Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

formal

Grammatik Adjektiv
Aussprache 
Worttrennung for-mal
Wortzerlegung Form -al
Wortbildung  mit ›formal‹ als Erstglied: Formalismus · Formalist · formalisieren · formaljuristisch · formallogisch · formalrechtlich · formalästhetisch
 ·  mit ›formal‹ als Grundform: Formalität  ·  formal verwandt mit: Formalie
Herkunft aus fōrmālislat ‘äußerlich, zur Form gehörig, an eine bestimmte Form gebunden’ < fōrmalat ‘Gestalt, Figur, Äußeres’
eWDG

Bedeutung

auf die äußere Form bezüglich
Beispiele:
die formale Anlage, Struktur des Romans
formale Ausdrucksmittel
der Redner ging an die formale Fassung seiner Ansprache
der Künstler hatte viele formale Schwierigkeiten zu bewältigen
der Aufsatz ist in formaler Hinsicht gut
Der eine Lehrer hatte ihm gleich geraten, sich aufs Formale der Kunst … zu verlegen [ FedererPapst379]
nur die Form, nicht den Inhalt berücksichtigend
Beispiele:
die formale Bildung, Methodik
das formale (= sich streng nach den gültigen Paragraphen richtende) Recht, Gesetz
er hat den Kopf bloß mit formalem Wissen vollgestopft
rein äußerlich, nur der bloßen Form nach
Beispiele:
ein formales Verhalten, eine formale Demokratie
die formale Anwendung der Vorschriften
formal arbeiten, administrieren
einen Plan formal aufstellen, erfüllen
jmdm. nur formal (= scheinbar) gewisse Rechte einräumen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

formal · formell · Formalie · formalisieren · Formalismus · formalistisch · Formalität
formal Adj. ‘die Form betreffend’, im 16. Jh. aus lat. formālis ‘äußerlich, zur Form gehörig, an eine bestimmte Form gebunden’ (zu lat. forma, s. Form) entlehnt. formell Adj. ‘die äußere Form genau beachtend, konventionell, steif’ (s. auch förmlich), Übernahme (18. Jh.) von (gleichfalls auf lat. formālis beruhendem) frz. formel, zunächst in dessen Bedeutung ‘in aller Form ausgesprochen, ausdrücklich, unmißverständlich’, in heutiger Verwendung seit dem 19. Jh. Formalie f. ‘Äußerliches, Vorschrift der Form’ (16. Jh.), meist im Plural gebraucht, aus lat. formālia, dem substantivierten neutralen Plural des Adjektivs formālis. formalisieren Vb. ‘in eine strenge, eine bestimmte Form bringen’. Dieser moderne Gebrauch (19. Jh.) entwickelt sich aus dem Adjektiv formal (s. oben). Älteres (bis ins 19. Jh. geltendes) sich formalisieren ‘Anstoß nehmen, sich über etw. aufhalten’ ist Entlehnung (17. Jh.) aus frz. se formaliser ‘sich ärgerlich über etw. aussprechen’, eigentlich ‘schockiert sein über das Fehlen jeder Form’, vgl. mfrz. formaliser ‘formgerecht abfassen, formulieren’. Formalismus m. Kunstrichtung, die die Form des Kunstwerks überbewertet und den Inhalt vernachlässigt, allgemein ‘nur auf Äußeres gerichtete Betrachtungsweise’, gelehrte nlat. Bildung des 19. Jhs. zu lat. formālis; dazu formalistisch Adj. (19. Jh.). Formalität f. ‘Äußerlichkeit, Vorschrift der Form’ (16. Jh.), mlat. formalitas (Genitiv formalitatis).

Thesaurus

Synonymgruppe
der Form halber · der Form wegen · die Form betreffend · formal · nominell · um der Form zu genügen · um einer Vorschrift zu genügen · zum Schein · äußerlich  ●  pro forma  lat.
Assoziationen
  • (den normalen) Anstandsregeln entsprechen · (den) (üblichen / allgemeinen / bewährten ...) Gepflogenheiten entsprechen · (sich) gehören · (sich) schicken · angemessen sein · vom Anstand geboten sein  ●  (sich) ziemen  veraltet · (den) Anstandsregeln Genüge tun  geh. · (etwas) bringen können  ugs. · (etwas) gebietet (schon allein) der Anstand  geh. · (sich) geziemen  geh., veraltet · (sich) passen  geh., veraltend · Pflicht sein  ugs. · schicklich sein  geh.
  • (nur eine) Formalität · (reine) Formsache · Formalie · Förmlichkeit
  • (eine) reine Formsache · (nur) eine Formalität · nichts Besonderes · reine Routine  ●  machen wir immer so  ugs., variabel
  • anstandshalber · aus (reiner) Höflichkeit · aus Gründen des Anstands · höflicherweise · weil es sich so gehört · weil es so üblich ist  ●  pro forma  lat. · artig  geh., ironisierend, fig. · artigerweise  geh., ironisierend, fig.

Typische Verbindungen zu ›formal‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›formal‹.

Verwendungsbeispiele für ›formal‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die formalen Mängel wirken nur beim Lesen, nicht beim Hören störend. [Schultze-Pfaelzer, Gerhard: Propaganda, Agitation, Reklame, Berlin: Stilke 1923, S. 108]
Da aber auch sie formal einwandfrei waren, erachtete er es nicht für notwendig, die Finger der linken Hand einzubiegen. [Feuchtwanger, Lion: Erfolg. In: ders., Gesammelte Werke in Einzelbänden, Bd. 6, Berlin: Aufbau-Verl. 1993 [1930], S. 347]
Damit ist sie mit ihrem fragenden Erschrecken im inhaltlichen wie formalen Sinn der Kern des Bildes. [Busch, Werner: Das sentimentalische Bild, München: Beck 1993, S. 322]
Die veraltete politische Gestalt des Reichs endete formal erst 1806. [Weizsäcker, Carl Friedrich von: Bewußtseinswandel, München: Hanser 1988, S. 253]
Sie soll dem Leser ein einwandfreies Verständnis der beschriebenen Probleme ermöglichen; formale Dinge sind hier eher sekundär. [C't, 2000, Nr. 22]
Zitationshilfe
„formal“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/formal>.

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