fluchen

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungflu-chen
Wortbildung mit ›fluchen‹ als Erstglied: ↗fluchenswert  ·  mit ›fluchen‹ als Letztglied: ↗losfluchen  ·  mit ›fluchen‹ als Grundform: ↗Gefluche · ↗verfluchen
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
im Zorn ein Kraftwort sagen
Beispiele:
er fluchte fürchterlich
fluche bitte nicht!
du sollst doch nicht fluchen!
wie ein Fuhrknecht fluchen
Hobby fluchte das Blaue vom Himmel herunter [Kellerm.Tunnel58]
2.
über jmdn., etw. sehr schimpfen
Beispiele:
auf, über jmdn., etw. fluchen
er fluchte auf sie, über seine Familie, auf das Wetter, über die Straßen
Der alte einheimische Schuster fluchte über den niederträchtigen Heuchler [SeghersDie Toten6,101]
3.
gehoben jmdm., einer Sache fluchenjmdn., etw. verwünschen
Beispiel:
Ich brachte dich um die Freuden deiner Jugend – o fluche mir nicht! [SchillerRäuberII 2]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

fluchen · Fluch · verfluchen
fluchen Vb. ‘Verwünschungen ausstoßen, derb schimpfen’, ahd. fluohhōn (um 800), fluohhen (aostnfrk. 9. Jh.), fluohhan (9. Jh.), mhd. vluochen, asächs. flōkan, mnd. vlōken, mnl. nl. vloeken ‘schmähen, verwünschen, schelten’, aengl. flōcan ‘Beifall klatschen’, got. flōkan ‘beklagen’ führen mit anord. flōkinn ‘verwirrt’, flōki ‘gestampfter Filz’ und griech. -plēgnýnai (-πληγνύναι) ‘schlagen’, lat. plangere ‘schlagen, die Hand auf die Brust schlagen, laut trauern, wehklagen’, lit. plàkti ‘schlagen, züchtigen’, aslaw. plakati ‘weinen, beweinen’, russ. plákat’ (плакать) ‘weinen, klagen’ auf ie. *plāk-, *plāg- ‘schlagen’. Der Zusammenhang der Wörter des Fluchens, Klagens, Schlagens macht deutlich, daß der Vorgang des Verwünschens wie der des Klagens und Trauerns mit affektischem Schlagen an die Brust verbunden war. Heute gilt fluchen meist nur noch für ‘derb schimpfen’. Die Bedeutung ‘verwünschen, jmdm. etw. Böses wünschen’ übernimmt verfluchen (s. unten). Fluch m. ‘Verwünschung, Schimpf’, ahd. fluoh ‘Verfluchung, Verwünschung’ (9. Jh.), mhd. vluoch, mnd. vlōk, mnl. vloec, nl. vloek, aus dem Verb rückgebildetes Abstraktum. verfluchen Vb. ‘jmdm. den Zorn Gottes, Unheil wünschen, verstoßen, verwünschen’, ahd. firfluohhōn (um 1000), firfluohhan (9. Jh.), firfluohhen (Hs. 12. Jh.), mhd. vervluochen.

Thesaurus

Synonymgruppe
fluchen · ↗verdammen · ↗verfluchen  ●  ↗maledeien  veraltet
Synonymgruppe
(ein) Geschrei erheben · Krawall machen · Randale machen · Unmut äußern · Zorn äußern · ein großes Palaver veranstalten · fluchen · ↗geifern · ↗herumschreien · ↗keifen · lautstark protestieren · nicht zu beruhigen sein · ↗poltern · ↗schimpfen · ↗zetern  ●  (die) Welle machen  ugs. · (eine) Szene machen  ugs. · (einen) (mächtigen) Wirbel veranstalten  ugs. · (einen) Riesenaufstand machen  ugs. · (einen) Zwergenaufstand veranstalten  ugs. · (he)rumpalavern  ugs. · (mächtig) auf den Putz hauen  ugs. · fluchen wie ein Bierkutscher  ugs. · fluchen wie ein Droschkenkutscher  ugs. · fluchen wie ein Fischweib  ugs. · herumzetern  ugs. · keifen wie ein Fischweib  ugs. · ↗motzen  ugs. · rumschreien  ugs. · schimpfen wie ein Fischweib  ugs. · schimpfen wie ein Rohrspatz  ugs. · ↗schnauzen  ugs. · ↗wettern  ugs.
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Bierkutscher Kesselflicker Kutscher Rohrspatz Sachwert brüllen flehen gestikulieren heulen hin hupen huren innerlich kreischen laut lauthals leise lästern poltern pöbeln saufen schimpfen schreien schwitzen stöhnen unflätig weinen zetern zufluchen ächzen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›fluchen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wenn ich die Songs schreibe, fluche ich vermutlich bei jedem dritten Wort.
Die Zeit, 05.11.2013 (online)
Viele wollen sich nicht mehr in den Mantel helfen lassen, einige fluchen sogar.
Der Tagesspiegel, 24.04.2000
Er wetzt hin und her, und darüber fluchen die anderen.
Bodenreuth, Friedrich [d.i. Jaksch, Friedrich]: Alle Wasser Böhmens fließen nach Deutschland, Berlin: Büchergilde Gutenberg 1938 [1937], S. 150
Sie hörte ihn herzhaft fluchen, sich und sein Alter verfluchen.
Knittel, John: Via Mala, Berlin: Deutsche Buch-Gemeinschaft 1957 [1934], S. 138
Wir müssen erst dem Alten fluchen und dann nach gutem Neuen suchen - bis er vermodert ist.
Tucholsky, Kurt: Helm ab -! In: ders., Kurt Tucholsky, Werke - Briefe - Materialien, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1918], S. 6232
Zitationshilfe
„fluchen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/fluchen>, abgerufen am 22.01.2019.

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