fliehen

GrammatikVerb · floh, ist/hat geflohen
Aussprache
Worttrennungflie-hen (computergeneriert)
Wortbildung mit ›fliehen‹ als Erstglied: ↗Fliehburg · ↗Fliehkraft  ·  mit ›fliehen‹ als Letztglied: ↗vorüberfliehen · ↗zurückfliehen  ·  mit ›fliehen‹ als Grundform: ↗entfliehen · ↗fliehend
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
mit Hilfsverb ›ist‹
die Flucht ergreifen, ausreißen
Beispiele:
heimlich, unbemerkt, eilig fliehen
entsetzt, erschreckt vor jmdm., etw. fliehen
vor dem Feind fliehen
die Wanderer sind vor dem Unwetter in die Berghütte geflohen
die Rehe flohen ins Dickicht
der Gefangene ist aus dem Kerker geflohen
nach B, ins Ausland, über die Grenze fliehen
er ist von L bei Nacht und Nebel geflohen
die gegnerischen Einheiten fliehen
der (geschlagene) Gegner flieht
fliehend entging er den Verfolgern
gehoben, übertragen schnell vergehen, verrinnen
Beispiele:
die Zeit, Jugend flieht
die Stunden, Tage, Jahre fliehen
Gedanken fliehen (= entschwinden)
schnell flieht das Glück
die Wolken fliehen (= ziehen schnell davon)
Die Leidenschaft flieht, / Die Liebe muß bleiben [SchillerGlocke]
2.
mit Hilfsverb ›hat‹
gehoben jmdn., etw. meiden, sich von jmdm., etw. fernhalten
Beispiele:
die Menschen, Gesellschaft, Welt, Stadt, das Licht, den Alkohol, die Versuchung, Sünde, das Laster, die Stätte des Grauens fliehen
jmds. Gegenwart fliehen
ich habe den Heuchler geflohen wie die Pest
er floh ihren Blick
sie floh ihn
Mit vierundzwanzig Jahren verbreitete er bereits einen solchen Gestank von Langerweile, daß jedermann erschrocken seine Nähe floh [Bergengr.Rittmeisterin339]
übertragen
Beispiel:
der Schlaf flieht mich (schon) seit Tagen (= ich kann nicht schlafen)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

fliehen · entfliehen · Fliehkraft
fliehen Vb. ‘ausreißen, sich schnell (und heimlich) entfernen’, ahd. fliohan (8./9. Jh.), mhd. vliehen, vlien, asächs. fliohan, mnd. vlēn, vlien, mnl. vlīen, nl. vlieden, aengl. flēon, engl. to flee, anord. flȳja, got. (mit þl-Anlaut, s. auch ↗flehen) þliuhan setzen germ. *fleuh- oder *þleuh- voraus. Da das Problem des ursprünglichen Anlauts (fl- oder þl-) noch ungeklärt ist, bleibt jeder etymologische Erklärungsversuch (z. B. Anschluß an lat. lōcusta ‘Heuschrecke’, eigentlich ‘mit Gelenken versehen, biegsam, springend’, oder, mit grammatischem Wechsel, an ↗fliegen, s. d.) ungesichert. entfliehen Vb. verstärktes fliehen, ahd. intfliohan ‘entwischen, zurückweichen, sich entziehen’ (9. Jh.), mhd. enphliehen, entvliehen. Fliehkraft f. ‘Zentrifugalkraft’ (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(das) Weite suchen · die Flucht ergreifen · ↗entkommen · fliehen · ↗flüchten · ↗weglaufen · zu entkommen versuchen  ●  Fersengeld geben  veraltend · (sich) aus dem Staub machen  ugs. · ↗(sich) dünn(e) machen  ugs. · ↗(sich) verdrücken  ugs. · ↗abhauen  ugs. · ↗ausfliegen  ugs., ironisch · ↗stiften gehen  ugs. · ↗türmen  ugs. · ↗verduften  ugs. · zu entkommen suchen  geh.
Assoziationen
Synonymgruppe
(sich) aus der Verantwortung stehlen · ↗(sich) davonstehlen · (sich) der Verantwortung entziehen · (sich) einen schlanken Fuß machen · ↗(sich) entziehen · (sich) nicht stellen · aus dem Wege gehen · ↗ausweichen · ↗meiden · ↗scheuen  ●  (sich) drücken (vor)  ugs. · (sich) herumdrücken (um)  ugs. · fliehen (literar.)  geh. · ↗kneifen  ugs.
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Ausland Berg Beute Bewohner Bürgerkrieg Einwohner Exil Familie Gefängnis Heimat Hunderttausend Häftling Nachbarland Nationalsozialist Nazi Panik Richtung Räuber Serbe Süden Tausend Täter Verfolgung Wald Weste Zehntausend hals über Kopf unerkannt weiterfliehen zurückfliehen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›fliehen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Das aber wäre dann endgültig das Signal, so schnell es geht aus derartigen Anlagen zu fliehen.
Die Zeit, 26.01.2006, Nr. 05
Sie werden zu Hause bleiben, sie hätten nicht vor zu fliehen.
Der Tagesspiegel, 20.03.2003
Als sie ihn aber mit dem Kreuz, das sie um den Hals trägt, segnen will, flieht er verwirrt.
Fath, Rolf: Werke - R. In: Reclams Opernlexikon, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1998], S. 24434
Wenn er sie wirklich liebt, soll er mit ihr fliehen!
Schuhmann, Otto: Meyers Opernbuch, Leipzig: Bibliograph. Inst. 1938 [1935], S. 313
Nichts flieht vor ihm, wie er vor nichts fliehen kann.
Hofmannsthal, Hugo von: Goethes »West-Östlicher Divan«. In: Bertram, Mathias (Hg.) Deutsche Literatur von Lessing bis Kafka, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1913], S. 27895
Zitationshilfe
„fliehen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/fliehen>, abgerufen am 26.03.2019.

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