foltern

Grammatik Verb · foltert, folterte, hat gefoltert
Aussprache 
Worttrennung fol-tern
GrundformFolter
Wortbildung  mit ›foltern‹ als Erstglied: Foltergefängnis · Folterknecht · Foltermethode · Folterung · Folterverbot
eWDG und ZDL

Bedeutungen

1.
jmd. foltert jmdn.jmdm. durch grausame, unmenschliche bzw. erniedrigende Behandlung, Bestrafung o. Ä. vorsätzlich Leid, Schmerzen zufügen
Kollokationen:
mit Akkusativobjekt: Gefangene, Häftlinge, Kriegsgefangene, Terrorverdächtige, Verdächtige, Zivilisten foltern
mit Passivsubjekt: Angeklagte, Festgenommene, Gefangene, Gegner, Geiseln, Häftlinge, Opfer, Oppositionelle, Verdächtige wurden gefoltert
hat Präpositionalgruppe/-objekt: jmdn. mit Bügeleisen, Elektroschocks, Stromschlägen foltern; in Gefangenenlagern, in Gefängnissen, in Haft foltern; bei Verhören, während eines Verhörs foltern
Beispiele:
jmdn. grausam, zu Tode folternWDG
Sowohl sunnitische als auch schiitische Extremisten unterhalten Todesschwadronen. Ihre Mitglieder entführen Angehörige der jeweils anderen Bevölkerungsgruppe, foltern sie mit Elektrobohrern oder auf andere Weise und erschießen sie dann. [Die Welt, 14.09.2006]
Nach Überzeugung des Bonner Landgerichts fuhr der Angeklagte Mitte Dezember 2014 zusammen mit zwei Freunden nach Österreich, um seiner Ex‑Freundin und ihrem neuen Freund aufzulauern. Ziel war es, die Frau zu bestrafen und zur Rückkehr zu zwingen. Das Liebespaar wurde mit Waffengewalt entführt und mit dem Tod bedroht. Die Täter folterten den neuen Freund der Frau in einem einsamen Waldstück, zwangen ihn, sich nackt auszuziehen und ließen ihn verletzt im Wald liegen. [Die Zeit, 26.08.2015 (online)]
Am 5. Januar 1757 griff ein religiöser Fanatiker den König von Frankreich mit einem Dolch an und verletzte ihn leicht. […] Der Täter wurde vier Stunden lang öffentlich gefoltert und sodann mithilfe von Henkern, Pferden und Beichtvätern bei lebendigem Leibe gevierteilt, zum lustvollen Entsetzen des Publikums. [Die Zeit, 05.02.2015]
bildlich, scherzhaft Diät mit oder ohne Kohlenhydrate, Schoko‑Abstinenz, Fitnesswahnsinn – pünktlich zum neuen Jahr fallen uns wieder viele Möglichkeiten ein, unseren Körper zu formen oder zu foltern. [Nice to know: Das A und O der Figuren, 02.01.2017, aufgerufen am 16.10.2019]
spezieller jmdn. unter gezielter Anwendung physischer und psychischer Gewalt dazu bringen, ein Geständnis abzulegen, Informationen preiszugeben, andere Personen zu verraten bzw. zu beschuldigen
siehe auch torquieren (1)
Beispiele:
Er foltert sie mit einer Art Waterboarding, verlangt in der Rolle als Verhörspezialist immer wieder Informationen über V, droht ihr mit dem Tod. [Der Spiegel, 05.11.2011 (online)]
Er hatte sich einen jungen Menschen aus den Kerkern der Inquisition geholt, den man dort zum Krüppel gefoltert hatte[.] [ Feuchtw.Goya389]WDG
Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International wirft den Behörden der Golfmonarchie Bahrain vor, Kinder und Jugendliche schwer zu misshandeln. Minderjährige, die bei Demonstrationen festgenommen werden, würden in der Haft geschlagen, gefoltert und mit Vergewaltigung bedroht, um ihnen Geständnisse abzupressen, heißt es in einem Bericht. [Die Zeit, 16.12.2013 (online)]
Erst Jahrzehnte später [viele Jahre nach dem Tod des inhaftierten Schriftstellers Isaak Babel im Jahr 1940] erfährt seine Witwe, dass ihr Mann gefoltert wurde, bis er sich schuldig bekannte, dass er das erzwungene Geständnis widerrief, trotzdem für schuldig befunden und erschossen wurde. [Süddeutsche Zeitung, 06.10.2010]
2.
bildlich, emotional, übertrieben jmdn. durch Anwesenheit, bestimmtes Verhalten, z. B. insistierendes, aufdringliches Fragen o. Ä., belästigen, behelligen
siehe auch nerven
Beispiele:
jmdn. mit bösen Worten, wiederholten Kränkungen folternWDG
In historischen Kostümen foltern Schauspieler knapp zwei Stunden lang die Nerven des Publikums. [Die Welt, 23.08.2000]
Die wenigen nach den letzten Wochen noch verbliebenen Gehirnzellen foltere ich mit Fragen wie: Wohin mit mir? In welche Richtung soll die Reise gehen? Was soll aus mir werden, wenn ich groß bin? Was kann ich als Einzelner schon tun? [die tageszeitung, 31.07.1992]
Wenn die Blondine [Tennisspielerin Steffi Graf] in den üblichen Pressekonferenzen nach jedem Match mit Fragen gefoltert wird, […] reagiert sie gezwungen kühl und beherrscht. [Berliner Zeitung, 19.05.1992]
3.
bildlich etw. foltert jmdn.eine peinigende, marternde, quälende Wirkung auf jmdn. (bzw. etw.) haben
Beispiele:
die andauernde Sorge, Reue foltert ihnWDG
von Angst, Gewissensbissen gefoltertWDG
Sogar während meiner Schwangerschaft war ich ständig auf hohen Absätzen unterwegs – Rückenprobleme hatte ich glücklicherweise nie, wohl auch, weil ich auch bei High Heels darauf achte, dass die Passform stimmt und meine Füße nicht gefoltert werden. [Das bin ich!, 08.07.2013, aufgerufen am 16.10.2019]
Viele Zeitgenossen zögern den Besuch beim Zahnarzt hinaus, bis die Karies‑Bakterien den Schmelz durchbohrt haben, den Nerv foltern und alle Schmerztabletten dieser Welt wirkungslos machen. [Süddeutsche Zeitung, 27.07.2004]
Diese Erinnerungen wühlten ihr das Herz auf; sie hielt sich die Hände vor die Ohren und preßte die Lider zu, als könne sie dadurch das Bild der Qual, die sie hatte leiden müssen, aus ihrem Hirn verjagen; doch ihr Gedächtnis war unerbittlich und schonte sie zeitweilig nur, um sie dann wieder zu foltern[…]! [Welt am Sonntag, 23.08.1998]
Zähneknirschend und doch von der Angst gefoltert, sie an einen der vielen anderen verlieren zu können, unterwarf er sich täglich mehr ihren Launen. [Braun, Lily: Lebenssucher. In: Deutsche Literatur von Frauen. Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1915], S. 8802]

