt.
  • herumjanken · ↗janken · keine Ruhe geben  ●  (rum)knöttern  ugs., ruhrdt. · ↗(rum)quaken  ugs. · ↗herumquengeln  ugs. · ↗quengeln  ugs.
  • anfangen zu weinen · in Tränen ausbrechen · in Weinen ausbrechen · ↗losweinen  ●  das heulende Elend kriegen  ugs. · ↗losheulen  ugs.
  • (sich die) Augen aus dem Kopf weinen · Rotz und Wasser heulen · Ströme von Tränen vergießen · dicke Tränen vergießen · heiße Tränen vergießen · heiße Tränen weinen · hemmungslos weinen · heulen wie ein Schlosshund · in Tränen aufgelöst sein · in Tränen schwimmen  ●  (die) Tränen laufen jemandem (nur so) übers Gesicht  variabel · (sich die) Augen ausweinen  fig. · (sich) in Tränen auflösen  fig. · alle Schleusen öffnen  fig · bittere Tränen vergießen  veraltend · heftig weinen  Hauptform · in Tränen zerfließen  fig. · hemmungslos losheulen  ugs.
  • (sich) ausweinen (bei jemandem)  auch figurativ · (sich) ausheulen (bei jemandem)  ugs., auch figurativ
  • (jemandem etwas) vorweinen  ●  ↗(jemandem etwas) vorjammern  abwertend · ↗(jemandem etwas) vorheulen  ugs.
  • (sich) eine Träne aus dem Augenwinkel wischen · feuchte Augen bekommen · nasse Augen bekommen  ●  dem Weinen nahe sein  Hauptform · Pipi in die Augen bekommen  derb
  • (jemandem) stehen die Tränen in den Augen · (jemandem) steht das Wasser in den Augen · Tränen in den Augen haben · feuchte Augen haben  ●  nasse Augen haben  Hauptform · Pipi in den Augen haben  derb
  • (sich) in den Schlaf weinen · (sich) müde weinen
  • fiepen · ↗jaulen · ↗wimmern · ↗winseln
  • (sich) (wehmütigen Gedanken) hingeben · hinterhertrauern · ↗nachhängen · ↗nachtrauern · ↗nachweinen
  • bei jeder Kleinigkeit weinen · immer gleich weinen · oft weinen · schnell weinen · sofort weinen (müssen)  ●  nah(e) am Wasser gebaut haben  Hauptform, fig.
  • gefühlsbeladen · ↗gefühlsselig · ↗gefühlvoll · ↗rührselig · ↗schmalzig · ↗schnulzig · ↗sentimental  ●  auf die Tränendrüse drücken(d)  ugs., fig.
  • (heftig) weinend · in Tränen aufgelöst · ↗tränenreich · unter Tränen
  • (den Verlust einer Person) beklagen · ↗(jemanden) beweinen · ↗bejammern · ↗betrauern · ↗trauern (um) (über) · ↗weinen (um)
  • Weinkrampf  ●  (das) heulende Elend  ugs. · Heulanfall  ugs.

Typische Verbindungen
computergeneriert

los rennen schreien

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›flennen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Sie berlinert, sie flennt, sie schnarrt und schimpft wie immer.
Süddeutsche Zeitung, 26.11.1998
Sie strahlt oder flennt, dazwischen gibt es nur wenig, was sie ausdrücken kann.
Die Zeit, 01.07.1999, Nr. 27
Ich habe im Kopf private Erlebnisse mit schlimmen Phantasien gemischt, da mußte ich automatisch flennen.
Bild, 24.01.2005
Es komme ihnen nicht zu, zu flennen und zu schreien wie Bauernmägde.
Huch, Ricarda: Der Dreißigjährige Krieg, Wiesbaden: Insel-Verl. 1958 [1914], S. 964
Er flennte wie ein Kind und vergaß im Schmerz die Gefahr.
Stucken, Eduard: Die weißen Götter, Stuttgart: Stuttgarter Hausbücherei [1960] [1919], S. 468
Zitationshilfe
„flennen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/flennen>, abgerufen am 26.03.2019.

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