fortschreiten

GrammatikVerb · schreitet fort, schritt fort, ist fortgeschritten
Aussprache
Worttrennungfort-schrei-ten
Wortzerlegungfort-schreiten
Wortbildung mit ›fortschreiten‹ als Grundform: ↗Fortschritt · ↗fortgeschritten
eWDG, 1967

Bedeutung

vorwärtsschreiten, weiterschreiten, sich weiterentwickeln
Beispiele:
langsam, allmählich, unaufhaltsam fortschreiten
der Bau des Hauses schritt schnell fort (= machte schnelle Fortschritte)
das Leben schreitet fort
vom Einfachen zum Komplizierten fortschreiten
sie waren immer mit der Zeit fortgeschritten
die Entwicklung schritt über uns fort (= schritt über uns hinweg)
der fortschreitende (= zunehmende) Verfall
die fortschreitende Erwärmung
das Fortschreiten einer Arbeit fördern, hemmen
Ich weiß, daß, je mehr er [der Schauspieler] fortschreitet, das Ziel »Vollkommenheit« umso weiter vor ihm zurückweicht [WintersteinLeben1,344]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

schreiten · abschreiten · ausschreiten · Ausschreitung · einschreiten · fortschreiten · überschreiten
schreiten Vb. ‘feierlich, gemessen einhergehen’, ahd. scrītan ‘gleiten, gehen, vergehen’ (9. Jh.; vgl. giscrītan ‘zusammensinken, verfallen’, 8. Jh.), mhd. schrīten, auch ‘steigen, sich schwingen’, asächs. skrīdan, mnd. schrīden, auch ‘sich vorwärtsentwickeln’, mnl. scrīden, nl. schrijden, afries. scrīda, aengl. scrīþan ‘sich bewegen, kriechen, gleiten’, anord. skrīða ‘gleiten, kriechen, schreiten’, schwed. skrida (germ. *skreiþan). Weiteres ungeklärt. Vielleicht kann als vergleichbar lat. crīsāre (aus *creits- oder *crīts-) ‘beim Beischlaf mit den Schenkeln wackeln’, mir. crith ‘Zittern, Fieber’, bret. skrija ‘vor Furcht zittern’, lit. skriẽsti ‘(im Kreis herum)drehen’, ãpskritas ‘kreis-, kugelrund’, skritulỹs ‘Kreis’ herangezogen werden. Ansetzbar ist danach ie. *(s)kreit-, eine Dentalerweiterung der Wurzel ie. *(s)ker- ‘drehen, biegen, kreisend bewegen’ (s. ↗schräg). Als Ausgangsbedeutung ergibt sich ‘bogenförmige Bewegungen machen’, woraus in älterer Sprache ‘vorwärtsgleiten’ (z. B. von Wurm, Schlange, Schiff), dann ‘gleichmäßig, ruhig, gemessen gehen’. abschreiten Vb. ‘eine Strecke entlanggehen, mit Schritten abmessen’ (16. Jh.). ausschreiten Vb. ‘mit großen, weitausholenden Schritten gehen’, zuvor ‘hinausgehen, (vom Weg) abgehen, aus der Bahn gehen, weggehen’ (16. Jh.); Ausschreitung f. ‘das Abgehen vom rechten Wege, Abweichung’ (17. Jh.), ‘großer Schritt’ (18. Jh.), ‘Gewalttätigkeit, Übergriff’ (19. Jh.). einschreiten Vb. ‘gegen Übergriffe, ungesetzliche Handlungen vorgehen’ (18. Jh.). fortschreiten Vb. ‘vorangehen, sich weiterentwickeln’ (um 1600). überschreiten Vb. ‘eine Grenze, einen Punkt hinter sich lassen, darüber hinausgehen’, ahd. ubarscrītan (10. Jh.), mhd. überschrīten, auch ‘übertreten, besteigen, überreden, bewegen zu’.

Thesaurus

Synonymgruppe
(gut) vorankommen · Fortschritte machen · fortschreiten · nach vorne gehen · ↗vorangehen · ↗voranschreiten · ↗vorrücken · vorwärts kommen · ↗weiterkommen · ↗weiterschreiten
Assoziationen
  • Wink des Himmels · Wink des Schicksals · gutes Zeichen
  • (ein) Glück · ↗(ein) Gottesgeschenk · (ein) unverdientes Glück · ↗(eine) Gnade · (eine) wundersame Fügung · (etwas) hätte nicht besser sein können · (jemand) hätte es nicht besser treffen können · Fügung des Schicksals · ↗Glücksfall · Güte des Schicksals · ↗Segen · glückliche Fügung · glückliche Umstände · glücklicher Umstand · glücklicher Zufall · günstige Umstände  ●  (etwas) hätte nicht besser laufen können  variabel · Geschenk des Himmels  ugs.
  • (gut) vorankommen · (sich) erfreulich entwickeln · (sich) gut entwickeln · ↗aufwärts · es geht aufwärts (mit) · ↗florieren · ↗gedeihen · ↗gut gehen (Geschäfte) · gut laufen (es) · ↗prosperieren · wachsen, blühen und gedeihen · wächst, blüht und gedeiht

Typische Verbindungen zu ›fortschreiten‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Alltagsbewußtsein Amerikanisierung Bauarbeit Bürokratisierung Digitalisierung Erosion Globalisierung Immanenz Industrialisierung Integration Kommerzialisierung Konjunkturzyklus Konsolidierung Konzentrationsprozeß Miniaturisierung Planung Spezialisierung Säkularisierung Verfall Verhandlung Verkaufsverhandlung Verwesung Vorarbeit Vorbereitung Zerfall rüstig schreiten unaufhaltsam unaufhörlich weiter

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›fortschreiten‹.

Verwendungsbeispiele für ›fortschreiten‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Offenbar sind die Vorbereitungen bei Aldi Nord bereits weit fortgeschritten.
Der Tagesspiegel, 04.10.2002
Bei den Arbeitern ist die Entwicklung noch längst nicht so weit fortgeschritten wie bei den Angestellten.
Die Zeit, 05.12.1969, Nr. 49
In der Tat verlor Ägypten im Ablauf seiner Geschichte fortschreitend eine Qualität nach der anderen.
Wilson, John A.: Ägypten. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1961], S. 6386
Die Erforschung der außerhalb U liegenden Abhängigkeiten ist allerdings viel einfacher und weiter fortgeschritten, als jene der U überschreitenden Abhängigkeiten.
Mach, Ernst: Erkenntnis und Irrtum. In: Philosophie von Platon bis Nietzsche, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1905], S. 9630
Erstlich, da es in der Zeit ist und mit der Zeit fortschreitet, so wird es älter als es selbst, mithin auch jünger.
Natorp, Paul: Platons Ideenlehre. In: Philosophie von Platon bis Nietzsche, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1903], S. 6067
Zitationshilfe
„fortschreiten“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/fortschreiten>, abgerufen am 23.02.2020.

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