letzte Änderung:

Zum Originalartikel des WDG gelangen Sie hier.

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Folter · foltern · Folterung
Folter f. ‘Gerät zur körperlichen Mißhandlung, um Geständnisse zu erpressen, körperliche, seelische Qual’. Die Herkunft des Wortes ist nicht völlig geklärt. Die Sache ist dem germanischen Recht ursprünglich fremd und wird erst unter römischem Einfluß eingeführt. Das von den Römern verwendete Foltergerät in der Gestalt eines Fohlens heißt lat. eculeus (eigentlich ‘Pferdchen’, Deminutivum zu lat. equus ‘Pferd’). Die zuerst Anfang des 15. Jhs. in der Form Föltrit belegte dt. Bezeichnung knüpft man dagegen an lat. pullitrus, eine ursprünglich adjektivische, dann substantivierte Ableitung von lat. pullus ‘jung (von Tieren), Tierjunges’ an (in der Antike nur in fem. Form als lat. pullitra ‘junges Huhn, Küken’ belegt), das in zahlreichen vlat. und mlat. Varianten weiterlebt, z. B. in mlat. pulletrus, poledrus, poletrus m. ‘Füllen, Fohlen’. Daraus entwickelt sich möglicherweise in volksetymologischer Anlehnung an Fohlen und unter lautlichem Einfluß von bedeutungsähnlichem Marter (s. d.) die Form Folter (seit Ende des 15. Jhs. mit fem. Genus entsprechend Marter f.). Auch aus dem Vlat. entwickeltes span. potro ‘Fohlen’ ist auf ein Foltergerät übertragen worden. foltern Vb. ‘zur Geständniserpressung quälen, peinigen’ (Ende 14. Jh.), seit dem 17. Jh. auf den seelischen Bereich übertragen. Folterung f. (16. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
foltern · martern · peinigen · plagen · quälen  ●  torquieren  geh., veraltet
Oberbegriffe

Typische Verbindungen zu ›foltern‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›foltern‹.

Zitationshilfe
„foltern“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/foltern>.

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