foltern

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungfol-tern
Wortbildung mit ›foltern‹ als Erstglied: ↗Folterung
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
historisch jmdn. auf der Folter martern
Beispiele:
jmdn. grausam, zu Tode foltern
Er hatte sich einen jungen Menschen aus den Kerkern der Inquisition geholt, den man dort zum Krüppel gefoltert hatte [Feuchtw.Goya389]
2.
übertragen jmdn. aufs höchste peinigen, quälen
Beispiele:
jmdn. mit bösen Worten, wiederholten Kränkungen foltern
die andauernde Sorge, Reue foltert ihn
von Angst, Gewissensbissen gefoltert
und ihre Höflichkeit sei nur die Methode, mit der sie sich gegenseitig quälten und bis aufs Blut folterten [DürrenmattVersprechen222]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Folter · foltern · Folterung
Folter f. ‘Gerät zur körperlichen Mißhandlung, um Geständnisse zu erpressen, körperliche, seelische Qual’. Die Herkunft des Wortes ist nicht völlig geklärt. Die Sache ist dem germanischen Recht ursprünglich fremd und wird erst unter römischem Einfluß eingeführt. Das von den Römern verwendete Foltergerät in der Gestalt eines Fohlens heißt lat. eculeus (eigentlich ‘Pferdchen’, Deminutivum zu lat. equus ‘Pferd’). Die zuerst Anfang des 15. Jhs. in der Form Föltrit belegte dt. Bezeichnung knüpft man dagegen an lat. pullitrus, eine ursprünglich adjektivische, dann substantivierte Ableitung von lat. pullus ‘jung (von Tieren), Tierjunges’ an (in der Antike nur in fem. Form als lat. pullitra ‘junges Huhn, Küken’ belegt), das in zahlreichen vlat. und mlat. Varianten weiterlebt, z. B. in mlat. pulletrus, poledrus, poletrus m. ‘Füllen, Fohlen’. Daraus entwickelt sich möglicherweise in volksetymologischer Anlehnung an Fohlen und unter lautlichem Einfluß von bedeutungsähnlichem ↗Marter (s. d.) die Form Folter (seit Ende des 15. Jhs. mit fem. Genus entsprechend Marter f.). Auch aus dem Vlat. entwickeltes span. potro ‘Fohlen’ ist auf ein Foltergerät übertragen worden. foltern Vb. ‘zur Geständniserpressung quälen, peinigen’ (Ende 14. Jh.), seit dem 17. Jh. auf den seelischen Bereich übertragen. Folterung f. (16. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
foltern · ↗martern · ↗peinigen · ↗plagen · ↗quälen  ●  ↗torquieren  geh., veraltet
Oberbegriffe
Assoziationen
  • ausfragen · ↗befragen · ↗verhören · ↗vernehmen · zur Rede stellen  ●  ↗inquirieren  veraltend · (jemanden) einvernehmen (bürokrat./jurist.)  fachspr. · ↗(jemanden) grillen  ugs.
  • (schwere) Verletzungen zufügen · grün und blau schlagen · halbtot schlagen · ↗misshandeln · übel zurichten  ●  draufhauen wie auf kalt Eisen  ugs., veraltend

Typische Verbindungen zu ›foltern‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Elektroschock Gefangene Gefängnis Gestapo Häftling Regimegegner Tod Verhör demütigen einkerkern einsperren entführen ermorden erniedrigen erschießen gefangenhalten gefangennehmen hinrichten inhaftieren mißhandeln morden prügeln quälen töten umbringen vergewaltigen verhaften verhören verschleppen verstümmeln

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›foltern‹.

Verwendungsbeispiele für ›foltern‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Später musste er am eigenen Leib erfahren, was es bedeutet, gefoltert zu werden.
Der Tagesspiegel, 21.10.2002
Er träumte davon, ihn auf die bizarrste Weise sexuell zu foltern.
Bild, 29.07.1997
Man foltert mir das Haus ab, und Eva grämt sich.
Klemperer, Victor: [Tagebuch] 1941. In: ders., Ich will Zeugnis ablegen bis zum letzten, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 1999 [1941], S. 70
Ich spucke euch an, foltert mich; schließt mir den Mund, ich kotze euch doch an.
Rubiner, Ludwig: Die Gewaltlosen. In: Deutsche Literatur von Lessing bis Kafka, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1919], S. 16535
Da wird man normalerweise dafür, daß man sich verantwortlich fühlt, nicht gleich eingesperrt oder umgebracht oder gefoltert.
Weizsäcker, Carl Friedrich von: Bewußtseinswandel, München: Hanser 1988, S. 325
Zitationshilfe
„foltern“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/foltern>, abgerufen am 29.01.2020.

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