frönen

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungfrö-nen (computergeneriert)
eWDG, 1967

Bedeutung

gehoben einer Leidenschaft verfallen sein, sich einer Leidenschaft rückhaltlos hingeben
Beispiele:
einer Neigung, Liebhaberei, Leidenschaft frönen
dem Genuss, Laster frönen
er frönte leidenschaftlich dem Alkohol, Nikotin
So unbedenklich er den eigenen maßlosen Begierden frönte [Feuchtw.Tag54]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Fron · Frone · Fronleichnam · Frondienst · fronen · frönen
Fron, Frone f. ‘unentgeltliche Arbeit leibeigener und höriger Bauern für den Grund- oder Gutsherrn im Feudalismus’, in neuerer Zeit (19. Jh.) übertragen ‘unliebsame, erzwungene, harte, mühsame Arbeit, Plackerei’. Mhd. vrōn(e) ‘Gewaltherrschaft, Herrendienst, Zwingburg, Gefängnis’, neben der ursprünglichen Bedeutung ‘Herrschaft, Herrschaftlichkeit, Herrlichkeit, Heiligkeit’, ist eine Substantivierung des Adjektivs mhd. vrōn ‘was den (geistlichen oder weltlichen) Herrn betrifft, ihm gehört, heilig (von Gott, Christus), herrschaftlich, öffentlich’, ahd. frōno (indeklinabel und nachgestellt) ‘dem Herrn (Gott, Christus) gehörig, heilig, herrlich’ (vgl. krūzi frōno ‘heiliges Kreuz’), dann ‘öffentlich, dem Staate gehörig’ (9. Jh.). Dies ist eigentlich ein erstarrter Genitiv Plur. (‘der Götter’) von ahd. frō ‘Herr’ (9. Jh.), Anrede für heidnische Götter, dann für den christlichen Gott (später von ↗Herr, s. d., verdrängt); dazu ahd. frouwa f. (s. ↗Frau). Der n-Stamm germ. *frawan- in ahd. frō, asächs. frō in der Anrede, sonst frāho, frōho, aengl. frēa ‘Herrscher, Herr, König, Gott, Christus, Ehemann’ und der jan-Stamm germ. *fraujan- in asächs. frōio, aengl. frīgea, got. frauja ‘Herr’ lassen sich vergleichen mit aind. pravaṇáḥ ‘vorwärts geneigt, abschüssig’, pravaṇá- ‘Abhang, Halde’, griech. prēnḗs (πρηνής), prānḗs (πρανής) ‘vorwärts geneigt, kopfüber, abschüssig, steil’ und führen als Ableitung mit ie. -u̯o- auf ie. *prō̌ ‘vorwärts, vorn, voran’, wozu auch griech. prṓra (πρῷρα) ‘Schiffsvorderteil’, aslaw. pravъ, russ. právyj (правый) ‘recht, gerecht, richtig’, eigentlich ‘geradeaus’, gehören. Mit gleichem Suffix, aber von anderer Ablautstufe sind gebildet aind. pū́rvaḥ ‘der vordere, erste’, aslaw. prьvъ, russ. pérvyj (первый) ‘der erste’. Alle Formen führen auf ein vornehmlich Präpositionen und Adverbien bildendes ie. *per ‘das Hinausführen über’ (s. ↗für, ↗vor, ↗ver-, auch ↗fern, ↗fremd, ↗fromm). Der religiös-christliche Gebrauch des Adjektivs ist erhalten in Fronleichnam m. der Bezeichnung für das seit 1246 gefeierte Kirchenfest am 2. Donnerstag nach Pfingsten, eigentlich ‘der Leib des Herrn, der Leib Jesu Christi’, mhd. vrōnlīcham, vrōnlīchname, nach mhd. der vrōne līcham (s. ↗Leichnam). Zahlreichersind Komposita zur weltlichen Bedeutung des Adjektivs ‘den Herrn betreffend, ihm gehörend, herrschaftlich’, vgl. ahd. frōnohof ‘Herrenhof, Staatskasse’ (10. Jh.), mhd. vrōn(e)hof, auch ‘Kirchhof’; mhd. vrōn(e)bote ‘Amts-, Gerichtsbote, Büttel’; spätmhd. vrōnwalt ‘herrschaftlicher Wald’. Frondienst m. ‘erzwungene Dienstleistung für den Grundherrn’, mhd. vrōndienest. fronen Vb. ‘Frondienste, harte Arbeit leisten’, ahd. frōnen ‘(für den Herrn) in Beschlag nehmen’ (10. Jh.), mhd. vrōnen, vrœnen ‘als Abgabe überreichen, (für den Herrn) in Beschlag nehmen, pfänden, dienen, Frondienst leisten, zum Herrn erhöhen, heiligen, verherrlichen, schmücken’; daneben die umlautende Variante frönen Vb. (einem Laster, einer Leidenschaft) ‘sich rückhaltlos hingeben’, eigentlich ‘einem Laster, einer Leidenschaft wie einem Herrn dienen’ (1. Hälfte 18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Eskapismus Gelüsten Glücksspiel Golfsport Hedonismus Herzenslust Hobby Jagdleidenschaft Laster Leidenschaft Lieblingsbeschäftigung Lieblingssport Lust Müßiggang Nationalsport Neigung Obsession Passion Spielleidenschaft Spieltrieb Steckenpferd Sucht Vorliebe Voyeurismus Wohlleben Zeitvertreib ausgiebig hemmungslos ungehemmt ungestört

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›frönen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ich versuche, mich zu entnerven, dann kann ich auch besser meinen antikapitalistischen Gelüsten frönen.
konkret, 1985
Neu ist hingegen die Tendenz, alten Autos literarisch zu frönen.
Die Zeit, 21.12.1979, Nr. 52
Dies hielt Sie aber nicht ab, selbst dem Hasardspiel zu frönen?
Friedländer, Hugo: Die Oldenburgischen Spielerprozeße. In: ders., Interessante Kriminal-Prozesse, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1911], S. 22391
Man könne den lieben Gott einen guten Mann sein lassen und seinem Steckenpferde frönen.
Kempowski, Walter: Tadellöser & Wolff, München: Hanser 1971 [1971], S. 281
Mit ihm kamen aber auch alle seine Gefährten dazu, dem gleichen Laster zu frönen.
Welt und Wissen, 1927
Zitationshilfe
„frönen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/frönen>, abgerufen am 23.03.2019.

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